Warum Werner Gruber keine Nahtoderfahrung hatte, es aber behauptet

Der bekannte österreichische Physiker Werner Gruber früher. Bildrechte: SPÖ Presse und Kommunikation2014 Werner Gruber (13975788744), Ausschnitt von herejk, CC BY-SA 2.0

Werner Gruber heute (Stand 2020). Bildrechte: KlausK919Werner Gruber Planetarium Wien, Ausschnitt von herejk, CC BY-SA 4.0

Allgemeines zu Werner Grubers vermeintlicher Nahtoderfahrung

 

Der bekannte österreichische Physiker Werner Gruber behauptet immer wieder, selbst eine Nahtoderfahrung (NTE) gehabt zu haben. Warum aber ist es sinnvoll, aufzuzeigen, dass er dieses Erlebnis in Todesnähe völlig falsch einschätzt und es in Wirklichkeit keine Nahtoderfahrung war?

Erstens deshalb, weil Werner Gruber irreführende Behauptungen über Nahtoderfahrungen verbreitet, er aber aufgrund seiner medialen Präsenz und akademischen Position von vielen Menschen wahrgenommen wird und einen höheren Vertrauensvorschuss genießt.

 

Zweitens auch deshalb, weil es offenbar reihenweise Journalisten und sonstige Leute blind gläubig hinnehmen, wenn ein Prominenter mit einer angeblichen Nahtoderfahrung hausieren gehen. Ein einziger Journalist – von der österreichischen Zeitung »Kurier« – scheint Grubers angebliche Nahtoderfahrung angezweifelt zu haben.

 

Neben Werner Gruber sind es noch zwei andere ausgesprochene Skeptiker, die fälschlicherweise behaupten, eine Nahtoderfahrung gehabt zu haben, und zwar die britische Psychologin Susan Blackmore und der deutsche Neurologe Gerhard Roth. Auch auf diese beiden wird in diesem Artikel weiter unten kurz eingegangen.

Ansonsten kommt es immer wieder einmal vor, dass Menschen meinen, sie hätten selbst »Gotteserlebnisse« oder sonstige, paranormal anmutende Erlebnisse gehabt, von denen sie nicht besonders beeindruckt waren. In Wirklichkeit sind diese Erlebnisse in ihrer Qualität und Ausprägung bei weitem nicht mit den echten Transzendenzerfahrungen vergleichbar, wie dieser Artikel am Beispiel von Werner Gruber detailliert zeigen wird. Oder es wird einfach behauptet, man habe eine Nahtoderfahrung gehabt und dabei nichts erlebt, und das soll dann mehr Aussagekraft haben als die Berichte von Millionen von Menschen mit echten Nahtoderfahrungen.

Auch unter religiösen Menschen kommt es vor, dass angebliche oder tatsächliche Nahtoderfahrungen und sonstige, eigene und fremde übersinnlich anmutende Erlebnisse instrumentalisiert werden, um religiöse Dogmen scheinbar zu untermauern bzw. zu »apologetisieren«. So stürzen sich beispielsweise radikale Christen besonders gerne auf negative Nahtoderfahrungen, weil sich damit bei oberflächlicher Betrachtung traditionelle Höllenlehren und die Idee einer ewigen Verdammnis scheinbar begründen lassen. Die lichtvollen Nahtoderfahrungen wollen manche radikalen Christen hingegen als »Täuschungen Satans« sehen, dies vor allem wiederum in Anbetracht dessen, dass auch Atheisten und Menschen anderer spiritueller Gemeinschaften diese »Licht-Erfahrungen« haben.

 

Will man wirklich beurteilen können, ob solche Erfahrungsberichte glaubwürdig und die Aussagen von Experten über dieses Thema korrekt sind, so muss man die typischen Eigenheiten dieser Phänomene gut kennen und exakt voneinander abgrenzen können. Ansonsten kann man nur glauben oder nicht glauben, was andere darüber sagen, es aber nicht näher beurteilen.

 

Die Aussagen über Werner Grubers Erlebnis in Todesnähe beruhen unter anderem auf folgenden Quellen:

  • Sendung »Radiokolleg« des Österreichischen Rundfunks (ORF) vom 2.11.2020 auf Radio Ö1.

  • Sendung »Blaue Couch« des Bayerischen Rundfunks (BR) vom 28.5.2019 auf Radio Bayern1.

  • Diverse österreichische Zeitungsartikel, die auf Google leicht zu finden sind, wenn man »Werner Gruber Nahtoderfahrung« eingibt.

 

Die weiteren Aussagen über Nahtoderfahrungen beruhen überwiegend auf den Forschungen der einzig wirklichen Nahtodforscher, die es bisher gab und gibt, insbesondere auf den Forschungen Dr. med. Raymond Moody, Dr. med. Michael Sabom, Dr. Jeffrey Long, Prof. Dr. phil. Kenneth Ring, Prof. Dr. med. Bruce Greyson, Prof. Dr. med. Peter Fenwick und Dr. med. Pim van Lommel.

 
 

Eine detaillierte Begründung, warum Werner Grubers Erlebnis keine Nahtoderfahrung war

Werner Gruber hatte laut eigenen Aussagen zwei Mal einen Kreislaufstillstand. Beim ersten Mal wahrscheinlich aufgrund einer nicht erkannten Lungenentzündung. Er fiel plötzlich um und wurde bewusstlos. Hierüber berichtet er über keine besonderen Wahrnehmungen, die auf eine Nahtoderfahrung hindeuten, denn eine Nahtoderfahrung in dem Sinne, wie man sie heute – ausgehend vom US-amerikanischen Pionier der Nahtodforschung Raymond Moody – meistens versteht, zeichnet sich nicht durch eine rein körperliche Todesnähe aus, sondern durch ganz bestimmte Wahrnehmungen – durch ein sehr spezifisches, außergewöhnliches und (meistens) persönliches Erleben, welches meistens in körperlicher Todesnähe eintritt. (Ein kleinerer Anteil unter den NTE wird auch von anderen Beteiligten wahrgenommen.)

 

Beim zweiten Mal hatte er Symptome eines Herzinfarktes, woraufhin er zusammenbrach und später in der Intensivstation aufwachte. Bei diesem zweiten Vorfall, bei dem er laut eigenen Aussagen etwa 20 Minuten bewusstlos war, meint er, hatte er eine Nahtoderfahrung. Warum das jedoch eine völlige Fehleinschätzung ist, wird nun detailliert aufgelistet.

 

  • Was bei Werner Grubers Erlebnis in Todesnähe schon strukturell von Grund auf keiner typischen Nahtoderfahrung entspricht ist die Tatsache, dass er jenes, wovon er meint, es sei eine NTE gewesen, nur in der Zeit VOR seinem körperlichen Zusammenbruch hatte und diese Situation nur aus der Kopf-Perspektive sah. Echte NTE beginnen jedoch immer erst exakt mit dem Herzstillstand oder zumindest durch massive Kreislaufschwäche und körperliche Bewusstlosigkeit, bei der man keinesfalls mehr in der Lage ist, den Körper aus eigener Kraft aufrecht zu erhalten. Werner Gruber sagt jedoch selbst, dass er körperlich noch aufrecht war.

    Auch von der Sicht her nimmt man bei echten außerkörperlichen Erfahrungen (AKE/OBE) und NTE die lokale Szene niemals aus der Kopf-Perspektive wahr, sondern aus der Sicht von oben auf den eigenen, (bei NTE meistens leblosen) Körper und die lokale Umgebung. Beides war bei Gruber nicht der Fall, was an sich schon zeigt, dass er keine echte NTE hatte. Er stand in der Zeit seiner angeblichen NTE noch auf offener Straße und mit dem körperlichen Zusammenbruch war seine Wahrnehmung zu Ende. Später ist er dann auf der Intensivstation aufgewacht.

    Bloße AKE (ohne körperlicher Todesnähe) mit der Sicht von oben auf die lokale Szene und ein paar typischen weiteren Elementen wie Zeitlosigkeit, Schwebegefühl, Gedankenschnelligkeit und Gedankengleichzeitigkeit, können zwar auch bei stabilem Kreislauf passieren, ist aber fast nur bei Unfällen durch den Schrecken (psychogenen Schock) oder das »Loslassen« der Fall, nicht hingegen bei akutem Krankheitsgeschehen, was bei Gruber gegeben war. Ansonsten können AKE, die den NTE ähnlich sind, auch spontan bei stabilem Kreislauf eintreten. AKE sind jedenfalls rein vom Erleben her immer von NTE unterscheidbar, auch wenn gewisse strukturellen Elemente im Grunde dieselben sind.

    Gruber hatte auch nicht – wie es bei NTE immer der Fall ist – dieses absolut sichere Gefühl, den Körper verlassen zu haben und in Wirklichkeit nicht der irdische Körper zu sein, sondern ein davon unabhängig existierendes Wesen. Oft ist davon die Rede, man sei plötzlich aus dem Körper draußen gewesen, man sei hinausgeschossen oder geholt worden. Diese völlige Abkoppelung vom Körper, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Körper und die Sicht von oben auf die lokale Szene gehören zu den häufigsten Merkmalen von NTE, was bei Gruber alles nicht gegeben war. Diese Zustände der Abkoppelung sind nicht vergleichbar mit Depersonalisierung oder Dissoziation. Vor allem der Zustand im »Licht« (mehr dazu weiter unten) wird immer als der absolute Ursprung des Menschen empfunden, als der Ursprung der eigenen Existenz und aller Menschen, und als der einzig wahre und richtige existenzielle Daseins-Zustand.
     
    Besonders bei den echten NTE sehen die Erfahrenden – wenn sie die lokale Szene überhaupt wahrnehmen und nicht schon bereits im Tunnel oder »Licht« sind, was auch vorkommt – ihren eigenen, leblosen Körper oft von oben. Oft nehmen sie auch Dinge in anderen Räumen oder an entfernten Orten wahr. Diese Fälle von bestätigten Lokalwahrnehmungen außerhalb der körperlichen Reichweite ergeben den höchsten empirischen Beweis für die Trennung von Körper und Geist, völlig unabhängig davon, ob in diesem Moment noch Hirnströme aktiv waren oder nicht. (Von diesen Fällen wissen Skeptiker wie Werner Gruber kaum etwas, obwohl es genug davon gibt. Und wenn sie Wind davon bekommen, dann wollen sie diese Fälle keinesfalls zulassen, weil sie den stärksten Beweis für die Trennung von Körper und Geist erbringen.)

 

Was hat Werner Gruber sonst wahrgenommen? Laut seinen eigenen Aussagen folgende Dinge, die jedoch bei echten Nahtoderfahrungen in einer deutlich anderen Qualität gegeben sind, und das wird hier nun ebenfalls detailliert erläutert:

  • Kurz das Gefühl zu schweben: Ein Gefühl des Schwebens ist zwar an sich typisch für NTE, aber allein, dass Gruber dieses Gefühl als »kurz« bezeichnet, zeigt, dass er keine echte Außerkörperlichkeit hatte. Warum? Innerhalb einer echten AKE/NTE können Gefühlszustände zwar ebenso wechseln wie im irdischen Körper, der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass im außerkörperlichen Zustand auf keinen Fall eine zeitliche Abgrenzung möglich ist. Hier fühlt sich alles absolut zeitlos an, und zwar die ganze Außerkörperlichkeit an sich, als auch die verschiedenen Gefühlszustände innerhalb. Ein Moment, den wir im Irdischen als »kurz« wahrnehmen, ist »drüben« eine Ewigkeit. Daher können die Erfahrenen danach gar keine zeitlichen Angaben machen – weder über die ganze Erfahrung noch über einzelne Elemente und Gefühlszustände innerhalb –, daher tun sie es selten und wenn schon, dann ist immer davon die Rede, dass sich diese Dinge »sehr lange« oder »ewig« anfühlten. Wenn die Erfahrenen oder Außenstehende konkrete zeitliche Angaben über diese Erfahrung oder Teilen davon geben (können), dann ergibt sich das aus der nachträglichen Analyse der ganzen Erfahrung, indem zum Beispiel festgestellt wird, welche lokalen Verläufe die Erfahrenen von oben beobachtet haben, und dies zum Beispiel in der Kombination mit der medizinischen Dokumentation, zum Beispiel darüber, wie lange die Reanimation gedauert hat. Dass man einen bestimmten Gefühlszustand innerhalb anderer Gefühlszustände zeitlich abgrenzen kann, ist definitiv nur möglich, wenn keine wirkliche Außerkörperlichkeit gegeben war.

  • Ein Wohlgefühl: Auch ein Wohlgefühl ist typisch für NTE, jedoch wird es bei echten NTE weitaus intensiver und außergewöhnlicher erlebt. Meistens ist viel eher die Rede von unbeschreiblichen und oft gleichzeitigen Gefühlen der Glückseligkeit, der Freude, des Friedens, der Liebe oder einer »Überliebe«, der Geborgenheit, der Ruhe, aber auch der Ekstase, wie man sie allesamt im Körper bzw. in der irdischen Welt niemals empfinden kann. All diese Empfindungen – auch jene bei negativen Nahtoderfahrungen – werden eindeutig als »nicht von dieser Welt« erkannt. Als Empfindungen, wie man sie auch bei körperlich bedingten, krankhaften oder Drogen-induzierten Halluzinationen nicht hat. Letzteres bezeugen immer wieder jene Menschen, die beides aus Selbsterfahrung kennen: Nervlich verursachte Halluzinationen UND eine oder mehrere echte NTE.

  • Bei Gruber wurde es »Aura-artig heller«: Das klingt nur nach einer visuellen Helligkeit, aber bei weitem nicht nach dem mystischen »Licht« bei echten NTE. Erstens erfährt man dieses »Licht« bei NTE meistens weniger, solange man noch überwiegend die lokale Szene wahrnimmt, und bei Gruber ging das Erlebnis nicht über den lokalen Bereich hinaus. Typisch ist eher – wenn man sich von der lokalen Szene entfernt – zuerst einmal eher der Eintritt in eine Dunkelheit durch ein Portal oder in einen Tunnel, dann die Erfahrung eines dunklen Tunnels, durch den man mit sehr hoher Geschwindigkeit gezogen oder gesogen wird, wodurch man einem größer werdenden, sich drehenden und strahlendem »Licht« näherkommt. Zweitens wird dieses mystische Licht immer wieder als »nicht vergleichbar« mit dem irdischen Licht bezeichnet. Die Erfahrenen bezeichnen auch den Begriff »Licht« oft als lächerlich, aber es ist eben jener Begriff, der noch am ehesten zur Verständigung brauchbar ist. Dieses Licht wird meistens als eine Art Lebewesen wahrgenommen und als die zentrale Quelle allen Lebens im ganzen Universum, und man fühlt sich unwiderstehlich mit dem vollständigen persönlichen Existenzgefühl davon angezogen, sozusagen mit jeder einzelnen, eigenen Zelle. Man fühlt sich damit eins und enorm darin geborgen. Oft heißt es, man hätte darin »gebadet« oder man sei damit »verschmolzen« gewesen.  Jeder, der es erlebt, will dort bleiben und nicht mehr zurück in den Körper bzw. in die irdische Welt. Dieses »Licht« wird auch oft als Gott und als persönlicher Erlöser empfunden, auch von Menschen, die zum Zeitpunkt ihrer NTE völlig atheistisch waren. Nichts von diesem Erleben hatte Gruber. In der Phase, in der man die lokale Szene wahrnimmt, kann eine Licht-Präsenz auftauchen, die jedoch bei weitem nicht nur – wie Gruber es erlebte – eine visuelle Helligkeit ist.

  • Keine Schmerzen: Auch die Sache mit den Schmerzen war bei Gruber anders oder ist nicht zu beurteilen, weil er zuvor gar keine wirklichen Schmerzen hatte, sondern Atemnot und Kreislaufschwäche. Durch eine echte NTE hören auch tatsächliche, unerträgliche Schmerzen von einem Moment auf den anderen auf. Man kann also hier nicht sagen, ob schwere Schmerzen bei ihm tatsächlich so abrupt aufgehört hätten wie bei echten NTE, weil er keine hatte, oder zumindest keine schweren.

  • Ein rationales Wahrnehmen des eigenen (möglichen oder vermuteten) Todes, was ihm keine Angst machte und die Folgewirkung hatte, die Angst vor dem Tod verloren zu haben. Auch in diesem Punkt ist das Erleben von Gruber den echten NTE ähnlich, aber auch hier fällt auf, dass er seine Situation lediglich aus der normalen Kopf-Perspektive beobachtet hat, nicht aus der Sicht von oben, wie es bei NTE immer der Fall ist.

  • Eine Mini-Reflexion: Gruber erwähnt eine Art Reflexion – er habe sich Gedanken darüber gemacht, dass er als Lehrer ordentliche Arbeit leistete und seinen Studenten nichts Falsches über den Tod beigebracht hat. Er verwechselt dies wohl mit dem »Lebensfilm« bei echten NTE, der jedoch weitaus umfangreicher ist. Er ist auch weitaus mehr als nur ein rein gedankliches oder visuelles Betrachten gewisser irdischer Szenen. Es ist ein emotional sehr intensives, teilweises oder gänzliches Wiedererleben des bisherigen irdischen Lebens, und das auch in der »Haut« der anderen beteiligten Menschen und Tiere, und wiederum noch dazu gleichzeitig und oder extrem schnell. Mit dieser äußerst lebendigen Lebensreflexion geht meistens einher, dass man alle beteiligten Menschen tiefgründiger versteht. Die Erfahrenden erkennen sehr, warum gewisse Situationen so verlaufen sind, wie es der Fall war. Sie verstehen Hintergründe, die man als Mensch normalerweise nicht begreift. Sie verstehen sowohl die guten als auch die schlechten Taten aller Beteiligten, und aufgrund dieses höheren Verstehens gibt es keinen Anlass zu Wut und Verurteilung. Während diese Lebensreflexion abläuft, wird immer auch eine weitere Präsenz wahrgenommen. Nein Herr Gruber, Sie sagen Ihren Studenten nicht die Wahrheit über den Tod, und das wird Ihnen spätestens dann, wenn Sie den wirklichen »Lebensfilm« erleben, bewusst werden.

  • Verlust der Todesangst: Die Angst vor dem Tod ist jenes, was Gruber am ehesten mit echten NTE gemeinsam hat, aber auch hier gibt es einen Unterschied. Nach den meisten NTE ist diese Angst nicht nur verschwunden, sondern verwandelt in eine unveränderbare, positive Sehnsucht nach dem Zustand ohne Körper und die unveränderbare Überzeugung, dass das eigentliche Leben erst mit dem körperlichen Tod beginnt bzw. sich damit fortsetzt, und dass das irdische Leben nur ein sehr kurzer Augenblick der ganzen Existenz ist. Das heißt – abgesehen von einem sehr kleinen Anteil – nicht, diese Menschen seien suizidgefährdet oder würden ständig an einer übertriebenen Jenseitssehnsucht leiden. Gerade durch ihre NTE haben sie begriffen, wie wichtig auch das irdische Leben für die Gesamtentwicklung ist. Aber es ist eben wesentlich mehr als nur der Verlust der Todesangst, der durch eine echte NTE meistens eintritt. Es ist auch die Freude und Gewissheit über das, was danach kommt. Gruber wurde einfach »rechtzeitig« bewusstlos, daher war dieses Erlebnis nicht traumatisch für ihn. Mehr nicht.

 

Selbst diese wenigen Elemente also, die bei Werner Gruber noch am ehesten den Verdacht auf eine Nahtoderfahrung aufkommen lassen könnten, entsprechen in ihrer Ausprägung und Qualität bei weitem nicht den meisten anderen Nahtoderfahrungen.

 

Bei Werner Gruber zeigte sich auch keines der weiteren Merkmale, die insgesamt bei wirklichen Nahtoderfahrungen feststellbar sind:

  • Im Moment des Austrittes aus dem Körper wird oft ein aufdringliches Zischen, Rauschen oder Brummen wahrgenommen.

  • Solange man sich in irdischen Bereichen befindet: Das Durchdringen von Materie wie Wänden.

  • Ein massiv erweitertes Denk- und Gefühlsvermögen, wie man es bei keiner einzigen Art von Halluzination oder Delir hat. Damit einher geht in den meisten Fällen ein höheres Verstehen des eigenen Lebens und der menschlichen Existenz generell, wie man es als Mensch, dessen Bewusstsein an das Gehirn gebunden ist, kaum haben kann. So heißt es von den Erfahrenen beispielsweise oft, jedes Geheimnis des Universums sei gelüftet gewesen, es habe keine einzige Frage mehr gegeben. (Allein der Gedanke, dass der Mensch ohne die materialistische Wissenschaft wissend werden kann, ist für Skeptiker, die aus dieser Wissenschaft eine Religion machen, nicht akzeptabel und ein Grund, Nahtoderfahrungen abzulehnen.)

  • Das intellektuelle Verstehen der Dinge ist meistens enorm beschleunigt und erfolgt gleichzeitig. Kaum taucht eine Frage auf, erhält man gleichzeitig die Antwort. Das sollte für Wissenschaftler besonders interessant sein, aber auch davon berichtet Gruber nichts.

  • Enorme Gefühle der Weite und Verbundenheit mit dem ganzen Universum.

  • Das Erkennen einer Art Schwelle und das Wissen, dass das Überschreiten dieser Schwelle das endgültige Sterben des Körpers zur Folge hätte, womit eine Rückkehr in den Körper ausgeschlossen wäre.

  • Kommunikation mit verstorbenen Verwandten, anderen Präsenzen oder dem Licht.

  • Eine gleichzeitige Sicht in alle Richtungen bzw. eine Art 360° Rundumsicht.

  • Astral- und Zeitreisen. Eine völlige Unabhängigkeit von Raum und Zeit. Die Fähigkeit, sich durch bloße Gedanken über große Distanzen mit hoher Geschwindigkeit zu bewegen.

  • Der starke Unwille, in den Körper zurückzukehren und stattdessen der Wunsch, im Jenseits bleiben zu wollen, insbesondere im Licht.

  • Eine körperlich überdeutlich spürbare Rückkehr in den Körper, die oft so beschrieben wird, als wäre man wie durch ein starkes Gummiband oder ein starkes Vakuum in den Körper zurückgezogen worden.

  • Die große Enttäuschung, tatsächlich wieder im Körper zu sein. Dieser Moment wird oft als der schrecklichste Moment des Lebens bezeichnet. Dieser Zustand wird im Vergleich zur Weite davor meistens als eng, beklemmend, kalt oder dumpf beschrieben. Oft ist davon die Rede, man sei in eine »viel zu enge Hülle hineingestopft« worden.

  • Menschen kommen nach so einem Erlebnis niemals zur Überzeugung, dass es sich dabei nur um einen Traum oder eine Halluzination handelte. Nur anfangs wird ein solches Erlebnis manchmal aus verschiedenen Gründen als etwas Außerkörperliches geleugnet oder verdrängt, aber dauerhaft bleibt ausnahmslos bei jedem Menschen die unveränderbare Überzeugung aktiv, dass es eine reale Erfahrung einer nicht-materiellen Welt war. Nach Halluzinationen, Delirien und Träumen hingegen hat früher oder später jeder Mensch die Einsicht, dass es nur Produkte des Gehirns waren.

  • Erhebliche und meistens positive Persönlichkeitsveränderungen. Die erfahrenen Menschen legen weniger Wert auf vergängliche Dinge wie Macht und materiellen Reichtum, sondern mehr auf ein gutes zwischenmenschliches Auskommen.

  • Den Erfahrenen fällt es meistens sichtlich schwer, ihre Erfahrungen zu beschreiben. Sie betonen oft, dass jenes, was sie erfahren haben, eigentlich kaum in Worte zu fassen ist, weil es solche Erfahrungen im irdischen Erleben nicht gibt, weshalb es auch keine passenden Wort dafür gibt, und selbst wenn es diese gäbe, wissen die Berichtenden, dass Außenstehende kaum passende Vorstellungen zu den Worten konstruieren können, weil ihnen eben die Erfahrung fehlt. Bei Gruber ist nichts von dieser typischen Unsagbarkeit erkennbar.

 

(Auf die negativen NTE, die einen Anteil von 10-20 % ausmachen, wird in diesem Artikel eingegangen.)

 

Einer der bekanntesten NT-Forscher, der US-amerikanische Neurologe Prof. Bruce Greyson, untersuchte Tausende Nahtod-Fälle und erstellte auf dieser Basis eine Skala zur Beurteilung von Nahtoderfahrungen. Demnach müssen bestimmte Elemente zutreffen und bestimmte andere Elemente ausgeschlossen sein, um sagen zu können, dass jemand eine echte Nahtoderfahrung hatte. Diese Kriterien würde Werner Gruber niemals erreichen und Prof. Greyson würde ihm sicher keine echte Nahtoderfahrung »attestieren«. Es müssen sehr spezifische Elemente von der Anzahl und Ausprägung bzw. Qualität her überwiegen, ansonsten ist für Kenner der Nahtoderfahrung klar, dass es nur ein körperlich-nervliches Erlebnis war, welches zwar ungewöhnlich gewesen sein mag, aber deshalb keine wirkliche Nahtoderfahrung.

 

Es ist keine Seltenheit, dass Erfahrungen in Todesnähe sowohl von den Erfahrenen selbst, als auch von Außenstehenden, mit echten Nahtoderfahrungen verwechselt werden. So werden auch auf der Seite der negativen Erfahrungen in körperlichen Notsituationen sogenannte Oneiroide oft mit höllischen Nahtoderfahrungen verwechselt. Oneiroide sind sehr unangenehme, »höllisch« anmutende innere Erlebnisse, die psychiatrisch als intensive Träume oder Delirien gewertet werden und von den betroffenen Menschen im Moment der Erfahrung als sehr real erlebt werden. Später sehen die Betroffenen jedoch ein, dass es nur ein Traum bzw. Delir war.

 

Die grundlegende Unehrlichkeit und der sture Materialismus der Extrem-Skeptiker

 

Weitere Skeptiker, die falsche und irreführende Informationen über Nahtoderfahrungen und andere übersinnliche Fakten verbreiten

 

Christian Hoppe, Deutschland

 

Olaf Blanke, Deutschland​

 

Michael Shermer, USA

 

Werner Gruber stellt seine Erfahrung in Todesnähe so dar, als sei es eine typische NTE gewesen, wie sie im Lehrbuch steht. Aber davon kann keine Rede sein. Entweder handelt es sich bei diesen Büchern um typisch materialistische und biologistische Lehrbücher, die Nahtoderfahrungen nur oberflächlich und so darstellen, um sie scheinbar als Halluzinationen bewerten zu können. Oder er ist auf die Kapitel über NTE in diesen Lehrbüchern nicht näher eingegangen. Oder beides.

 

Auch sonst hat sich Gruber wahrscheinlich nie näher mit einer größeren Zahl echter Nahtoderfahrungen beschäftigt und auch nicht mit den wirklichen Forschungen darüber, sonst würde er seine eigene Erfahrung in Todesnähe nicht dermaßen falsch einschätzen.

 

Es ist ihm zugutezuhalten, dass er seine Erfahrung wahrscheinlich korrekt wiedergibt und nicht besonders »ausschmückt«, aber letzteres könnte er wahrscheinlich auch gerade deshalb nicht, weil er die Elemente wirklicher Nahtoderfahrungen gar nicht kennt.

 

Werner Gruber ist einer der sehr Wenigen, die ein falsch eingeschätztes Erlebnis instrumentalisieren, um damit scheinbar als »Insider« unter den Nahtoderfahrenen mitreden und belegen zu können, trotz einer solchen Erfahrung nicht von der Existenz des Jenseits bzw. vom Leben nach dem Tod überzeugt zu sein. Ausnahmslos jeder Mensch ist jedoch nach einer echten eigenen Nahtoderfahrung unveränderbar davon überzeugt, dass das Jenseits und somit das Leben nach dem Tod real existieren. Dass es Werner Gruber nicht ist, ist für all jene Menschen, die über Nahtoderfahrungen wirklich kundig sind, an sich schon der Beweis dafür, dass Werner Gruber keine echte Nahtoderfahrung gehabt haben kann.

 

Werner Gruber sagt auch selbst, dass ihn dieses Erlebnis nicht sehr geprägt hat, aber das ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass es keine echte Nahtoderfahrung war, denn eine wirkliche Nahtoderfahrung ist für jeden betreffenden Menschen lebensverändernd wie sonst kaum etwas in dieser Welt. Hätte Gruber eine wirkliche Nahtoderfahrung gehabt, dann wäre er heute genauso vom Jenseits überzeugt wie alle anderen, und er würde sich für die restliche Zeit seines Lebens darum bemühen, seine materialistischen Irrtümer und Falschaussagen zu korrigieren.

 

Will man begreifen, was bei Nahtoderfahrungen wirklich vor sich geht, dann muss man sich geduldig in viele verschiedene Berichte der erfahrenen Menschen hineinversetzen. Es kann ein jahrelanges »Studium« dieser Erfahrungen nötig sein. Wenn man diese Menschen bzw. deren Erfahrungen dann nicht versteht, dann hat man momentan kein (ausreichendes) Gespür für das Wahre der menschlichen Existenz – für das, worauf es wirklich ankommt und wie der energetische Urgrund des Menschen strukturiert ist.

 

Gruber und seine Skeptikerfreunde werfen anderen Menschen aus esoterischen und religiösen Kreisen gerne vor, an der Realität vorbei zu leben, was sicher oft berechtigt ist. Auch ist es verständlich und legitim, Wissenschaft in der Verdrängung verrückter Ideen aus gewissen religiösen und esoterischen Kreisen, von denen sich ein Großteil der Menschheit lange genug knechten ließ, zu instrumentalisieren. Aber wenn man sich schon selbst gerne als exakt denkende und forschende Naturwissenschaftler darstellt, dann sollte man nicht von einer solchen Ignoranz und Abneigung betroffen sein gegen alles, was nicht den momentanen, materialistischen Dogmen entspricht. Wahre Forscher sind auch dann neutral und genau, wenn sie etwas erleben, was nicht in ihre momentanen Überzeugungen passt. Und sie sind bereit, Irrtümer in ihren momentanen Theorien und Thesen zu erkennen und letztere entsprechend zu korrigieren.

 

Unter Skeptikern ist auch diese Behauptung typisch, NTE könnten durch elektronische Hirnstimulation ausgelöst werden und Menschen würden durch psychedelische Drogen dasselbe erleben wie durch NTE. Damit will man die Idee bekräftigen, NTE würden nur im Gehirn entstehen. In Wirklichkeit sind die Unterschiede zwischen Halluzinationen durch Hirnstimulation und Psychedelika einerseits, und echten NTE andererseits, weitaus größer, und vor allem passieren die meisten NTE beim Kreislaufstillstand, da gibt es nur eine kurze Restaktivität der Hirnströme – von Skeptikern oft irreführend und gehypt als »letztes Aufbäumen« bezeichnet. Diese »Todeswelle« wird jedoch nur aktiv, wenn man endgültig stirbt. Es kann keine Rede davon sein, dass das Gehirn nach dem Herzstillstand noch »viele Minuten weiterlebt«. Es ist noch einige Zeit re-aktivierbar, aber deshalb »lebt« es nicht.

 

Wenn sich Menschen nach Nahtoderfahrungen außerdem – und das ist oft der Fall – an spezifische lokale Details erinnern, die sie rein körperlich aufgrund zu großer Entfernung oder Sinnesblockade (zum Beispiel Augenabdeckungen) gar nicht wahrnehmen konnten, die sie vorher nicht wussten und sich nicht ausdenken konnten, dann belegen allein diese Fälle schon, dass sich das Bewusstsein vom Körper ablösen kann. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob in dieser Zeit Hirnströme aktiv waren oder nicht. Aber meistens passieren diese distanzierten Lokalwahrnehmungen während des klinischen Todes als Teil der Nahtoderfahrung. Auch diese Fälle von distanzierten Lokalwahrnehmungen sind zwar bisher zu wenig wissenschaftlich untersucht, aber es gibt viele von Nahtodforschern dokumentierte und bezeugte Berichte darüber.

 

Was Werner Gruber auch vorgeworfen werden darf, ist der für Skeptiker typisch unfaire Umgang mit Anekdoten. Skeptiker halten normalerweise nichts von Anekdoten, die ihren Theorien widersprechen. Das sind dann alles nur »Storys«, die nichts beweisen würden. Aber seine eigene Anekdote über seine angebliche NTE hat auf einmal einen repräsentativen Stellenwert? So sagt er zum Beispiel auch in einem Interview mit der österreichischen Zeitung »Kurier« auf die Frage, ob er den Tunnel gesehen hätte: »Nanana, da wird schon viel Unsinn erzählt.« Wie kommt jemand nur darauf, Gruber nach dem Tunnel zu fragen? Weil der Tunnel eines der häufigsten Elemente von NTE ist, das wissen sogar die viele von denen, die sich nur oberflächlich mit diesem Thema befassen. Aber der Naturwissenschaftler Werner Gruber stellt seine eigene vermeintliche NTE – die natürlich auch kein Tunnel-Erlebnis hatte – als repräsentativ dar, während die Tausenden anderen Menschen, deren Berichte über den Tunnel dokumentiert wurden, diejenigen sein sollen, die »Unsinn« erzählen? Tatsächlich meint er in diesem Interview mit dem Kurier auch, er habe »alle« Elemente einer Nahtoderfahrung gehabt, das würde »schon passen«. Nein, Herr Gruber, bei Ihnen passt hier ganz und gar nichts. Sie sehen nur, was Sie sehen wollen.

 

Skeptiker stellen es auch gerne so dar, als sei die Nahtoderfahrung bereits biologisch erklärbar. In Wirklichkeit können die wesentlichen Aspekte von Nahtoderfahrungen in keiner Weise rein biologisch erklärt werden. Was Skeptiker zum Beispiel noch nie ernsthaft und zufriedenstellend erklären konnten ist die Tatsache, dass Nahtoderfahrungen oft bei Vollnarkose eintreten.

 

In den seltenen Fällen einer defekten Narkose (0,1-0,2 %) treten meistens unangenehme bis traumatische Zustände ein, zum Beispiel Atemnot, Schmerzen, unangenehme Träume und Delirien, unklare Wahrnehmungen der Umgebung, oder die beängstigende Tatsache, sich nicht mitteilen zu können, weil der Körper nicht auf den eigenen Willen reagiert. Über normale, mehr oder weniger angenehme Träume unter Narkose wird sehr selten berichtet. Wenn Menschen daher während einer Vollnarkose völlig klare und angenehme Zustände haben und danach auch noch Details der lokalen Szene beschreiben können, was nicht selten ist, so ist das allein das schon ein schwerer Beleg dafür, dass sich das Bewusstsein des Menschen vom Körper ablösen kann und es eine Art »Jenseits« geben muss. Die Außerkörperlichkeit tritt dann meistens nicht durch Narkose, sondern durch den Kreislaufstillstand ein, weil diese Menschen dann meistens genau ab dem Zeitpunkt des Kreislaufstillstand alles von oben sehen, während sie in der Zeit davor genauso tief im Schlaf der Narkose waren, die die meisten Menschen ohne Kreislaufstillstand.

 

Während viele Laien, die sich ernsthaft und neutral, und somit – im Vergleich zu Skeptikern – in Wirklichkeit wissenschaftlich mit NTE beschäftigen, vieles über NTE wissen, kennen Leute aus der Skeptikerbewegung nicht einmal die vielen Fälle von Lokalwahrnehmungen im Zusammenhang mit NTE, außer natürlich den Fall von Pam Reynolds, auf den sie so gerne losgehen und den sie gerne herunterspielen.

 

Werner Gruber »korrigiert« in seiner Fantasie gewisse Phänomene, die ihm nicht ins Weltbild passen, und er passt sie willkürlich an sein eigenes Wunschdenken an, nach dem Motto: »Meine Fantasien sind wichtiger und realer als die Natur selbst.« Solche Leute gab es immer schon in der Wissenschaft und es gibt sie auch heute. Sie kritisieren den Dogmatismus religiöser Menschen, aber ihren eigenen Dogmatismus und Fanatismus erkennen sie nicht.

 

Fast identisch zu Gruber verhält sich die britische Skeptikerin Susan Blackmore, die ebenfalls keine wirkliche NTE hatte, es aber behauptet. Auch sie nimmt Anekdoten über NTE normalerweise nicht sehr wichtig, außer ihre eigene natürlich, weshalb sie immer wieder meint: »Ich habe es selbst erfahren, ich weiß, wovon ich rede.« Aber die Millionen von anderen Menschen, die eine echte NTE hatten, weitaus mehr und andere Elemente erlabt haben als sie und deshalb von der Existenz des Jenseits überzeugt sind, können laut Blackmore ihre eigene NTE nicht einschätzen? Natürlich! Nur eine Susan Blackmore und ein Werner Gruber können es.

 

Wissenschaftlich fahrlässig und falsch ist auch die Aussage von Gruber bei der oben genannten ORF-Sendung: »Die Naturwissenschaft hat einen klaren Befund erbracht: So etwas wie ein Leben nach dem Tod gibt es nicht.« Nein, so ist das nicht in der Wissenschaft. Erstens: Die Meinungen in der Naturwissenschaft sind bei diesem Thema keinesfalls eindeutig, ganz im Gegenteil. Beispielsweise würde der weltweit noch weitaus bekanntere Wiener Physikprofessor Anton Zeilinger hier etwas ganz anderes sagen, so wie auch sehr, sehr viele andere Koryphäen der Wissenschaft. Und zweitens gilt generell: Nur weil die Wissenschaft in irgendeiner Sache bisher keinen Befund brachte, so heißt das nicht automatisch, dieses Thema sei abgeschlossen. Ein fehlender Befund ist nicht automatisch ein endgültiger Befund! Ein fehlender Befund kann auch heißen, dass man noch nicht ordentlich geforscht hat, und so ist es auch tatsächlich in Bezug auf NTE.

 

Wenn Leute wie Werner Gruber meinen, sie seien die höchsten Vertreter der Wissenschaft und würden keinen Befund für ein Jenseits sehen, dann kann ich nur sagen: Sie sehen diesen Befund nicht, weil sie nicht ordentlich forschen und nachdenken, sondern ignorieren. Und dass dem so ist, das zeigt Werner Grubers Umgang mit seiner vermeintlichen Nahtoderfahrung sehr beispielhaft.

 

Wer behauptet, die Wissenschaft hätte das Jenseits bzw. das Leben nach dem Tod widerlegt oder Nahtoderfahrungen seien rein biologisch erklärbar, ist entweder ein Lügner oder ein Ahnungsloser.

 

Seriöse Forscher haben ein gutes Gespür dafür, ob ein Thema endgültig geklärt ist oder nicht. NTE wurden von der Forschung bisher erst von mutigen Pionieren wie Michael Sabom, Jeffrey Long, Bruce Greyson, Penny Sartori oder Pim van Lommel angekratzt, und diese Bemühungen haben viele schwere Belege geliefert, dass die Trennung von Geist und Körper real ist. Aber insgesamt kann von ausreichenden Forschungen bisher keine Rede sein. Es ist absolut unseriös, es so darzustellen, als sei die Wissenschaft hier bereits zu endgültigen Befunden gekommen. Manche Skeptiker geben immerhin zu, dass die Wissenschaft noch wenig über den menschlichen Sterbeprozess weiß und es noch ein großes Forschungspotenzial gibt.

 

Wenn es um jene Dinge geht, für die sich Skeptiker interessieren, da sind sie über Jahrzehnte hinweg geduldig und aufgeschlossen. Da sprechen sie lange nicht von endgültigen Befunden. Da sind sie auch sehr präzise mit ihren Dingen, in die sie so hingebungsvoll vertieft sind. Aber wehe es geht um Nahtod und andere übersinnlich anmutende Phänomene, da ist schnell Schluss mit der wissenschaftlichen Geduld und Neutralität. Da will man viel zu schnell zu voreiligen Schlüssen kommen, noch bevor das Forschungspotenzial überhaupt ausgeschöpft ist. Und da werden alle übersinnlich anmutenden Phänomene mit aller Gewalt ignoriert oder dermaßen verzerrt wahrgenommen und beschreiben, dass man sie scheinbar als biologisch basierte Phänomene abtun kann. Da geht es blind darum, dagegen zu sein und falsche Darstellungen zu verbreiten. Das ist eher eine Verschwörung, bei die die Marke »Wissenschaft« missbraucht wird für einen sturen Kampf um eine materialistische Weltanschauung.

 

Skeptiker sehen von all dem Übersinnlichen nur oder hauptsächlich das Negative, daher haben sie wohl diese enorme, reflexartige Ablehnung dagegen. Viele von ihnen machten in ihrer Kindheit sehr negative Erfahrungen mit Religion, darüber berichten sie immer wieder. Eine entsprechende Abneigung ist daher verständlich. Aber seriöse Wissenschaftler sollten dennoch in der Lage sein, diese Phänomene neutral als Phänomene der Natur wahrzunehmen, die an sich nichts mit Konfessionen und realitätsfremder Esoterik zu tun haben.

 

Abschließend ein Zitat von Wikipedia über ein ehemaliges Gründungsmitglied der deutschen Skeptiker-Bewegung GWUP:

 

»Als Kritiker der GWUP trat der Soziologe Edgar Wunder in Erscheinung, selbst ein ehemaliges Gründungsmitglied des Vereins und langjähriger Redaktionsleiter der GWUP-Zeitschrift Der Skeptiker. Er bemängelte 1999, die GWUP selbst stelle kaum Untersuchungen zum Nachweis paranormaler Phänomene an, sondern „verstehe sich als Kampfverband gegen alles, was der etablierten Wissenschaft zuwiderlaufe.“ Nach Wunder ist ein strukturelles Merkmal der Skeptikerbewegung eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. So würden etwa viele GWUP-Mitglieder einen Weltanschauungskampf ohne hinreichende fachliche Kenntnis führen und selektiv und unsachlich argumentieren. An wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften seien sie höchstens insofern interessiert, „als deren Ergebnisse ‚Kanonenfutter‘ für öffentliche Kampagnen liefern könnten.“«[1]

Gratulation Herr Gruber. Das ist genau das, was Sie und viele andere Extrem-Skeptiker machen.

 

Der gesamte Befund Edgar Wunders über das »Skeptiker-Syndrom« befindet sich hier: https://swprs.org/das-skeptiker-syndrom/.

Auch die Skeptikerin Susan Blackmore hatte keine Nahtoderfahrung

 

 

Die britische Psychologin und Skeptikerin Susan Blackmore. Bildrechte: AlasdhairJohnstonQED 20161015 182CC BY-SA 4.0.

Auch die britische Psychologin und Skeptikerin Susan Blackmore behauptet, eine NTE gehabt zu haben, aber das, was sie darüber berichtet, ist genauso dünn und substanzlos wie jenes, was Werner Gruber über seine angebliche NTE sagt.

 

Und auch bei ihr handelt es sich um dieselbe Problematik wie bei Werner Gruber: Entweder um eine massive Fehleinschätzung oder um eine mehr oder weniger bewusste Lüge, um als scheinbare Insiderin scheinbar bezeugen zu können, trotz angeblicher eigener NTE nicht von der Existenz des Jenseits überzeugt zu sein. Oder es ist eine Mischung aus beidem: Sowohl eine sachliche Fehleinschätzung als auch mehr oder weniger bewusste Unehrlichkeit im Sinne des Weltanschauungskampfes, etwa nach dem Motto »Der Zweck heiligt die Mittel.«

 

Blackmore gibt in einer Dokumentation immerhin zu, dass sie unmittelbar vor ihrer angeblichen eigenen NTE Marihuana eingenommen hatte – es war an einem Abend mit Studienkollegen während ihrer Studienzeit. Aber viel mehr als »Ich fühlte mich neben meinem Körper und als würde ich am Kampus herumschweben.« war es auch bei ihr nicht. Blackmore verwechselt einen durch Marihuana bewirkten Drogenrausch mit einer Nahtoderfahrung.

 

In einem englischen Artikel von Skeptikern heißt es, sie hätte eine »profound NDE« gehabt, also eine tiefgründige Nahtoderfahrung und könne daher als scheinbare Insiderin mitreden. Aber das beweist für wirkliche Kenner der NTE nur das typische Wunschdenken der Skeptiker. Blackmore hatte keinesfalls eine »tiefgründige Nahtoderfahrung«.

 

Der dritte im Bunde ist der deutsche Neurologe Gerard Roth, aber auch er ist ein ausgesprochener Skeptiker und Materialist, der keinesfalls eine nicht-materielle Existenz zulassen will und für alles nur eine biologische Erklärung gelten lassen will. Auch seine Erfahrung in Todesnähe, die laut seiner Aussage bei einem Verkehrsunfall eintrat, enthält kaum die typischen Elemente wirklicher Nahtoderfahrungen.

 

Selbst dann, wenn diese drei Herrschaften eine echte NTE gehabt hätten und dennoch nicht von der Existenz des Jenseits überzeugt wären, dann wären sie eben Ausnahmen, aber unter Millionen von Menschen. Wie viele solche Ausnahmen gibt es noch? Die meisten Menschen berichten über solche Erlebnisse, wie Gruber und Blackmore sie hatten, gar nicht, weil sie nicht besonders sind. Über die echten Nahtoderfahrungen hingegen wird berichtet, weil sie zu außergewöhnlich sind und weit über das hinausgehen, was Gruber erlebte.

 

Wer über die Frage nach dem Jenseits wirklich Bescheid wissen will, muss unabhängig werden vom bloßen Glauben an Experten und religiöse Führer. Als Anfänger bei einem schwierigen Thema geht es zwar nicht anders, als eine gläubige Offenheit gegenüber Experten zu haben. Aber wirklich beurteilen, wer auf einem Gebiet ein Experte ist, kann man erst, wenn man selbst einen gewissen Fach-Level erreicht und kritisch mit den Experten über das jeweilige Thema diskutieren kann.

 

Der blinde Glaube ans Expertenwissen ist ein Zeichen von Dummheit.

Ernst Pöppel, dt. Psychologe, geb. 1940[2]

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