Was ist Transzendenz und was lehrt sie uns über den Sinn des Lebens?​

Über Transzendenz gibt es viele verschiedene Aussagen, oft auch recht hochgestochene, die für neu interessierte Menschen verwirrend sein können. Dieser Artikel macht es konkreter und einfacher.

Es gibt aber auch Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.

Ludwig Wittgenstein, österr. Philosoph, 1889 – 1951

Transzendenz – der Begriff und die Sache dahinter

Der Begriff Transzendenz wird eher von Menschen mit einem religiösen bzw. spirituellen Verständnis der Welt verwendet und er wird oft gleichbedeutend verwendet mit den Begriffen Mystik und Metaphysik.

 

Die Natur der Transzendenz zeigt sich für den Menschen durch bestimmte, meistens persönliche und sehr außergewöhnliche Wahrnehmungen bzw. Erfahrungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eindeutig als »nicht von dieser Welt« empfunden werden. Sehr oft haben sie eine starke, positiv lebensverändernde Wirkung und oft auch eine unmittelbar psychische oder körperliche Heilwirkung.

 

Zu diesen Erfahrungen gehören vor allem:

  • besonders intensive Empfindungen einer tiefen Liebe und Geborgenheit, die in der Regel als völlig bedingungslos empfunden wird

  • das Gefühl einer enormen Glückseligkeit und das Empfinden, völlig mit der Schöpfung »eins« zu sein oder von dieser »getragen« zu werden

  • Gefühle von »Weite« und Zeitlosigkeit bzw. Ewigkeit

  • die starke Gewissheit, vom irdischen Körper unabhängig existieren zu können bzw. von diesem abgekoppelt zu sein

  • Begegnungen mit liebenden Seelenwesen

  • aber auch die blanken Gegenteile von den schönen Erfahrungen, zum Beispiel eine beängstigende Verlorenheit und bösartige Wesenheiten.

 

Ausgelöst werden solche besonderen Erlebenszustände meistens durch: tiefe Zustände der Entspannung, bestimmte Körperübungen (z. B. holotropes Atmen), tiefgehende geistige bzw. seelische Erkenntnisse, ein bestimmtes Verhalten anderer Menschen (zum Beispiel durch die Erfahrung bedingungsloser Akzeptanz), Nahtod-Situationen, psychische Schocks oder spontan ohne einen äußerlich ersichtlichen Anreiz.

 

Transzendieren heißt überschreiten. Im Rahmen eines spirituellen Weltbildes kann man nun sagen, eine bewusste transzendente Erfahrung entsteht, indem man deutlich etwas wahrnimmt, was man gewöhnlich nicht (allein) über die körperlichen Sinne bzw. das körperliche Nervensystem wahrnimmt. Die Grenzen der regulären, biologischen Sinneswahrnehmung sind überschritten (transzendiert) und die Wahrnehmung ist geöffnet für einen Bereich der Existenz bzw. Natur, der permanent unabhängig vom Körper existiert (»Geist«, Jenseits …), daher spricht man auch von Übersinnlichkeit oder Außersinnlichkeit.

 

Nach transzendenten Erfahrungen sind die Erfahrenen überzeugt, dass das Gehirn nicht der alleinige Produzent der Wahrnehmung ist. Sie sehen die materielle Existenz generell nicht als erste Ursache des Lebens, sondern als »Ergebnis« des Geistes und das (irdische) Leben sozusagen als permanent transzendental.

Durch die zahlreichen, immer bekannter werdenden Nahtod- und ähnlichen Formen von Erfahrungen sind interessierte Menschen nicht mehr nur auf die Berichte über frühere mystische Erfahrungen angewiesen. Der Gehalt an »Jenseitserfahrung« vieler heutiger Nahtoderfahrungen ist sogar umfassender als der von manch altbekannten Mystikern.

 

Bei extremeren Formen von Transzendenzerfahrungen spricht man etwa auch von »Entrückungen«, weil die persönliche Wahrnehmung sehr weitgehend in die Jenseitswelt »entrückt« ist. Für Außenstehende zeigt sich dies häufig darin, dass die Betreffenden wie in Trance oder Ekstase sind. Besonders für Sterbebegleiter und Angestellte in Palliativstationen sind solche Phänomene keine Seltenheit.

 

Ältere und sehr erstaunliche Beispiele, für die es auch einige Foto- und Videoaufnahmen gibt, sind die Phänomene vom nordspanischen Dorf San Sebastian de Garabandal in den 1960er-Jahren, von denen inzwischen auch ein Spielfilm gemacht wurde. Die betreffenden Mädchen wurden während ihrer Entrückungen von Außenstehenden etwa in die Haut gezwickt und mit Nadeln gepiekst, aber sie zeigten keinerlei Reaktionen darauf, weil Ihre Wahrnehmung so sehr in die geistige Welt entrückt war. Manche Skeptiker behaupteten dann einfach, das Ganze sei inszeniert gewesen. Was sie dabei nicht bedenken: Junge Mädchen haben solche schauspielerischen Fähigkeiten nicht. Das Ganze ist viel zu authentisch.

 

Die Echtheit von Transzendenz-Erfahrungen erkennen

Wenn Menschen von ihren eigenen Transzendenz-Erfahrungen berichten, woher kann man dann als Außenstehender wissen, ob sie die Wahrheit sagen? Und warum soll hier jemand überhaupt die Unwahrheit sagen?

 

Zur ersten Frage, also zur Feststellung der Richtigkeit: Man kann hier an zwei Ebenen ansetzen, um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen. Die eine Ebene bezieht sich auf den sachlichen Inhalt der Aussagen. Transzendente Erfahrungen können zwar nach Art, Inhalt, Intensität und Umfang unterschiedlich sein, sind also einerseits individuell, aber sie enthalten auch immer dieselben strukturellen Elemente, zum Beispiel das Gefühl der Zeitlosigkeit. Je mehr man diese Elemente kennt, umso eher kann man rein von der Sache her erkennen, ob die Schilderungen eines Menschen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Es kann daher nötig sein, sich eingehender und über einen längeren Zeitraum hinweg mit diesem Thema zu befassen, also etwa mit entsprechender Literatur oder mit glaubhaften Erfahrungsberichten. Die zweite Ebene ist die zwischenmenschliche. Mit einer guten Menschenkenntnis kann man erkennen, ob der betreffende Mensch zumindest grundsätzlich aufrichtig bzw. authentisch ist, oder ob er eher ein »Theaterspieler« ist.

 

Und zur zweiten Frage: Warum soll jemand fälschlicherweise behaupten, eine transzendente Erfahrung gemacht zu haben? Erstens neigen manche Menschen dazu, ungewöhnliche Wahrnehmungen voreilig als übersinnlich verstehen zu wollen. Hier handelt es sich also um keine absichtlichen Lügen, sondern um ein falsches Verständnis, um Irrtum.

 

Und was ist mit der absichtlichen Falschbehauptung? Es kann verschiedene Gründe geben, warum sich Menschen hier zu absichtlichen Falschbehauptungen hinreißen lassen. Wenn man zum Beispiel stark identifiziert ist mit bestimmten religiösen bzw. spirituellen Vorstellungen und selbst noch keine mystische Erfahrung gemacht hat, so kann Neid entstehen auf andere Menschen, die angeblich eine »Gottesschau« gemacht haben. Oder es entsteht Angst, weil jemand anderer von einem spirituellen Erlebnis berichtet, welches – scheinbar oder tatsächlich – nicht in die eigenen religiösen Überzeugungen passt. Ein Beispiel: Im Internet kursiert die Behauptung eines Menschen, er hätte eine Nahtoderfahrung gemacht und dabei Buddha in der Hölle gesehen. Man konnte diese Person bisher nicht ausfindig machen, offenbar will sie anonym bleiben. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Person den Buddhismus einfach nicht mag und sie ihre eigenen religiösen Ansichten glaubhafter darstellen will, indem sie behauptet, selbst eine Nahtoderfahrung gemacht und dabei erlebt zu haben, dass Buddha ein falscher Prophet war und daher in der Hölle schmort. Ein anderes Beispiel: In den USA wurde von einem Buch bekannt, dass die darin geschilderte Nahtoderfahrung erfunden war. Die Autoren nahmen Elemente der realen Nahtoderfahrungen anderer Menschen und bastelten dann eine neue Geschichte daraus zusammen, die ihren eigenen religiösen Ansichten entsprach. Es ist also eine gesunde Skepsis geboten, wenn Menschen meinen, sie hätten transzendente Erfahrungen gemacht, sie hätten eine mediale Verbindung zur Geistigen Welt oder Ähnliches.

Zurück zum eigentlichen Thema. Da wir im irdischen Leben ein Zeit-Empfinden haben, denken wir in der Regel an »Diesseits« und »Jenseits«. Man könnte meinen, all das Jenseitige würde erst nach dem körperlichen Tod eine Rolle spielen. Transzendente Erfahrungen zeigen uns jedoch, dass es sich bei dem, was wir als Jenseits bezeichnen, um einen permanent existierenden Teil der Natur handelt, denn zur Natur gehören nicht nur Flora und Fauna, sondern auch der Mensch selbst und schließlich alles, was für die Existenz fundamental, prinzipiell und strukturierend ist. Daher offenbart sich durch transzendente Erfahrungen nicht nur »das Leben danach«, sondern auch das Wesentliche des irdischen Lebens. Auch bekannte Theologen betonten die Bedeutung der Transzendenz für ein besseres religiöses Verständnis.

 

Bei den Aussagen der folgenden Aufzählung handelt sich um meine momentanen persönlichen Ansichten, nachdem ich mich über Jahre hinweg mit zahlreichen und glaubhaften Berichten über transzendente Erfahrungen und den Erkenntnissen renommierter Nahtod- und Mystikforscher beschäftigt habe. Diese Aussagen sollen nicht einfach nur geglaubt oder als die letztgültige Wahrheit betrachtet werden. Gerade die Menschen mit mystischen Erfahrungen betonen es immer wieder, man solle mit Schlussfolgerungen sehr vorsichtig sein.

 

Je weniger offensichtlich etwas ist, umso eher sollte man damit rechnen, dass man momentan nur einen Teil vom Ganzen sieht. Das fällt uns Menschen oft schwer. Wir wollen lieber eindeutige Antworten haben und sind nicht immer geduldig genug, um ein Thema in der nötigen Unvoreingenommenheit und Ruhe zu betrachten. Das gilt besonders für das Spirituelle, denn dieses können wir nicht so direkt beobachten und messen, wie die Dinge unserer materiellen Welt. Daher haben wir zu geistigen Dingen keine so konkreten Vorstellungen und schon gar keine Worte – sie sind »unsagbar«. Und daher lautet ein sinnvolles spirituelles Gebot, man solle sich keine (irdischen) Bildnisse über die geistigen Dinge machen, also keine irdischen Vorstellungen und keine entsprechenden gemalten Bilder.

 
 

Foto: Malerei »Paradiso« aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, Malerei von Gustave Doré.

Die Schwierigkeit, das Seelische zu erkennen und noch dazu wörtlich zu beschreiben, zeigt sich auch schon bei den Gefühlen und Emotionen. Wir haben zwar Begriffe dafür, aber man kann sie nur wörtlich umschreiben und durch Worte nicht direkt übermitteln. Sie selbst und ihre lebenspraktische Bedeutung können nur innerlich spürbar und »sichtbar« werden. So können auch mystische Erfahrungen nur irgendwie umschrieben werden. Ob man sie nachvollziehen kann, liegt an der momentanen persönlichen Vorstellungs- und Empfindungsfähigkeit.

Der Fromme der Zukunft wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.

Karl Rahner, dt. kath. Theologe, 1904 - 1984 [i]

Mögliche Erkenntnisse über das Leben und dessen Sinn

  • Der körperliche Tod ist kein Ende, sondern der Übergang in die primäre Existenzform des Menschen – in seine Ur-Dimension. Herkömmliche Begriffe und Aussagen können irreführend sein, so etwa »Geistige Welt« oder »Ruhe in Frieden«, denn Transzendenz zeigt viel eher, dass das Leben im Seelenzustand weitaus lebendiger und erfüllender sein kann, als im Irdischen. Es handelt sich eher um eine andere Art von »Physik«. Es kann auch eine Gleichzeitigkeit herrschen von Erlebenszuständen, also etwa das Empfinden von Ruhe und ekstatischer Glückseligkeit gleichzeitig. Gebunden an die menschliche Psyche haben wir kaum eine Vorstellung davon, wie sich dieser Seelenzustand anfühlt, daher fällt es vielen Menschen so schwer, Jenseitserfahrungen und spirituelle Ansichten für wahr zu halten. Transzendenz zeigt jedoch, dass es im Jenseitigen nicht nur Licht und Liebe gibt, sondern »viele Wohnungen« und auch dunkle Bereiche (mehr dazu weiter unten).

  • Dass das Jenseits ist die eigentliche Existenzform des Menschen ist, heißt nicht, dieses irdische Leben sei weniger bedeutend. Im Gegenteil. Das Irdische ist eine Dimension, um zu erfahren und zu lernen. Es ist eine Schule für die seelische Entwicklung bzw. Heimkehr. Besonders in der fleischlichen Gebundenheit haben wir die Möglichkeit, durch Kontraste wie Schmerz und Freude, Mangel und Fülle, Krankheit und Heilung bestimmte emotionale Erfahrungen zu machen, Weisheit zu entwickeln und die Liebe als den essenziellen Urgrund des Lebens neu zu erkennen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung (Karma-Gesetz) hat nicht den Zweck, den Menschen mit dem Leiden zu bestrafen. Das unvermeidbare und vom Menschen selbst (unbewusst) produzierte Leiden treibt ihn zum Erwachen und dazu, seine negativen Gefühls- und Handlungsmuster (sein »Ego«) abzulegen, um letztlich sinn- und heilvollere Muster zu erkennen und zu verwirklichen.

  • Wir machen als spirituelle Wesen mehrere »fleischliche« Erfahrungen (Inkarnationen), die für den »Aufstieg« nötig sind. Jede Seele hat bereits vor ihrer ersten körperlichen Geburt existiert. Das zeigt sich unter anderem dann, wenn Menschen in ihren mystischen Erfahrungen ihren künftigen, ungeborenen Kindern bzw. deren Seelen begegnen. Auch Schriftenforscher sind heute vermehrt der Ansicht, dass die Reinkarnation in der Bibel erwähnt wird und dass manche Schriften, die nicht in die Bibel kamen, aber ebenso prophetisch sind, die Reinkarnation erwähnen. Dazu gehört vor allem die gnostische Schrift »Pistis Sophia«.

  • Seelen wissen bereits vor ihrer Inkarnation, welche schönen und weniger schönen Erfahrungen sie machen werden, welche Lernlektionen sich durchgehen werden und welche Aufgaben sie haben.

  • Die physische und geistige Dimension sind nicht voneinander getrennt. Es besteht eine ständige Verbindung. Schließlich stammt die gesamte Lebensenergie auch für das Irdische aus dem Geistigen. Das Irdische könnte ohne das Geistige nicht sein. Jenes, was wir als Evolution bezeichnen, ist eine natürliche Realität, aber nicht ausgehend von der und beschränkt auf die Materie (Physis), sondern vom Geistigen.

  • Alles was hier auf der Erde geschieht, ist in eine höhere Ordnung bzw. einen Plan eingebunden. Die Gebundenheit an Körper und Materie garantiert einen weitgehend vorherbestimmten (determinierten) Verlauf des Lebens, der unter anderem dazu dient, dass sich karmische Bestimmungen so vollziehen, wie es geplant ist. Dies bedeutet etwa, dass ein Mensch seine negativen Geistes- und Gemütszustände und die entsprechenden Handlungen entweder überhaupt nicht einsehen kann, oder dass seine Handlungszwänge so stark sind, dass er sein falsches Verhalten nicht verhindern kann, auch wenn er intellektuell bereits weiß, dass es falsch ist. Es existiert jedoch keine völlige Vorherbestimmung (völliger Determinismus). Determiniert sind die wichtigsten Eckpfeiler bzw. Rahmenbedingungen. Dazwischen besteht ein Spielraum. Es existiert daher ein »relativer« freier Wille. Dies kann man etwa vergleichen mit der Tatsache, dass sich ein und dasselbe Musikstück völlig anders anhören kann, weil man es unterschiedlich spielen kann. Obwohl die Noten die gleichen sind, gibt es einen Spielraum, die Musik unterschiedlich zu spielen. So gibt es auch einen großen Handlungsspielraum im irdischen Leben.

  • Jenes, was wir als Gott bezeichnen, ist der Ursprung der Natur. Jeder Mensch ist von Natur aus mit dieser Dimension verbunden, egal: ob ihm dies bewusst ist; ob er an eine Vorstellung von Jesus oder Gott glaubt; ob er bewusst an ein Leben nach dem Tod glaubt; und wie weit er sich in seiner menschlichen Wirklichkeit von dieser ursprünglichen Essenz ab-sondert (= »Sünde« von sondre für Absonderung).

  • Es gibt keine einzig wahre Konfession und niemandem verhilft eine formelle Kirchenmitgliedschaft dazu, eine Art Vorrecht auf den Eintritt in den Himmel zu bekommen, genauso wie niemand auf dieser Welt ein Kirchenmitglied sein muss, um Luft einzuatmen, Wasser zu trinken oder die Sonnenstrahlen zu genießen. Nicht eine formelle konfessionelle Mitgliedschaft zählt, sondern die Lebenswirklichkeit eines Menschen, sein Inneres (sein Gemüt), seine Einsichten, seine Haltungen und Absichten, und sein Handeln, vor allem das zwischenmenschliche Verhalten. Im persönlichen Inneren und Äußeren eines Menschen zeigt sich, wie weit er sich in einer »Kirche« befindet. Was in der geistigen Welt zählt, was wirklich Wert hat und den Schwingungszustand einer Seele erhöht, ist die Entwicklung eines friedvollen Gemütes und einer entsprechenden Vernunft im Umgang mit anderen Lebewesen.

  • Die Bibel enthält zwar viel Wahrheit, aber auch Irrtümer und wird auch vielfach falsch interpretiert. Viele Konfessionen sind sehr willkürlich bei der Interpretation der biblischen Aussagen. Sie hinterfragen zu wenig, was die Bibel wirklich aussagt.

  • Jeder Mensch hat seelische Begleiter, die den Auftrag haben, die Seele und ihr menschliches Leben zu unterstützen, und zwar soweit es möglich ist, ohne dass der freie Wille dabei missachtet wird.

  • Dass sich Seelen in unterschiedlichen Bereichen der geistigen Welt befinden, hat nichts mit einer Mehrklassengesellschaft oder mit einer Willkür Gottes zu tun. In der geistigen Welt existiert dieses Urteilen und Bewerten nicht, wie wir es hier auf der Erde für normal halten. Transzendente Erfahrungen zeigen immer wieder, dass es mehrere lichtvolle und dunkle Jenseitsebenen gibt.

  • Was wir als Hölle bezeichnen, dürfte keine Folterkammer Gottes sein, sondern ein Bereich außerhalb des Lichts, in den sich Seelen aufgrund ihres freien Willens und ihrer Unbewusstheit selbst begeben, so wie der Mensch auch in der irdischen Welt aufgrund einer gewissen Willensfreiheit und Eigenverantwortlichkeit wesentlich dazu beiträgt, sein Leben zu gestalten. Wenn Menschen während einer transzendenten Erfahrung eine »Höllenerfahrung« machen, so beruht dies meiner jetzigen Ansicht nach nicht auf einer Art Verdammnis durch Gott, sondern auf dem geistig-emotionalen Zustand eines Menschen bzw. einer Seele selbst, besonders auf inneren Zuständen wie starker Selbstsucht (Egoismus), Hass, Missgunst, Neid, Gewaltbereitschaft, Schadenfreude oder Rachsucht. Das entscheidende Merkmal dabei ist eine zerstörerische Haltung gegenüber anderen Lebewesen. Es handelt sich um Zustände der »Todsünde« und der »Sucht«, mit denen sich ein Mensch bzw. eine Seele selbst von der Liebe absondert. Hieraus darf jedoch nicht voreilig der Schluss gezogen werden, jeder Mensch, der irgendwie unfriedlich ist, würde sicher in die Hölle kommen. Vor allem ist zu unterscheiden zwischen gesunden Formen des Ärgers einerseits, und einer tödlich-zerstörerischen oder suchthaften Bösartigkeit andererseits.

  • Es ist unwahrscheinlich, dass Seelen in den dunklen Bereichen der geistigen Welt ewig gefangen sind, wie es in vielen Religionen heißt. Im Jenseitigen gibt es generell kein Zeitempfinden. Die Existenz wird dort generell als ewig empfunden. Oft wird etwa davon berichtet, dass aufrichtige Einsicht, das Aufgeben der Bösartigkeit, ein Gebet, der aufrichtige Ruf nach Jesus oder Gott, oder der Wunsch nach Frieden oder Rettung genügte, um aus dem dunklen Zustand herausgeholt zu werden. Auch in der Bibel existieren Stellen, wonach es etwa heißt, jedes »verlorene Schaf« würde irgendwann wieder heimkehren.

Wenn der Körper von seinem Geist abgetrennt wird, was man ja als sterben bezeichnet, so bleibt der Mensch dennoch ein Mensch und lebt.

Emanuel von Swedenborg, schwed. Wissenschaftler und Mystiker, 1688 - 1772

 

Emanuel Swedenborg, Kapazität der damaligen Wissenschaft und Mystiker,1688 - 1772. Bildrechte: Per Krafft the Elder artist QS:P170,Q927577, Emanuel Swedenborg full portrait, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

Quellen

[i] Karl Rahner, »Frömmigkeit heute und morgen«, in »Geist und Leben 39« (1966), S. 335

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