Wie Spiritualität bei Depression und Angst hilft

Bild: Carina-Nebel. Bildrechte: ESO/IDA/Danish 1.5 m/R.Gendler, J-E. Ovaldsen, C. Thöne, and C. Feron., ESO - The Carina Nebula (by)CC BY 4.0

 

Warum Menschen durch das Leiden oft spirituell werden

In ernsthaften Lebenskrisen fangen Menschen oft an, Dinge mehr zu hinterfragen und nach einem tieferen Verstehen des Lebens zu suchen, weil sich in solchen Krisen etwas zeigt, was sie bisher nicht kannten: Ohnmacht.

 

Aber auch ohne einen persönlichen Leidenszustand haben viele Menschen diese Ahnung, dass diese irdische Welt nicht alles und nicht das Wahre sein kann. Daher ist es ein gesundes Zeichen der Psyche, sich manchmal fremd zu fühlen in dieser Welt.

 

Um ein tieferes Verstehen des Lebens zu erreichen, schließen sich viele leidende und suchende Menschen der Spiritualität auf. Das können viele andere Menschen nicht verstehen, weil sie selbst nie wirklich gelitten haben. Für sie ist dieses Lebensgefühl der Geborgenheit und Selbstsicherheit, wie sie es bisher kennen, überwiegend selbstverständlich und ausreichend. Sie haben diese »tragenden« Gefühlszustände nie so weit verloren, dass dadurch ein richtiger Leidenszustand entstanden wäre. Oder aber sie haben gelitten, sind aber nicht auf die spirituelle Suche gegangen. Oder sie sind auf diese Suche gegangen, aber nicht fündig geworden.

 

Viele Menschen leiden trotz langer psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung, und ich wage zu behaupten, dass dies zu einem wesentlichen Grad darauf zurückgeht, dass diese Menschen kein spirituelles Verstehen der menschlichen Existenz erreichen.

 

Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Heranwachsens zumindest unbewusst ein gesamtheitliches Weltbild, eine Weltanschauung. Einen Komplex an konkreten und abstrakten Vorstellungen darüber, wie »Mensch und Welt« sind und sein sollen. Auch wenn es nicht bewusst ist, so wirkt sich dieses persönliche Weltbild mit seinen verschiedenen Aspekten permanent auf das Nervensystem aus, positiv oder negativ, »tragend« oder belastend.

 

Belastend wirken Weltanschauungen umso mehr, je mehr sie:

  • Überzeugungen von Stress, Bedrohlichkeit und Ohnmacht enthalten. Beispiele: »Man muss ständig leistungsfähig sein, um als guter Mensch akzeptiert zu werden. Es gibt keine Aussicht auf Wiedergutmachung. Das Böse ist mächtiger als das Gute. Es wird nie Gerechtigkeit einkehren. Die Bösen und Stärkeren können tun und lassen was sie wollen …«

  • erhebliche Lücken bzw. offene Fragen aufweisen, also fehlende positive Vorstellungen, die jedoch nötig wären, um die Existenz besser zu verstehen und sich sicherer zu fühlen.

 

Hier handelt es sich also um Einschätzungen über Machtverhältnisse, Absichten und Sinnhaftigkeit, die das Nervensystem insgesamt eher beruhigen oder belasten: Wie mächtig bin ich? Wie mächtig sind andere Menschen, Institutionen und Strukturen? Worauf kommt es eigentlich an im Leben? Was soll das Ganze überhaupt? Wieso lebe ich, obwohl mich nie jemand gefragt hat, ob ich das will? Wer hilft mir, wenn ich schwach bin? Die Anschläge von New York erschütterten beispielsweise weltweit das Sicherheitsempfinden sehr vieler Menschen – deren Lebens- oder Urvertrauen, denn durch sie wurde innerhalb weniger Augenblicke besonders deutlich, dass es Menschen mit sehr bösen Absichten und Mächten gibt.

 

Gerade auch unter den psychologischen Fachleuten sind viele spirituell orientiert, weil sie aufgrund eigener Lebenserfahrungen und der Wege ihrer Klienten wissen, wie wichtig das Spirituelle für leidende Menschen sein kann. Je weniger ein Leidenszustand durch eine gute, reale Lebenssituationen aufgefangen wird, umso eher kann es für betroffene Menschen nötig sein, zumindest eine »jenseitige« Aussicht auf eine Heilung der Welt zu haben.

Wir suchen uns unsere Freuden und Leiden aus, lange bevor wir sie durchleben.

Khalil Gibran, libanesisch-amerik. Philosoph und Dichter, 1883 - 1931

 

Was Religion, Spiritualität und Esoterik unterscheidet und was sie gemeinsam haben

Malerei Paradiso aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, Malerei von Gustave Doré.

Heute ist es gängig, zwischen Religion und Spiritualität zu unterscheiden, oder zwischen Christentum und (Neu-)Heidentum, weil sich konfessionell und nicht-konfessionell gläubige Menschen voneinander abgrenzen wollen. So wird der Begriff Religion oft gleichbedeutend für die Konfession bzw. konfessionelle Kirche gesehen, während Begriffe wie Spiritualität und Esoterik für verschiedene nicht-konfessionell Gläubige – auch von diesen selbst – verwendet werden.

Wer auf diese Unterscheidung Wert legt, wird sich jedoch wundern, wie oft Begriffe wie »spirituell« und »Spiritualität« beispielsweise auf katholischen Internetseiten und generell in konfessioneller Literatur erscheinen, denn Spiritualität ist auch ein allgemeiner Begriff und bedeutet damit im Grunde dasselbe wie »Religiosität«.

 

Beispielsweise meinte auch ein österreichischer Bundespräsident einmal nach seinem Besuch beim Papst, er sei »von der Spiritualität des Papstes beeindruckt« gewesen. Er verwendete Spiritualität – wie es auch andere oft tun und an sich korrekt ist – als allgemeinen und mehr oder weniger gleichbedeutenden Begriff für Religiosität.

 

Was die meisten konfessionell und nicht-konfessionell Gläubigen gemeinsam haben, ist der mehr oder weniger starke Glaube, dass es eine nicht-irdische Existenz gibt, in die der Mensch mit dem körperlichen Tod übergeht (transzendiert).

 

Und was ist mit der Esoterik? Der Begriff Esoterik hat ursprünglich eine völlig andere Bedeutung als heute im deutschsprachigen Raum. Heute wird Esoterik oft nur als anderer Begriff für Gaukelei, Hokuspokus oder Kurpfuscherei verstanden. An sich ist »esoterisch« aber nur ein anderes Wort für Begriffe wie innerlich, intern, endogen oder intrinsisch, im Gegensatz zu »exoterisch« wie äußerlich, extern, exogen oder extrinsisch. Esoterik bezieht sich ursprünglich auf ein wenig bekanntes (»geheimes«) Wissen über die Natur des Menschen. So gesehen kann man beispielsweise auch Jesus als Esoteriker bezeichnen. Er sprach etwa auch von der »inneren Umkehr«, die man rein worttechnisch auch als »esoterische Umkehr« oder »psychologische Umkehr« bezeichnen könnte. So allgemein betrachtet ist im Grunde auch Psychologie eine wissenschaftliche Form der »Esoterik«, egal ob man hierbei von der Existenz eines Jenseits ausgeht oder nicht.

 

Es kann also Sinn machen, diese Begriffe zu unterscheiden, aber ist es nicht wichtiger, die Natur hinter all diesen Begriffen zu erkennen?

 

3 Formen von Religiosität und Spiritualität

Bild: Jerusalem. Für viele Menschen das spirituelle Zentrum der Welt.

In nicht-konfessionellen Kreisen meinen Menschen oft, sie seien den Konfessionen spirituell voraus. Auch selbst dachte ich dies, als ich begann, mich von der traditionellen Kirche, in der ich aufwuchs, zu distanzieren. Aber später musste ich vermehrt feststellen, dass die Unterschiede zwischen der konfessionellen und freien Spiritualität nicht immer so groß sind, wie manche es meinen möchten. Nur weil man zum Beispiel beim Satsang eines populären Gurus sitzt, heißt das nicht, dass man dort eine wahrhaftigere Spiritualität erfährt, als bei einem weisen Priester in einer traditionellen Kirche. Andererseits kann man bei einem konfessionslosen spirituellen Mentor eventuell mehr über das Spirituelle lernen, als in so manchen konfessionellen Kirchen. Schließlich kann man auch in frei-spirituellen Bereichen eine extreme Dogmatik vorfinden, also eine starre Fixierung auf gewisse Anschauungen. Nur sehen Menschen den Dogmatismus meistens lieber bei den anderen, anstatt bei sich selbst.

Die folgenden drei Formen von Spiritualität sollen einen Überblick verschaffen und zum Nachdenken anregen, was Spiritualität bedeuten kann. Besonders die ersten beiden Formen können sich in der persönlichen Realität eines Menschen auch überschneiden.

  

Formelle Spiritualität

Hier zeichnet sich das Religiöse vor allem dadurch aus, dass man (eher theoretisch) an das glaubt, was konfessionelle oder sonstige spirituelle Autoritäten sagen. Man geht davon aus, dass formelle Kirchenmitgliedschaften, der theoretische Glaube an kirchliche Lehren und die körperlich-räumliche Teilnahme an entsprechenden Zusammenkünften in die Erlösung bzw. in den Himmel führen. Manche Fachleute sprechen hier von formeller oder extrinsischer Religiosität.

 

Bewusstere Spiritualität

Innerhalb dieses Verständnisses von Spiritualität versuchen die betreffenden Menschen, das Spirituelle tiefgründiger zu verstehen und im Alltag zu leben. Spiritualität gilt hier eher als Weg des Lernens und der (persönlichen) Entwicklung. Das Spirituelle will beispielsweise auch emotional tiefer erfahren werden, indem Menschen etwa danach streben, während ihrer irdischen Lebenszeit einen möglichst weitgehenden Wandel bzw. eine spirituelle »Transformation« oder »Erleuchtung« zu erreichen. Fachleute sprechen hier auch von intrinsischer Religiosität.

 

Unbewusste Spiritualität

Menschen wollen zwar bewusst nichts mit spirituellem Gedankengut zu tun haben, glauben (eher) nicht an ein Leben nach dem Tod oder halten spirituelle Vorstellungen für Unsinn, können jedoch von ihrer Lebenswirklichkeit her deshalb als spirituell gesehen werden, weil sie von ihrer Persönlichkeit her spirituelle Werte und Tugenden leben, also etwa Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit, Dankbarkeit, das Streben nach Wahrheit und Weisheit, Gemeinschaft, Treue, Humor, Vergebung und Versöhnlichkeit, Toleranz und Achtung der Natur. Man kann auch sagen, diese Menschen haben von Grund auf eine gewisse Herzensvernunft, ein spirituelles Gemüt, einen spirituellen Charakter. Besonders Kinder bezeichnet man beispielsweise oft als »Engel«, weil sie ein engelhaftes Wesen bzw. Gemüt haben. Aber woher kommt dieses Gemüt? Sie haben es nicht von einer Glaubenslehre, sondern von ihrer naturgegebenen Persönlichkeit her. Viele Menschen bewahren sich dieses Wesen ihr Leben lang und sie leben das Spirituelle damit einfach durch ihre Persönlichkeit, auch wenn sie nicht bewusst an spirituelle Konzepte und Jenseitsvorstellungen glauben.

 

Sogar manch katholische Kirchenführer betonen heute, dass nicht eine Kirchenzugehörigkeit entscheidend ist, sondern die innere und äußere Lebenswirklichkeit des Menschen, sein Gemüt, sein Charakter und der daraus entstehende Umgang mit anderen Menschen und dem Leben.

Es gibt Menschen, die im Sinne Jesu leben und handeln, ohne Mitglied der Kirche zu sein. Entscheidend ist das Verhalten. Ich denke an die vielen, die ohne große Worte dem Nächsten helfen. Da fragt Jesus nicht nach dem Religionsbekenntnis und schaut nur auf die gute Tat.

Christoph Schönborn, österr. kath. Diözesanbischof und Kardinal, geb. 1945[1]

 

Woher kommt spirituelles Wissen?

Welche ist die beste Quelle für spirituelles Wissen? Über alte Schriften wie die Bibel gibt es viel Streit, weil ihre Textstellen viel Spielraum in der Interpretation übrig lassen. Wären diese Texte so eindeutig zu verstehen, wie manche meinen, dann gäbe es nicht so viele Religionen.

 

Schriften wie die Bibel enthalten viel Wahres, aber nicht nur, sondern etwa auch unbrauchbare Meinungen der Schreiber. Was haben beispielsweise Rachelieder in der Bibel zu suchen, wonach es etwa heißt, »Wohl dem, der deine Kinder nimmt und am Felsen zerschmettert.« (Psalm 137,9)? Oder Paulus, wenn er meint, es sei »offensichtlich« gegen die Natur, wenn der Mann lange Haare trägt, denn diese seien nur für Frauen vorgesehen. In vielen Textstellen der Bibel kann man erkennen, dass nicht alles, was in diesem Kanon enthalten ist, das wahrhaftige »Wort Gottes« sein kann, sondern ein Großteil davon nur persönliche und kulturelle Meinungen oder historische Zeugnisse, wie etwa das oben erwähnte Rachelied vom Psalm 137. Aber auch die wahrhaftigen Teile der Schriften können schwer zu verstehen sein.

 

Und woher kommen die wahrhaften spirituellen Texte? Jede echte Religion hat ihre Quelle in Transzendenz und Mystik, also in bestimmten übersinnlichen Erfahrungen. Was Menschen heute beispielsweise über ihre eigenen Nahtoderfahrungen berichten ist dasselbe, was auch die alten Mystiker und viele Heilige der Kirchen berichtet haben. Dass aber heute so viele religiöse Menschen die Mystik in Nahtoderfahrungen nicht erkennen zeigt, wie weit ihre Kirchen von der Mystik und damit von der Urquelle wahrer Religion entfernt sind.

 

Die eine Quelle spirituellen Wissens sind also Schriften. Aber die primäre religiöse Quelle der wahren Schriften sind reale Phänomene der Natur. Verstehen kann man die Bedeutung des Spirituellen aber letztlich nur durch sich selbst. Hier ist es wie mit der Psychologie: Verstehen kann man die Psyche nur durch sich selbst, durch die eigene Gefühlswelt. Daher ist die wahre Selbsterkenntnis auch die Erkenntnis über das Wesen des Menschen generell, und daher meinte Sokrates: »Mensch erkenne dich selbst, dann weißt du alles.« Gute spirituelle Helfer sind daher ähnlich wie gute Psychologen: Sie fordern die Suchenden nicht dazu auf, blind an Dogmen zu glauben, sondern auf ihr Inneres zu hören, ähnlich wie etwa Jesus von Nazareth die Menschen zur »inneren Umkehr« aufgefordert hat, anstatt nur den »Schriftgelehrten« zu glauben.

 

Die einzig reale, äußere Quelle für spirituelles Wissen sind tiefe transzendente Erfahrungen, von denen es heute vor allem durch Nahtoderfahrungen mehr als genug gibt. Diese sind klar zu unterscheiden von vagen Vermutungen und Träumereien, und sie sind zu einem gewissen Grad auch wissenschaftlich untersuchbar, besonders die Nahtoderfahrungen.

 

Gerade die heutige Neurologie beweist indirekt, dass es ein Jenseits geben muss, weil sie uns seit Jahrzehnten sagt, dass der Mensch im klinischen Tod keine ausreichenden Hirnströme hat. Die meisten Nahtoderfahrungen setzen aber genau mit dem Herzstillstand ein, sie passieren im Zustand des klinischen Todes und viele davon dauern mehrere Minuten, da ist Totenstille im Gehirn. Nur kurz vor dem endgültigen Tod gibt es ein kurzes »Aufbäumen«, welches aber lebende Menschen meistens nicht erreicht haben, sonst wären sie nicht mehr hier, also kann man davon ausgehen, dass jeder, der heute lebt, eine Nahtoderfahrung hatte und darüber berichtet, dieses »letzte Aufbäumen« gar nicht hatte.

 

Die heutige Wissenschaft ist in Wirklichkeit ein »Mittäter« dabei, das Jenseits zu beweisen, aber das wollen vor allem jene, die Wissenschaft für einen materialistischen Weltanschauungskampf instrumentalisieren, natürlich nicht sehen.

 

Sogar die klassische Physik sagt uns heute, dass es Materie allein nicht gibt, sondern auf Information und Energie basiert, und diese Tatsache bestätigt sich in Tausenden Nahtoderfahrungen. Der Physiker sagt: Energie ist überall präsent. Ein Nahtoderfahrener sagt: Das Jenseits ist überall präsent. Gemeint ist im Grunde dasselbe.

 

Wenn sich Menschen nach einer Nahtoderfahrung – und das ist oft der Fall – an spezifische lokale Details erinnern, die sie rein körperlich aufgrund zu großer Entfernung oder Sinnesblockade gar nicht wahrnehmen konnten, die sie vorher nicht wussten und sich nicht ausdenken konnten, dann belegen allein diese Fälle schon, dass sich das Bewusstsein vom Körper ablösen kann. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob in dieser Zeit Hirnströme aktiv waren oder nicht. Aber meistens passieren diese distanzierten Lokalwahrnehmungen sowieso während des klinischen Todes als Teil der Nahtoderfahrung. Diese Fälle von Lokalwahrnehmungen sind zwar bisher zu wenig wissenschaftlich untersucht, aber es gibt viele von Nahtodforschern dokumentierte und bezeugte Berichte darüber.

 

Insgesamt betrachtet ist es daher falsch, wenn immer wieder behauptet wird, Nahtoderfahrungen seien nur persönliche Berichte, die nichts beweisen könnten. Gewisse Faktoren, wie vor allem die überprüfbaren Lokalwahrnehmungen außerhalb der körperlichen Reichweite und dann vor allem das heutige Wissen über den Zustand des klinischen Todes, ergeben schwere Belege dafür, dass sich Geist und Körper in bestimmten Situationen voneinander trennen und der Geist dann ohne Körper aktiv bleiben kann.

 

Ein weiterer Beweis dafür, dass Nahtoderfahrungen keine Halluzinationen sein können, ist die Tatsache, dass viele davon sogar bei Vollnarkose auftreten. Diese allein würde lebhafte Halluzinationen unterdrücken. Und wenn eine Vollnarkose nicht völlig wirksam ist, dann haben Menschen dadurch meistens unangenehme bis traumatische Zustände, aber nicht derart klare und intensive Bewusstseinszustände wie NTE. Würde der Geist des Menschen einzig und allein im Gehirn entstehen, dann dürften NTE niemals während Vollnarkose und schon gar nicht bei gleichzeitigem klinischem Tod passieren, was aber vorkommt.

 

Ansonsten gibt es noch viele weitere Gründe, warum Nahtoderfahrungen nicht im Gehirn entstehen können, sondern reale Erfahrungen einer nicht-materiellen Struktur sind. Sie beweisen, dass es grundsätzlich eine Art »Jenseits« geben muss.

 

Skeptiker verbreiten permanent falsche Behauptungen über diese Phänomene. Sie hatten selbst keine solchen Erfahrungen, beschäftigen sich nicht einmal ordentlich damit und wollen diese Phänomene unbedingt so darstellen, als handle es sich dabei nur um Halluzinationen. Sie ignorieren einen Großteil von erkennbaren Fakten, um ihren extremen Materialismus nicht aufgeben zu können. Sie wollen mit aller Gewalt für alles eine materialistische Erklärung haben und nichts Übersinnliches gelten lassen.

 

Materialisten kommen generell gerne mit spekulativen und einseitigen Floskeln über die Welt daher, wonach der Mensch zum Beispiel nur durch »Zufall« entstanden sein soll, ohne höheren Sinn dahinter, oder wonach es »offensichtlich« nur die materielle Welt geben könne, und sie wollen diese Ideen auch noch als »wissenschaftlich erwiesen« sehen. Sie ignorieren sämtliche Evidenzen der Natur, die auf die nicht-materielle Welt hinweisen, und sie haben keinen Dunst davon, wie wichtig die »jenseitige« Aussicht auf Heilung für leidende Menschen sein kann, weil sie selbst keine oder zu wenige Leidenserfahrungen machten. Sie suchen ihr scheinbares Heil in einem platten Materialismus, wo sie auch noch meinen, sie könnten selbst Gott spielen.

 

Durch empirische Spiritualität erhält man Antworten auf Fragen, um die sich der Großteil der Wissenschaft bis jetzt kaum kümmert und keine zufriedenstellenden Antworten geben kann, zum Beispiel auf die Frage, warum wir überhaupt existieren, wie es in dieser Welt kommen kann, dass unschuldige Menschen leiden, oder auf die Frage, wie eine wirkliche Heilung möglich ist.

 

Jede vernünftige Spiritualität basiert auf realen, natürlichen mystischen bzw. transzendenten Phänomenen. Heutige Nahtoderfahrungen enthalten dasselbe wie die früheren mystischen Erfahrungen. Sie geben reale Einblicke in die Natur des Jenseits, und hierbei geht es nicht nur um das »Danach«, sondern um ganze Struktur und Sinnhaftigkeit der menschlichen Existenz.

 

Daher verlieren Menschen durch die nähere Beschäftigung mit Transzendenz nicht nur die Angst vor dem Tod, sondern auch vor dem Leben. Vernünftige Spiritualität gibt den Menschen eine Ahnung von einer wohlwollenden, ursprünglichen »Hintergrundwelt«, die weitaus mächtiger, gerechter und schöner ist als die irdische, und der man sich bereits als Mensch in körperlicher Form bewusster »anschließen« kann. Man ist zwar sowieso von Natur aus daran »angeschlossen« oder geht aus dieser überhaupt hervor, aber man kann sich diesen wohlwollenden Kräften und diesem höheren Wissen auch bewusster öffnen. Dies hilft, das Schwierige besser zu überwinden, nicht so sehr am Irdischen zu hängen und leichter zu leben.

Bewusstsein ist auch ohne funktionierendes Gehirn möglich. Es gibt keine einseitige kausale Beziehung zwischen kortikalen Prozessen und Bewusstsein.

Univ. Doz. Dr. Eckart Ruschmann, Dipl. Psychologe[2]

Wer hätte je gedacht, dass die moderne Medizin indirekt eine Quelle für spirituelles Wissen wird?

Die Beschäftigung mit Nahtod- und anderen Formen von transzendenten Erfahrungen kann bei entsprechender Offenheit gut helfen, wahre und falsche Spiritualität voneinander zu unterscheiden und sich über die wahren spirituellen Texte bessere Vorstellungen zu machen. So meinten etwa auch schon einige christliche Geistliche nach ihren eigenen Nahtoderfahrungen, es sei ihnen erst durch diese Erfahrungen klar geworden, wie das Ganze zu verstehen sei. Vor allen seien sie erst durch diese lebendigen Erfahrungen von der Existenz der Jenseitswelt überzeugt worden, während sie vorher in Wirklichkeit nur theoretisch gläubig waren im Sinne eines Agnostizismus ohne wesentliche Überzeugungskraft.

 

Auch gängige Lehrmeinungen aus spirituellen Kreisen lassen sich anhand von realen Transzendenz-Erfahrungen besser prüfen. Bekannte spirituelle Akteure wie beispielsweise Eckhart Tolle, Bert Hellinger, Armin Risi, Neal Donald Walsh, Pascal Voggenhuber oder Anssi Attila haben durchaus auch unterschiedliche Meinungen über das Spirituelle. Sie mögen zwar ihre Heilungen, Sartoris und andere besondere Erlebnisse gehabt haben, aber davon allein kommt nicht automatisch das Wissen über die Psyche oder gar die Jenseitswelt.

 

Beispielsweise behaupten viele spirituelle Akteure, im Jenseits gäbe es nur Licht und Liebe oder »kein Leiden«. Nahtod- und viele andere mystischen Erfahrungen von früher und heute deuten eher darauf hin, dass dem keineswegs so ist.

 

Eine populäre Hypothese aus der New-Age-Szene lautet etwa auch, der Mensch sei nicht »gefallen«, sondern würde sich als eine Momentaufnahme Gottes einfach nur neu erkennen wollen. Ja, hier mag etwas dran sein, aber auch dazu meine ich heute, dass uns Transzendenz noch weitaus mehr aufzeigt, um nicht zu solch einseitigen Schlussfolgerungen kommen zu können. Viele populäre spirituelle Akteure hinterfragen es viel zu wenig, ob ihre spirituellen Ansichten wirklich korrekt sind.

 

Wer sich vernünftig mit Transzendenz beschäftigt, ist nicht nur »gläubig«, sondern betreibt eine Form der empirischen Naturforschung, bei der es nicht nur um den Tod und das Jenseitige geht, sondern um die ganze Struktur und Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens.

Ich hatte nie das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Nach meiner Nahtoderfahrung weiß ich, was Zuhause ist. Für mich ist Zuhause wirklich die jenseitige Welt, und das hat mich sozusagen etwas versöhnt – weil ich da hingucken durfte – hier mehr anzukommen, in meinem jetzigen, irdischen Zuhause.

Dirk Hirsch über seine Nahtoderfahrung[3]

Berichte über Nahtoderfahrungen

 

Die besten Bücher über Nahtoderfahrungen

Wie hilft Spiritualität gegen das Leiden?

 

Erstens: Welt und Mensch besser verstehen

Besonders in spirituellen Kreisen heißt es oft, der Verstand sei der größte Feind des Menschen und dieser Verstand wird oft mit dem »Ego« gleichgesetzt. Aber das ist etwa so, als würde man sagen, das Betriebssystem sei der größte Feind eines Computers.

 

Was man hier oft als »Verstand« bezeichnet, ist genau genommen die negativ konditionierte Psyche. Auch Eckhart Tolle, einer der Stars in der spirituellen Szene, spricht davon, wie wichtig das Verstehen sei, um sich vom Leiden zu befreien. Also kann der Verstand an sich nicht so schlecht sein, wie es oft dargestellt wird.

 

Ein höheres Verstehen ist nur ein anderer Begriff für höheres Bewusstsein. Mit dem Verstand hat man die Möglichkeit, aus der »Kleinlichkeit« und Einseitigkeit des üblichen menschlichen Denkens herauszutreten und stattdessen übergeordnete bzw. »höhere« Sichtweisen einzugehen. Auch die Weisheit, von der in spirituellen Kreisen oft die Rede ist, ist eine Form des Verstehens.

 

Das Leben besteht nicht nur aus der Liebe als den spirituellen »Stoff«, der den Menschen von innen her erfüll. Es hat auch eine technische Komponente, eine formelle bzw. formgebende. Form und Inhalt gehören zusammen und ergänzen sich wechselseitig. Von der Liebe allein zum Beispiel wird man nicht satt, man muss auch Nahrung besorgen, diese zubereiten und essen.

 

Der Verstand bzw. das Bewusstsein helfen, Klarheit darüber zu bekommen, worauf es im Leben ankommt – Klarheit über das Innere des Menschen (andere und sich selbst), seine Gefühlszustände und Wahrnehmungen, und über das äußerlich sichtbare Miteinander, die Beziehungen und andere Bereiche der Lebensgestaltung.

 

Wenn Menschen beispielsweise tief im Hass versunken sind, dann wissen sie oft gar nicht mehr, dass es so ist, weil sie ein Lebensgefühl der Freude und Liebe gar nicht mehr kennen und daher auch vom Bewusstsein her nicht von ihrem, den sie für so normal halten, abgrenzen können.

 

Die Beschäftigung mit guten spirituellen Quellen, die auf wahrer Transzendenz basieren, kann sehr helfen, Lebensweisheit und Klarheit über die menschliche Existenz zu entwickeln, und damit auch die Fähigkeit fördern, sich innerlich besser für heilsame Gefühlszustände und Verhaltensweisen zu öffnen. Das Einzige, was letztlich heilt, ist eine stabile, positive Lebenswirklichkeit und »innerer Friede«. Und um diesen inneren Frieden trotz widriger Umstände immer wieder zu erreichen, hilft das Wissen um spirituelle Hintergründe des Lebens.

 

Positive und vernünftige Spiritualität bietet greifbare Ahnungen davon, dass die Welt einen guten Kern enthält, einen wohlwollenden Ursprung, der uns ständig »trägt« und leitet, wenn man sich ihm öffnet. Einen Ursprung voller Geborgenheit, wo Dinge wie Ungerechtigkeit, Egoismus, Leistungswahn und Gewalt nicht existieren. Eine Heimstätte, in der die Schäden ausgeglichen (»gesühnt«) werden und »alles neu« wird. Wir Menschen können diese ersehnte Erneuerung nicht allein herstellen, aber jeder Mensch hat eine große Macht und Eigenverantwortung, sich den entsprechenden Kräften zu öffnen.

Zweitens: Das Heilsame im Leben verwirklichen

 

So wie viele Gurus den Menschen weismachen wollen, man müsse ewig meditieren, um zur Erleuchtung zu gelangen, reden viele Geistliche den Menschen ein, nur die Konfession würde in die Erlösung führen.

Ja, traditionelle Religionen und verschiedene spirituelle Praktiken und Philosophien können dem Leben helfen, aber letztlich kann der Mensch doch nur zufrieden sein, wenn er mit anderen Menschen gut auskommt. In einem guten menschlichen Miteinander zeigt sich Spiritualität ganz besonders: Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme, gegenseitige Hilfe, Geduld und Versöhnlichkeit, Freude und Humor. Diese Dinge SIND Spiritualität und sie sind das einzige, was einen Menschen wirklich zufrieden macht und heilt.

Es ist sehr klug vom Universum eingerichtet: Einem Menschen geht es nur dann gut, wenn er zu anderen Menschen und zu sich selbst gut ist. Es klingt sehr einfach, aber es kann schwer umzusetzen sein, weil wir Muster des »Egos« in uns haben – die einen mehr, die anderen weniger – die uns an der Umsetzung dieses einfachen Prinzips hindern.

Wenn es etwa heißt, wir sollten »werden wie die Kinder, sonst …«, dann ist das keine plumpe Drohung, sondern ein gutgemeinter Hinweis darauf, dass der Mensch sich selbst von seinem Glück und seiner Heilung abhält, wenn er sein konditioniertes Ego nicht ablegt. Durch das Ego behindert sich das Mensch unbewusst selbst daran, sich dem Heilsamen oder dem »Heiligen« des Lebens zu öffnen.

Zitate

Es gibt aber auch Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.

Ludwig Wittgenstein, österr. Philosoph, 1889 – 1951

 

Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.

Edith Stein, heiliggesprochene dt. Philosophin, 1891 - 1942

 

Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen.

Buddha, 6./5. Jhdt. v. Chr.

 

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Matthäus, 5-9

 

Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe.

Christian Morgenstern, deutscher Schriftsteller, 1871 – 1914

 

Quellen

[1] https://religion.orf.at/stories/2938868/

[2] Youtube-Kanal »grenzfragen«, Videobeitrag vom 27.11.2014 »Ruschmann: Weltanschauliche Hintergrundannahmen und Nahtoderfahrung«, https://www.youtube.com/watch?v=RgSGTzB0ghs, min 50:08

[3] Youtube-Kanal »Empirische Jenseitsforschung«, Videobeitrag vom 26.11.2019, »Die Nahtoderfahrung von Herrn Dirk Hirsch«, https://www.youtube.com/watch?v=GXiUcUCYp8M&t=254s 9:32

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