Wie Spiritualität bei Depression und Angst hilft

 

Warum Menschen durch das Leiden oft spirituell werden

Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Heranwachsens ein Weltbild, eine Weltanschauung, also Vorstellungen darüber, wie die Welt ist und sein soll. Auch wenn es nicht bewusst ist, so wirkt sich dieses persönliche Weltbild mit seinen verschiedenen Aspekten permanent auf das Nervensystem aus, positiv oder negativ, »tragend« oder belastend.

 

Die Anschläge von New York erschütterten beispielsweise weltweit das Urvertrauen und somit das grundsätzliche Sicherheitsempfinden sehr vieler Menschen, denn durch sie wurde innerhalb weniger Augenblicke besonders deutlich, dass diese Welt sehr böse Mächte birgt.

 

In schwierigen Lebenssituationen zeigt sich besonders, ob das persönliche Weltbild stabilisierend oder belastend wirkt. Belastend wirkt es umso eher, je mehr es:

  • Überzeugungen der Bedrohlichkeit und Ohnmacht enthält. Beispiele: »Es gibt keine Aussicht auf Wiedergutmachung. Es wird nie Gerechtigkeit einkehren. Das Böse ist mächtiger als das Gute. Die Stärkeren können tun und lassen was sie wollen …«

  • erhebliche Lücken bzw. offene Fragen aufweist, also fehlende positive Vorstellungen, die jedoch nötig wären, um die Existenz besser zu verstehen und sich sicherer zu fühlen.

 

Spätestens in ernsthaften Lebenskrisen fangen Menschen meistens an, Dinge mehr zu hinterfragen und nach einem tieferen Verstehen des Lebens zu suchen, weil sie durch diese Krisen erkennen, dass die materielle Welt nicht genügt, um eine wirkliche Heilung und Geborgenheit zu erreichen. Und Geborgenheit ist letztlich jenes, was wirklich heilt und wonach der Mensch sucht.

 

Daher schließen sich viele leidende Menschen der Spiritualität auf. Das können viele andere Menschen nicht verstehen, weil sie selbst nie wirklich gelitten haben. Für sie ist dieses Lebensgefühl der Geborgenheit überwiegend selbstverständlich. Sie haben dieses Gefühl nie so weit verloren, dass dadurch ein richtiger Leidenszustand entstanden wäre, eine schreckliche Gefühlsleere, ein quälender Seelenschmerz, eine beklemmende Verlorenheit und Aussichtslosigkeit. Oder aber sie haben gelitten, sind aber nicht auf die spirituelle Suche gegangen. Oder sie sind auf diese Suche gegangen, aber nicht fündig geworden.

 

Gerade auch unter den psychologischen Fachleuten sind viele spirituell orientiert, weil sie aufgrund eigener Lebenserfahrungen und der Wege vieler Klienten wissen, wie wichtig das Spirituelle für leidende Menschen sein kann. Je weniger ein Leidenszustand durch eine gute, reale Lebenssituationen aufgefangen wird, umso eher kann es für betroffene Menschen nötig sein, zumindest eine »jenseitige« Aussicht auf eine Heilung der Welt zu haben.

 

Durch vernünftige Spiritualität erhält man Antworten auf Fragen, um die sich der Großteil der Wissenschaft bis jetzt kaum kümmert oder keine Antworten geben kann, zum Beispiel auf die Frage, warum wir überhaupt existieren, wie es in dieser Welt kommen kann, dass unschuldige Menschen leiden, oder auf die Frage, wie eine wirkliche Heilung möglich ist.

 

Schließlich bietet Spiritualität eine Aussicht darauf, dass das Leben weit über die Möglichkeiten der materiellen Welt und über den körperlichen Tod hinausgehend heil werden kann, egal, was auch immer man auf dieser Welt Schlechtes erfahren hat, was man persönlich falsch gemacht, versäumt und gelitten hat.

 

Spiritualität gibt den Menschen eine Ahnung von einer wohlwollenden, ursprünglichen »Hintergrundwelt«, die weitaus größer und schöner als das Schönste im Irdischen ist, und der man sich bereits als Mensch in irdischer Form öffnen kann. Diese Ahnung hilft, das Heilsame auch im irdischen Leben besser zu sehen und zu spüren. Sie hilft, das Schwierige besser zu überwinden, nicht so sehr am Irdischen zu hängen und leichter zu leben.

Wir suchen uns unsere Freuden und Leiden aus, lange bevor wir sie durchleben.

Khalil Gibran, libanesisch-amerik. Philosoph und Dichter, 1883 - 1931

 

Was Religion, Spiritualität und Esoterik unterscheidet und was sie gemeinsam haben

Heute ist es recht populär, zwischen Religion und Spiritualität zu unterscheiden, weil sich konfessionell und nicht-konfessionell gläubige Menschen voneinander abgrenzen wollen. So wird der Begriff Religion oft gleichbedeutend für die Konfession bzw. konfessionelle Kirche gesehen, während Begriffe wie Spiritualität und Esoterik für verschiedene nicht-konfessionell Gläubige – auch von diesen selbst – verwendet werden.

 

Wer auf diese Unterscheidung Wert legt, wird sich jedoch wundern, wie oft Begriffe wie »spirituell« und »Spiritualität« beispielsweise auf katholischen Internetseiten und generell in konfessioneller Literatur erscheinen, weil Spiritualität auch ein allgemeiner Begriff ist und damit im Grunde dasselbe bedeutet wie »Religiosität«.

Malerei Paradiso aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, Malerei von Gustave Doré.

Beispielsweise meinte auch ein österreichischer Bundespräsident einmal nach seinem Besuch beim Papst, er sei »von der Spiritualität des Papstes beeindruckt« gewesen. Er verwendete Spiritualität – wie es auch andere oft tun und an sich korrekt ist – als allgemeinen Begriff, so wie man auch Religiosität und Religion als allgemeine Begriffe sehen kann.

 

Was die meisten konfessionell und nicht-konfessionell Gläubigen gemeinsam haben, ist schließlich der mehr oder weniger starke Glaube, dass es eine nicht-irdische Existenz gibt, in die der Mensch mit dem körperlichen Tod übergeht (transzendiert).

 

Und was ist mit der Esoterik? Der Begriff Esoterik hat ursprünglich eine völlig andere Bedeutung als heute im deutschsprachigen Raum. Heute wird Esoterik oft nur als anderer Begriff für Gaukelei, Hokuspokus oder Kurpfuscherei verstanden. An sich ist »esoterisch« nur ein anderes Wort für Begriffe wie innerlich, intern, endogen oder intrinsisch, im Gegensatz zu »exoterisch« wie äußerlich, extern, exogen oder extrinsisch. Esoterik bezieht sich ursprünglich auf ein wenig bekanntes (»geheimes«) Wissen über die geistige Natur des Menschen, also auf das Psychische oder Seelische. So gesehen kann man beispielsweise auch Jesus als Esoteriker bezeichnen. Er sprach etwa auch von der »inneren Umkehr«, die man rein worttechnisch auch als »esoterische Umkehr« oder »psychologische Umkehr« bezeichnen könnte. So allgemein betrachtet ist im Grunde auch Psychologie eine wissenschaftliche Form der »Esoterik«, egal ob man hierbei von der Existenz eines Jenseits ausgeht oder nicht.

 

Es kann also Sinn machen, diese Begriffe zu unterscheiden, aber ist es nicht entscheidender, die Natur hinter all diesen Begriffen zu erkennen?

 

3 Formen von Religiosität und Spiritualität

Bild: Jerusalem. Für viele Menschen das spirituelle Zentrum der Welt.

In nicht-konfessionellen Kreisen meinen Menschen oft, sie seien den Konfessionen spirituell voraus. Auch selbst dachte ich dies, als ich begann, mich von der traditionellen Kirche, in der ich aufwuchs, zu distanzieren. Aber später musste ich vermehrt feststellen, dass die Unterschiede zwischen der konfessionellen und freien Spiritualität nicht immer so groß sind, wie manche es meinen möchten. Nur weil man zum Beispiel beim Satsang eines populären Gurus sitzt, heißt das nicht, dass man dort eine wahrhaftigere Spiritualität erfährt, als bei einem weisen Priester in einer traditionellen Kirche. Andererseits kann man bei einem konfessionslosen spirituellen Mentor eventuell mehr über die geistige Dimension lernen, als in so manchen konfessionellen Kirchen.

 

Die folgenden drei Formen von Spiritualität sollen einen Überblick verschaffen und zum Nachdenken anregen, was Spiritualität bedeuten kann. Besonders die ersten beiden Formen können sich in der persönlichen Realität eines Menschen auch überschneiden.

  

Formelle Spiritualität

Hier zeichnet sich das Religiöse vor allem dadurch aus, dass man (eher theoretisch) an das glaubt, was konfessionelle oder sonstige spirituelle Autoritäten sagen. Man geht davon aus, dass formelle Kirchenmitgliedschaften, der theoretische Glaube an kirchliche Lehren und die körperlich-räumliche Teilnahme an entsprechenden Zusammenkünften in die Erlösung bzw. in den Himmel führen. Manche Fachleute sprechen hier von formeller oder extrinsischer Religiosität.

 

Aktivere Spiritualität

Innerhalb dieses Verständnisses von Spiritualität versuchen die betreffenden Menschen, das Spirituelle tiefgründiger zu verstehen und im Alltag zu leben. Spiritualität gilt hier eher als Weg des Lernens und der (persönlichen) Entwicklung. Das Spirituelle will beispielsweise auch emotional tiefer erfahren werden, indem Menschen etwa danach streben, während ihrer irdischen Lebenszeit einen möglichst weitgehenden Wandel bzw. eine spirituelle »Transformation« oder »Erleuchtung« zu erreichen. Fachleute sprechen hier auch von intrinsischer Religiosität.

 

Unbewusste Spiritualität

Menschen wollen zwar bewusst nichts mit spirituellem Gedankengut zu tun haben, glauben (eher) nicht an ein Leben nach dem Tod oder halten spirituelle Vorstellungen für Unsinn, können jedoch von ihrer Lebenswirklichkeit her deshalb als spirituell gesehen werden, weil sie von ihrer Persönlichkeit her spirituelle Werte und Tugenden leben, also etwa Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit, Dankbarkeit, das Streben nach Wahrheit und Weisheit, Gemeinschaft, Treue, Humor, Vergebung und Versöhnlichkeit, Toleranz und Achtung der Natur. Man kann auch sagen, diese Menschen haben von Grund auf eine Herzensvernunft, ein spirituelles Gemüt und einen spirituellen Charakter. Besonders Kinder bezeichnet man beispielsweise oft als »Engel«, weil sie ein engelhaftes Wesen bzw. Gemüt haben. Aber woher kommt dieses Gemüt? Sie haben es nicht von einer Glaubenslehre, sondern aus ihrem »unschuldigen« Wesen, aus ihrer Natur. Viele Menschen bewahren sich dieses Wesen ihr Leben lang und sie leben das Spirituelle damit einfach durch ihre Persönlichkeit, auch wenn sie nicht bewusst an spirituelle Konzepte und Jenseitsvorstellungen glauben.

 

Sogar manch katholische Kirchenführer betonen heute, dass nicht eine Kirchenzugehörigkeit entscheidend ist, sondern die innere und äußere Lebenswirklichkeit des Menschen, sein Gemüt, sein Charakter und der daraus entstehende Umgang mit anderen Menschen und dem Leben.

Es gibt Menschen, die im Sinne Jesu leben und handeln, ohne Mitglied der Kirche zu sein. Entscheidend ist das Verhalten. Ich denke an die vielen, die ohne große Worte dem Nächsten helfen. Da fragt Jesus nicht nach dem Religionsbekenntnis und schaut nur auf die gute Tat.

Christoph Schönborn, österr. kath. Diözesanbischof und Kardinal, geb. 1945[1]

 

Woher kommt spirituelles Wissen?

Welche ist die beste Quelle für spirituelles Wissen? Über alte Schriften wie die Bibel gibt es viel Streit, weil ihre Textstellen viel Spielraum in der Interpretation übrig lassen. Wären diese Texte so eindeutig zu verstehen, wie manche meinen, dann gäbe es nicht so viele Religionen.

 

Schriften wie die Bibel enthalten viel Wahres, aber nicht nur, sondern etwa auch unbrauchbare Meinungen der Schreiber. Was haben beispielsweise Rachelieder in der Bibel zu suchen, wonach es etwa heißt, »Wohl dem, der deine Kinder nimmt und am Felsen zerschmettert.« (Psalm 137,9)? Oder Paulus, wenn er meint, es sei »offensichtlich« gegen die Natur, wenn der Mann lange Haare trägt, denn diese seien nur für Frauen vorgesehen. Paulus lebte zur selben Zeit wie Jesus. Nun ist es aber historisch gewiss, dass er Jesus nie sah, der wiederum meistens mit langen Haaren abgebildet ist. Wenn Jesus wirklich lange Haare hatte und Paulus ihm begegnet wäre, dann hätte Paulus vielleicht nicht diese persönliche Meinung über die Haarpracht der Menschen gehabt. Aus vielen Textstellen dieses überbewerteten Buches kann man mit ein bisschen Vernunft leicht erkennen, dass nicht alles, was darin enthalten ist, das wahrhaftige »Wort Gottes« sein kann, sondern nur persönliche und kulturelle Meinungen oder historische Zeugnisse, wie etwa das oben erwähnte Rachelied vom Psalm 137. Aber auch die wahrhaftigen Teile der Schriften können schwer zu verstehen sein.

 

Echte spirituelle Gurus sind ähnlich wie gute christliche Geistliche und Psychologen: Sie fordern die Suchenden dazu auf, auf ihr Inneres zu hören. Die primäre Quelle für spirituelle Erkenntnis ist daher jeder Mensch selbst. Hier ist es wie mit der Psychologie: Verstehen kann man die Psyche nur durch sich selbst, durch die eigene Gefühlswelt. Daher ist die wahre Selbsterkenntnis auch die Erkenntnis über das Wesen des Menschen generell, und daher meinte Sokrates: »Mensch erkenne dich selbst, dann weißt du alles.«

 

Aber äußere Quellen können uns viel zur inneren Erkenntnis verhelfen. Und hier gibt es neben den Schriften noch eine weitere Quelle: reale Transzendenz-Erfahrungen bzw. Mystik.

 

Bekannte spirituelle Akteure wie beispielsweise Eckhart Tolle, Bert Hellinger, Armin Risi, Neal Donald Walsh, Pascal Voggenhuber oder Anssi Attila haben durchaus auch unterschiedliche Meinungen über das Spirituelle. Sie mögen zwar ihre Heilungen, Sartoris und andere besondere Erlebnisse gehabt haben, aber davon allein kommt nicht automatisch das Wissen über die Psyche oder gar die Jenseitswelt.

 

Die einzig reale, äußere Quelle für spirituelles Wissen sind tiefe transzendente Erfahrungen, von denen es heute vor allem durch Nahtoderfahrungen mehr als genug gibt. Diese sind klar zu unterscheiden von vagen Vermutungen und Träumereien, und sie sind zu einem gewissen Grad auch wissenschaftlich untersuchbar, besonders die Nahtoderfahrungen.

 

Viele Skeptiker verbreiten permanent falsche Behauptungen über diese Phänomene. Sie hatten selbst keine solchen Erfahrungen, beschäftigen sich nicht einmal ordentlich damit und wollen diese Erfahrungen unbedingt so darstellen, als handle es sich dabei nur um Halluzinationen. Sie wollen für alles eine materialistische Erklärung haben und nichts Übersinnliches gelten lassen. Das hat nichts mehr zu tun mit einer gesunden Skepsis und einem wissenschaftlichen Denken. Das ist Fanatismus und Ignoranz.

 

Diese Extrem-Skeptiker kommen mit spekulativen und einseitigen Floskeln über die Welt daher, wonach der Mensch zum Beispiel nur durch »Zufall« entstanden sein soll, ohne höheren Sinn dahinter, oder wonach es »offensichtlich« nur die materielle Welt geben könne, und sie wollen diese Ideen auch noch »eindeutig« als »wissenschaftlich erwiesen« sehen. Sie ignorieren sämtliche Evidenzen der Natur, die auf die nicht-materielle Welt hinweisen, und sie haben keinen Dunst davon, wie wichtig die »jenseitige« Aussicht auf Heilung für leidende Menschen sein kann, weil sie selbst zu wenig Leidenserfahrung haben. Sie suchen ihr scheinbares Heil in einem platten Materialismus, wo sie auch noch meinen, sie könnten selbst Gott spielen.

 

Viele Nahtoderfahrungen beweisen deshalb, dass es eine vom Körper unabhängige »Physik«, geben muss, weil sich die betreffenden Menschen danach oft an Dinge aus anderen Räumen erinnern, wo sie körperlich gar nicht anwesend waren. Sie können oft Gespräche zwischen dem klinischen Personal und ihren Angehörigen detailliert beschreiben, obwohl ihr Körper tief bewusstlos oder sogar klinisch tot in einem anderen Raum lag. Daher ist es falsch, wenn immer wieder behauptet wird, Nahtoderfahrungen seien nur persönliche Berichte, die nichts beweisen könnten. Und es spielt hier auch keine Rolle, dass diese Menschen nicht völlig gestorben sind. In vielen Fällen waren diese Menschen sogar in Vollnarkose. Diese allein genügt schon, um die Wahrnehmung rein über das körperliche Nervensystem völlig auszuschalten.

 

Wenn dann Menschen ausgerechnet in diesen Zuständen die lebendigsten Wahrnehmungen ihres Lebens haben und sich später noch dazu an lokale Details erinnern, die sie rein körperlich gar nicht wahrnehmen konnten, eben wegen der Bewusstlosigkeit oder weil es von der Position des Körpers her gar nicht möglich war, dann sind das deutliche empirische Belege dafür, dass sich das Bewusstsein vom Körper ablösen kann.

 

Insgesamt hat der Großteil der Wissenschaft solche Phänomene noch nie ordentlich erforscht, sondern vielmehr ignoriert, belächelt und bekämpft, und sie ist bei weitem nicht in der Lage, Phänomene wie Nahtoderfahrungen rein körperlich zu begründen.

 

Bei Nahtoderfahrungen handelt es sich um reale Einblicke in die Jenseitswelt, die zwar ihre persönlichen Unterschiede haben, aber immer auch dieselben strukturellen Elemente enthalten. Alle zeugen sie von eine immerwährenden »Jenseitsphysik«, die man systematisch erforschen kann. So wurde vor allem die moderne Medizin indirekt zu einer Quelle spiritueller Inspiration und Aufklärung.

Bewusstsein ist auch ohne funktionierendes Gehirn möglich. Es gibt keine einseitige kausale Beziehung zwischen kortikalen Prozessen und Bewusstsein.

Univ. Doz. Dr. Eckart Ruschmann, Dipl. Psychologe[2]

Wenn man sich mit Transzendenz-Erfahrungen beschäftigt, so wird es möglich, wahre und falsche spirituelle Texte voneinander zu unterscheiden und sich über die wahren Texte bessere Vorstellungen zu machen. So meinen etwa auch christliche Geistliche, nachdem sie selbst eine Nahtoderfahrung hatten, dass ihnen erst durch ihre eigene Nahtod- bzw. Jenseitserfahrung klar wurde, wie das Ganze zu verstehen sei, obwohl sie davor jahrelang Theologie studiert hatten.

 

Auch sonstige Aussagen aus spirituellen Kreisen lassen sich anhand von realen Transzendenz-Erfahrungen besser prüfen. Beispielsweise behaupten viele spirituelle Akteure, im Jenseits gäbe es nur Licht und Liebe oder »kein Leiden«. Nahtoderfahrungen deuten aber eher darauf hin, dass dem keineswegs so ist.

 

Eine populäre Hypothese aus der New-Age-Szene lautet etwa auch, der Mensch sei nicht »gefallen«, sondern würde sich als eine Momentaufnahme Gottes einfach nur neu erkennen wollen. Ja, hier mag etwas dran sein, aber auch dazu meine ich heute, dass uns Transzendenz noch weitaus mehr aufzeigt, um nicht zu solch einseitigen Schlussfolgerungen zu kommen. Viele spirituelle Akteure hinterfragen es viel zu wenig, ob ihre spirituellen Ansichten wirklich korrekt sind.

 

Wer sich vernünftig mit Transzendenz beschäftigt, ist jedenfalls nicht nur »gläubig«, sondern betreibt eine Form der empirischen Naturforschung, bei der es nicht nur um den Tod und das Jenseitige geht, sondern um die ganze Struktur und Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens.

Ich hatte nie das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Nach meiner Nahtoderfahrung weiß ich, was Zuhause ist. Für mich ist Zuhause wirklich die jenseitige Welt, und das hat mich sozusagen etwas versöhnt – weil ich da hingucken durfte – hier mehr anzukommen, in meinem jetzigen, irdischen Zuhause.

Dirk Hirsch über seine Nahtoderfahrung[3]

Quellen

[1] https://religion.orf.at/stories/2938868/

[2] Youtube-Kanal »grenzfragen«, Videobeitrag vom 27.11.2014 »Ruschmann: Weltanschauliche Hintergrundannahmen und Nahtoderfahrung«, https://www.youtube.com/watch?v=RgSGTzB0ghs, min 50:08

[3] Youtube-Kanal »Empirische Jenseitsforschung«, Videobeitrag vom 26.11.2019, »Die Nahtoderfahrung von Herrn Dirk Hirsch«, https://www.youtube.com/watch?v=GXiUcUCYp8M&t=254s 9:32

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