Wie Spiritualität gegen Angst und Depression hilft

 

Inhalt

Warum Menschen durch Angst und Depression oft spirituell werden

 

Wenn sich Menschen nicht schon von Grund auf für Spiritualität interessieren, dann entsteht dieses Interesse oft dann, wenn sie leiden.

 

Dem leidenden Menschen genügen materialistische Anschauungen nicht immer, wonach es etwa heißt, das Leben sei nur Zufall, es habe keinen bestimmten Sinn oder sei mit dem körperlichen Tod wieder zu Ende. Auch weitere gut gemeinte Ideen, wonach man die Endlichkeit des Lebens einfach akzeptieren und das Leben dennoch dankbar annehmen soll, sind dann oft unzureichend.

 

Situationen des Leidens entstehen meistens durch: berufliche Misserfolge, materielle Armut, zwischenmenschliche Enttäuschungen, Einsamkeit, eine Wahrnehmung des Lebens als sinnlos und leer, Ungerechtigkeit und Gewalterfahrungen, schwere eigene Krankheiten, Krankheiten und Todesfälle vertrauter Menschen.

 

Das persönliche Weltbild hat – auch wenn es nicht bewusst ist – einen starken Einfluss darauf, wie gut man solche Situationen überwindet. Dieses persönliche Weltbild bewirkt entweder eher eine Ressource, indem es Klarheit und Zuversicht fördert. Oder es bewirkt eine Belastung. Dies ist umso mehr dann der Fall, je mehr es:

  • Vorstellungen der Bedrohlichkeit und Ohnmacht enthält. Beispiele: »Es gibt keine Aussicht auf Wiedergutmachung. Das Böse ist mächtiger als das Gute. Es wird nie Gerechtigkeit einkehren. Die Stärkeren können tun und lassen was sie wollen …«

  • erhebliche Lücken bzw. offene Fragen aufweist, also fehlende positive Vorstellungen, die jedoch nötig wären, um die Existenz besser zu verstehen und sich sicherer zu fühlen.

 

Vernünftige und positive Spiritualität gibt den Menschen eine greifbare Aussicht darauf, dass – so kitschig es klingt – alles wieder gut wird, egal, was auch immer auf dieser Welt Schlechtes passiert, und egal, was auch immer man persönlich gelitten und versäumt hat.

Wir suchen uns unsere Freuden und Leiden aus, lange bevor wir sie durchleben.

Khalil Gibran, libanesisch-amerik. Philosoph und Dichter, 1883 - 1931

Was Religion, Spiritualität und Esoterik unterscheidet und was sie gemeinsam haben

 

Heute ist es recht populär, zwischen Religion und Spiritualität zu unterscheiden, weil sich konfessionell und nicht-konfessionell gläubige Menschen voneinander abgrenzen wollen. So wird der Begriff Religion oft gleichbedeutend für die Konfession bzw. konfessionelle Kirche gesehen, während Begriffe wie Spiritualität und Esoterik für verschiedene nicht-konfessionell Gläubige – auch von diesen Gläubigen selbst – verwendet werden.

Wer auf diese Unterscheidung Wert legt, wird sich jedoch wundern, wie oft Begriffe wie »spirituell« und »Spiritualität« beispielsweise auf katholischen Internetseiten und generell in konfessioneller Literatur erscheinen, weil Spiritualität auch ein allgemeiner Begriff ist und damit im Grunde dasselbe bedeutet wie »Religiosität«.

»Paradiso« aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, Malerei von Gustave Doré.

 

Beispielsweise meinte auch ein österreichischer Bundespräsident einmal nach seinem Besuch beim Papst, er sei »von der Spiritualität des Papstes beeindruckt« gewesen. Er verwendete Spiritualität – wie es eben auch andere oft tun und an sich korrekt ist – als allgemeinen Begriff, so wie man auch Religiosität und Religion als allgemeine Begriffe sehen kann.

Was die meisten konfessionell und nicht-konfessionell Gläubigen gemeinsam haben, ist schließlich der mehr oder weniger starke Glaube, dass es eine nicht-irdische Existenz gibt, in das der Mensch mit dem körperlichen Tod übergeht (transzendiert).

Und was ist mit der Esoterik? Der Begriff Esoterik hat ursprünglich eine völlig andere Bedeutung als heute im deutschsprachigen Raum. An sich ist »esoterisch« nur ein anderes Wort für Begriffe wie innerlich, intern, endogen oder intrinsisch, im Gegensatz zu »exoterisch« wie äußerlich, extern, exogen oder extrinsisch. Esoterik bezieht sich ursprünglich auf ein wenig bekanntes (»geheimes«) Wissen über die geistige Natur des Menschen, also auf das Psychische oder Seelische. Ganz allgemein gesehen handelt es sich dabei einfach nur darum, dass sich der Mensch seiner Seele und seinem wahren Wesen zuwendet. So sprach etwa auch Jesus von der »inneren Umkehr«, die man rein worttechnisch auch als »esoterische Umkehr« oder »psychologische Umkehr« bezeichnen könnte. So allgemein betrachtet ist im Grunde auch Psychologie eine wissenschaftliche Form der »Esoterik«, egal ob man hierbei von der Existenz eines Jenseits ausgeht oder nicht.

Es kann also Sinn machen, diese Begriffe zu unterscheiden, aber ist es nicht entscheidender, die Natur hinter all diesen Begriffen zu erkennen?

3 Formen von Religiosität und Spiritualität

 

Bild: Jerusalem. Für viele Menschen das spirituelle Zentrum der Welt.

Die folgenden drei Formen von Spiritualität sollen einen Überblick verschaffen und zum Nachdenken anregen, was Spiritualität bedeuten kann. Besonders die ersten beiden Formen können sich in der persönlichen Realität eines Menschen auch überschneiden.

In der »freien Spiritualität« meinen Menschen oft, sie seien den Konfessionen weit voraus. Auch selbst dachte ich dies, als ich begann, mich von der traditionellen Kirche, in der ich aufwuchs, zu distanzieren. Aber später musste ich vermehrt feststellen, dass die Unterschiede zwischen der konfessionellen und freien Spiritualität nicht immer so groß sind, wie manche es meinen möchte. Nur weil man zum Beispiel beim Satsang eines populären Gurus sitzt, heißt das nicht, dass man dort eine wahrhaftigere Spiritualität erfährt, als bei einem weisen Priester in einer traditionellen Kirche. Andererseits kann man bei einem konfessionslosen spirituellen Mentor eventuell mehr über das Christliche lernen, als in so manchen konfessionellen Kirchen.

 

Formelle Spiritualität

Hier zeichnet sich der Glaube vor allem dadurch aus, dass man (eher theoretisch) an das glaubt, was konfessionelle oder sonstige spirituelle Autoritäten sagen. Man geht davon aus, dass formelle Kirchenmitgliedschaften, der theoretische Glaube an spirituelle Lehren und die körperlich-räumliche Teilnahme an entsprechenden Ritualen in die Erlösung bzw. in den Himmel führen. Manche Fachleute sprechen hier von formeller oder extrinsischer Religiosität.

Aktivere Spiritualität

Innerhalb dieses Verständnisses von Spiritualität versuchen die betreffenden Menschen, das Spirituelle tiefgründiger zu verstehen und im Alltag zu leben. Spiritualität gilt hier eher als Weg des Lernens und der (persönlichen) Entwicklung. Das Spirituelle will beispielsweise auch emotional tiefer erfahren werden, indem Menschen etwa danach streben, während ihrer irdischen Lebenszeit einen möglichst weitgehenden Wandel bzw. eine spirituelle »Transformation« oder »Erleuchtung« zu erreichen. Fachleute sprechen hier auch von intrinsischer Religiosität.

Unbewusste Spiritualität

Menschen wollen zwar bewusst nichts mit spirituellem Gedankengut zu tun haben, glauben (eher) nicht an ein Leben nach dem Tod oder halten spirituelle Vorstellungen für Unsinn, können jedoch von ihrer Lebenswirklichkeit her deshalb als spirituell gesehen werden, weil sie von ihrer Persönlichkeit her spirituelle Werte und Tugenden leben, also etwa Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit, Dankbarkeit, das Streben nach Wahrheit und Weisheit, Gemeinschaft, Treue, Humor, Vergebung und Versöhnlichkeit, Toleranz und Achtung der Natur. Man kann auch sagen, diese Menschen haben von Grund auf eine Herzensvernunft, ein spirituelles Gemüt und einen spirituellen Charakter. Besonders Kinder bezeichnet man beispielsweise oft als »Engel«, weil sie ein engelhaftes Wesen bzw. Gemüt haben. Aber woher kommt dieses Gemüt? Sie haben es nicht von einer Glaubenslehre, sondern aus ihrem »unschuldigen« Wesen, aus ihrer Natur, die noch weitgehend frei von einem konditionierten Ego ist. Viele Menschen bewahren sich dieses Wesen ihr Leben lang und sie leben das Spirituelle damit einfach durch ihre Persönlichkeit, auch wenn sie nicht bewusst an spirituelle Konzepte und Jenseitsvorstellungen glauben.

 

Nahtoderfahrungen zeigen beispielsweise, dass eine Kirchenmitgliedschaft nicht entscheidend dafür ist, was Menschen im Jenseits erleben. So haben viele Atheisten direkte Erfahrungen des »Lichts«, während viele von jenen Menschen, die sich aufgrund von kirchlichen Mitgliedschaften für christlich halten, durchaus auch sehr unschöne, »dunkle« Erfahrungen machen.

Sogar manch katholische Kirchenführer betonen heute, dass nicht eine Kirchenzugehörigkeit entscheidend ist, sondern die innere und äußere Lebenswirklichkeit des Menschen, sein Gemüt, sein Charakter und der daraus entstehende Umgang mit anderen Menschen und dem Leben.

Es gibt Menschen, die im Sinne Jesu leben und handeln, ohne Mitglied der Kirche zu sein. Entscheidend ist das Verhalten. Ich denke an die vielen, die ohne große Worte dem Nächsten helfen. Da fragt Jesus nicht nach dem Religionsbekenntnis und schaut nur auf die gute Tat.

Christoph Schönborn, österr. kath. Diözesanbischof und Kardinal, geb. 1945¹

Woher kommt spirituelles Wissen?

Welche ist die beste Quelle für spirituelles Wissen? Die Bibel oder andere spirituelle Schriften? Die Schriften können gut helfen, aber sie stellen uns vor zwei wesentliche Probleme. Erstens: Woher will man wissen, dass eine spirituelle Schrift eine wirkliche »spirituelle Qualität« hat? Was haben beispielsweise Gewaltpassagen in der Bibel zu suchen, wonach es heißt, Kinder sollen »an den Felsen zerschmettert« werden? Und zweitens: Auch die wahrhaftigen Teile der Schriften sind schwer zu verstehen. Sie lassen viel Interpretationsspielraum übrig, deshalb gibt es so viele verschiedene Religionen mit unterschiedlichen religiösen Ansichten.

 

Schriften wie die Bibel enthalten viel Wahres, aber nicht nur, sondern etwa auch unbrauchbare Meinungen der Schreiber, so etwa von Paulus, wenn er meint, es sei »offensichtlich« gegen die Natur, wenn der Mann lange Haare trägt, denn diese seien nur für Frauen vorgesehen. Paulus lebte zur selben Zeit wie Jesus. Nun ist es aber historisch gewiss, dass er Jesus nie begegnete, der wiederum meistens mit langen Haaren abgebildet ist. Wenn Jesus wirklich lange Haare hatte und Paulus ihm begegnet wäre, dann hätte Paulus vielleicht nicht diese persönliche Meinung über die Haarpracht der Menschen gehabt. Dieses Beispiel ist nur eines von sehr vielen, die uns zeigen, dass nicht alles, was in der Bibel steht, das wahrhaftige »Wort Gottes« ist.

 

Echte spirituelle Gurus sind ähnlich wie gute christliche Geistliche: Sie fordern die Suchenden dazu auf, auf ihre »innere Stimme« zu hören, auf das Gewissen, auf das »reine Herz« oder den »inneren Gott«. Die primäre Quelle für spirituelle Erkenntnis ist daher jeder Mensch selbst. Hier ist es wie mit der Psychologie: Verstehen kann man die Psyche nur durch sich selbst, durch die eigene Gefühlswelt. Daher ist die wahre Selbsterkenntnis auch die Erkenntnis über das Wesen des Menschen generell, und daher meinte Sokrates: »Mensch erkenne dich selbst, dann weißt du alles.«

 

Aber äußere Quellen können uns viel zur inneren Erkenntnis verhelfen. Und hier gibt es neben den Schriften noch eine weitere und aus meiner Sicht auch bessere Quelle: reale Transzendenz-Erfahrungen bzw. Mystik.

 

Bekannte spirituelle Akteure wie beispielsweise Eckhart Tolle, Bert Hellinger, Armin Risi, Neal Donald Walsh, Pascal Voggenhuber oder Anssi Attila haben durchaus auch unterschiedliche Meinungen über das Spirituelle. Sie mögen zwar ihre Heilungen, Sartoris und andere besondere Erlebnisse gehabt haben, aber davon allein kommt nicht automatisch das totale Wissen über die Psyche oder gar die Jenseitswelt.

 

Die einzig reale, äußere Quelle für spirituelles Wissen sind tiefe transzendente Erfahrungen, von denen es heute vor allem durch Nahtoderfahrungen mehr als genug gibt. Hierbei handelt es sich um reale Einblicke in die Jenseitswelt, die zwar ihre persönlichen Unterschiede haben, aber immer auch dieselben strukturellen Elemente enthalten. Alle zeugen sie von eine immerwährenden »Jenseitsphysik«, die man systematisch erforschen kann. So wurde vor allem die moderne Medizin indirekt zu einer Quelle spiritueller Inspiration und Aufklärung.

Bewusstsein ist auch ohne funktionierendes Gehirn möglich. Es gibt keine einseitige kausale Beziehung zwischen kortikalen Prozessen und Bewusstsein.

Univ. Doz. Dr. Eckart Ruschmann, Dipl. Psychologe²

 

Wenn man sich mit Transzendenz-Erfahrungen beschäftigt, so wird es möglich, wahre und falsche spirituelle Texte voneinander zu unterscheiden und sich über die wahren Texte bessere Vorstellungen zu machen. So meinen etwa auch christliche Geistliche, nachdem sie selbst eine Nahtoderfahrung hatten, dass ihnen erst durch ihre eigene Nahtod- bzw. Jenseitserfahrung klar wurde, wie das Ganze zu verstehen sei, obwohl sie davor jahrelang Theologie studiert hatten. Beispielsweise behaupten viele spirituelle Akteure, im Jenseits gäbe es nur Licht und Liebe oder »kein Leiden«. Nahtoderfahrungen deuten aber eher darauf hin, dass dem keineswegs so ist.

 

Eine populäre Hypothese aus der New-Age-Szene lautet etwa auch, der Mensch sei nicht »gefallen«, sondern würde sich als eine Momentaufnahme Gottes einfach nur neu erkennen wollen. Ja, hier mag etwas dran sein, aber auch dazu meine ich heute, dass uns Transzendenz noch weitaus mehr aufzeigt, um nicht zu solch einseitigen Schlussfolgerungen zu kommen. Viele spirituelle Akteure hinterfragen es viel zu wenig, ob ihre spirituellen Ansichten wirklich korrekt sind.

 

Wer sich vernünftig mit Transzendenz beschäftigt, ist jedenfalls nicht nur »gläubig«, sondern betreibt eine Form der empirischen Naturforschung, bei der es nicht nur um den Tod und das Jenseitige geht, sondern um die ganze Struktur und Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens.

Ich hatte nie das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Nach meiner Nahtoderfahrung weiß ich, was Zuhause ist. Für mich ist Zuhause wirklich die jenseitige Welt, und das hat mich sozusagen etwas versöhnt – weil ich da hingucken durfte – hier mehr anzukommen, in meinem jetzigen, irdischen Zuhause.

Dirk Hirsch über seine Nahtoderfahrung³

Wie hilft nun Spiritualität konkret gegen Angst und Depression?

Erstens: Welt und Mensch besser verstehen

 

Besonders in spirituellen Kreisen heißt es oft, der Verstand sei der größte Feind des Menschen und dieser Verstand wird oft mit dem »Ego« gleichgesetzt. Aber das ist etwa so, als würde man sagen, das Betriebssystem sei der größte Feind eines Computers.

 

Was man hier oft als »Verstand« bezeichnet, ist genau genommen die negativ konditionierte Wahrnehmung. Auch Eckhart Tolle, einer der Stars in der spirituellen Szene, spricht davon, wie wichtig das Verstehen sei, um sich vom Leiden zu befreien. Also kann der Verstand an sich nicht so schlecht sein, wie es oft dargestellt wird.

Foto: Malerei von Arthur Rackham, »The Paradise of Children«

Ein höheres Verstehen ist nur ein anderer Begriff für höheres Bewusstsein. Mit dem Verstand hat man die Möglichkeit, aus der »Kleinlichkeit« und Einseitigkeit des üblichen menschlichen Denkens herauszutreten und stattdessen übergeordnete bzw. »höhere« Sichtweisen einzugehen. Auch die Weisheit, von der in spirituellen Kreisen oft die Rede ist, ist eine Form des Verstehens.

Das Leben besteht nicht nur aus der Liebe als den spirituellen »Stoff«, der den Menschen von innen her erfüll. Es hat auch eine technische Komponente, eine formelle bzw. formgebende. Form und Inhalt gehören zusammen und ergänzen sich wechselseitig. Von der Liebe allein zum Beispiel wird man nicht satt, man muss auch Nahrung besorgen, diese zubereiten und essen.

 

Der Verstand hilft auch, emotionale und spirituelle Klarheit zu bekommen, so spricht man etwa auch von emotionaler Vernunft oder emotionaler Intelligenz. Gefühle und Emotionen sind nicht nur da zum Spüren, sie haben auch einen lebenspraktischen Sinn, daher ist es für ein höheres Bewusstsein und ein besseres Leben wichtig, das Emotionale des Menschen innerlich und dadurch auch das menschliche Verhalten besser zu begreifen, denn alles menschliche Verhalten wird von den Gefühlen und Emotionen angetrieben. Wir streben permanent danach, Wohlempfinden bzw. Erfüllung zu erreichen und Leiden zu verhindern, auch wenn dieses Streben nicht bewusst ist.

 

Die Beschäftigung mit guten spirituellen Quellen, die auf wahrer Transzendenz basieren, kann sehr helfen, Lebensweisheit und Klarheit über die menschliche Existenz zu entwickeln, und damit auch die Fähigkeit fördern, sich innerlich besser für heilsame Gefühlszustände der »Liebe« zu öffnen.

 

Positive und vernünftige Spiritualität bietet uns auch greifbare Ahnungen davon, dass die Welt einen guten Kern enthält, einen wohlwollenden Ursprung, der uns ständig »trägt« und leitet, wenn man sich ihm öffnet. Einen Ursprung voller Geborgenheit, wo Dinge wie Ungerechtigkeit, Egoismus, Leistungswahn und Gewalt nicht existieren. Eine Heimstätte, in der die Schäden ausgeglichen (»gesühnt«) werden und »alles neu« wird. Ich erachte mich selbst nicht als »bibeltreu«, aber viele Nahtoderfahrungen bestätigen zahlreiche Aussagen der Bibel, so etwa auch jene in Offenbarung 21-5: »Siehe, ich mache alles neu!«. Wir Menschen können diese ersehnte Erneuerung nicht allein herstellen, aber wir können uns den entsprechenden Kräften öffnen.

Zweitens: Das Heilsame im Leben erkennen

 

So wie etwa viele Gurus den Menschen weismachen wollen, man müsse ewig meditieren, um zur Erleuchtung zu gelangen, reden viele Geistliche den Menschen ein, nur die Konfession würde in die Erlösung führen. Der Mensch neigt heute noch sehr dazu, »Absolutheiten« aus seinen Dingen zu machen – aus den Dingen, mit denen er sich stark identifiziert, und das tut er meistens aus einem Mangel daran, dass er jenes, was besser und wahrhaftiger ist, momentan nicht sieht.

 

Ja, Meditationen verschiedener Art können, ebenso wie speziellere spirituelle Übungen, sehr helfen, ruhiger zu werden und das Bewusstsein für das »Höhere« zu öffnen. Aber der Lebensalltag selbst ist wichtigste Raum der Heilung. So weiß auch jeder gute Psychotherapeut: Die Heilung eines psychisch leidenden Menschen erfolgt weniger in den Sitzungen, sondern im Lebensalltag. Die Sitzungen sind nur Impulsgeber für einen eigenverantwortlichen Lebenswandel des betreffenden Menschen.

Es ist eigentlich sehr klug vom Universum eingerichtet: Einem Menschen geht es nur gut, wenn er andere Menschen, sich selbst und auch materielle Dinge des Lebens »liebt«, zum Beispiel die Natur, die Wohnung und all die Dinge, die dem Leben dienen.

 

Hier geht es nicht um Kitsch, Personenkult und Luxussucht, sondern um herzöffnende und beruhigende Haltungen wie Bejahung, Zufriedenheit, Geduld, Dankbarkeit, Wertschätzung, Wohlwollen, Hilfsbereitschaft und Versöhnlichkeit. Krankmachende Gegenteile davon sind Widerstand, Kampf, Abwertung, Egoismus, Konkurrenz, Ungeduld, Zwanghaftigkeit. Manchmal sind auch solche Zustände sinnvoll im Leben. Zum Beispiel ist der Ärger nicht immer schlecht. Wenn etwas wirklich schlecht ist, dann macht es auch Sinn, sich darüber zu ärgern und etwas dagegen zu tun. Aber es ist auch wichtig, wieder loszulassen.

 

Wenn es heißt, wir sollten »werden wie die Kinder, sonst …«, dann ist das keine plumpe Drohung, sondern ein Hinweis darauf, dass der Mensch sich selbst von seinem Glück und seiner Heilung abhält, wenn er sein konditioniertes Ego nicht ablegt. Durch das Ego behindert sich das Mensch unbewusst selbst daran, sich dem Heilsamen oder dem »Heiligen« des Lebens zu öffnen.

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Weitere Zitate

Als ich begriffen habe, verzieh ich mir alle meine Handlungen, und während des Aktes der Vergebung empfing ich Liebe im Überfluss.

Laurelynn Martin über ihre Jenseitserfahrung [4]

Es gibt aber auch Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.

Ludwig Wittgenstein, österr. Philosoph, 1889 – 1951

Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.

Edith Stein, heiliggesprochene dt. Philosophin, 1891 - 1942

An dem Tag, an dem die Wissenschaft beginnt, die nicht-physischen Phänomene zu studieren, wird es mehr Fortschritte in einem Jahrzehnt geben als in allen vergangenen Jahrhunderten ihrer Existenz.

Nikola Tesla, Pionier der Elektrotechnik, 1856 – 1943

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph u. Hochschullehrer, 1788 – 1860

Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen.

Buddha, 6./5. Jhdt. v. Chr.

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Matthäus, 5-9

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen; dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Psalm 91, Vers 11 und 12

Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten.

Psalm 82 – 6

Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe.

Christian Morgenstern, deutscher Schriftsteller, 1871 – 1914

Es ist eine weitverbreitete Meinung, das objektive, materielle Weltbild der Naturwissenschaften und die mystisch-religiöse Welterfahrung würden sich widersprechen. Das Gegenteil ist wahr. Sie ergänzen sich zu einer umfassenden Einsicht in ein und dieselbe geistig-materielle Wirklichkeit.

Albert Hofmann, schweiz. Chemiker und Autor, 1906 - 2008

Quellen

¹ https://religion.orf.at/stories/2938868/

² https://www.youtube.com/watch?v=RgSGTzB0ghs, min 50:08

³ https://www.youtube.com/watch?v=GXiUcUCYp8M&t=254s 6:38 und 9:32

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