Wie Spiritualität gegen Angst und Depression hilft

 

Inhalt

Warum Menschen durch Angst und Depression oft spirituell werden

 

Wenn sich ein Mensch nicht schon von Grund auf für Spiritualität interessiert, dann neigt er besonders dann dazu, sich dem Spirituellen aufzuschließen, wenn er leidet. Denn das Leiden ist etwas, worauf die heutigen Wissenschaften in der westlichen Welt keine ausreichenden Antworten haben, schon gar nicht, wenn dieses Leiden durch Ungerechtigkeit und Gewalt entstanden ist.

 

Dem leidenden Menschen genügen materialistische Anschauungen nicht immer, wonach es etwa heißt, das Leben sei nur Zufall, es habe keinen bestimmten Sinn und sei mit dem körperlichen Tod wieder zu Ende. Auch weitere gut gemeinte Ideen, wonach man die Endlichkeit des Lebens einfach akzeptieren und das Leben dennoch dankbar annehmen soll, sind dann oft unzureichend.

 

Situationen von Leiden und Ohnmacht entstehen meistens durch: starke Überforderung, berufliche Misserfolge, materielle Armut, zwischenmenschliche Enttäuschungen, Einsamkeit, eine Wahrnehmung des Lebens als sinnlos und leer, Ungerechtigkeit und Gewalterfahrungen, schwere eigene Krankheiten, Krankheiten und Todesfälle vertrauter Menschen.

Das persönliche Weltbild kann auch unbewusst eine erhebliche Wirkung auf die Nerven haben. Es bewirkt – sowohl generell als auch in persönlichen Leidenssituationen – entweder eher eine Ressource, indem es Klarheit und Halt fördert. Oder es bewirkt eine Belastung. Dies ist umso mehr dann der Fall, je mehr es:

  • Vorstellungen der Bedrohlichkeit und Ohnmacht enthält. Beispiele: »Das Böse ist mächtiger als das Gute. Es wird nie Gerechtigkeit einkehren. Die Stärkeren können tun und lassen was sie wollen …«

  • erhebliche Lücken bzw. offene Fragen aufweist, also fehlende positive Vorstellungen, die jedoch nötig wären, um die Existenz besser zu verstehen und sich sicherer zu fühlen.

 

Daher ist es lebensfremd, wenn manche psychologischen Fachkräfte heute meinen, Spiritualität dürfe bei professioneller psychischer Hilfe keine Rolle spielen. Es ist die Situation der Hilfesuchenden selbst, die darüber bestimmen soll, ob eine psychische Hilfe spirituell orientiert sein soll oder nicht. Ein psychischer Helfer ist jedenfalls nicht missionarisch, nur weil er das Spirituelle als Ressource zwanglos anbietet oder auf Wunsch des Klienten in die Hilfe integriert, sondern nur dann, wenn er einem hilfesuchenden Menschen etwas aufzwingt. Was hier oft als »missionarisch« bezeichnet wird, entsteht nicht aus dem Inhalt, sondern daraus, ob man aufdringlich ist.

Wir suchen uns unsere Freuden und Leiden aus, lange bevor wir sie durchleben.

Khalil Gibran, libanesisch-amerik. Philosoph und Dichter, 1883 - 1931

Was Religion, Spiritualität und Esoterik unterscheidet und was sie gemeinsam haben

 

Die Unterscheidung zwischen Religion und Spiritualität ist heute recht populär geworden, weil sich konfessionell und nicht-konfessionell gläubige Menschen voneinander abgrenzen wollen. So wird der Begriff Religion oft gleichbedeutend für die Konfession bzw. konfessionelle Kirche gesehen, während Begriffe wie Spiritualität und Esoterik für verschiedene nicht-konfessionell Gläubige – auch von diesen Gläubigen selbst – verwendet werden.

Wer auf diese Unterscheidung Wert legt, wird sich jedoch wundern, wie oft Begriffe wie »spirituell« und »Spiritualität« beispielsweise auf katholischen Internetseiten und generell in konfessioneller Literatur erscheinen, weil Spiritualität auch ein allgemeiner Begriff ist und damit im Grunde dasselbe bedeutet wie »Religiosität«.

»Paradiso« aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, Malerei von Gustave Doré.

 

Beispielsweise meinte auch ein österreichischer Bundespräsident einmal nach seinem Besuch beim Papst, er sei »von der Spiritualität des Papstes beeindruckt« gewesen. Er verwendete Spiritualität – wie es eben auch andere oft tun und an sich korrekt ist – als allgemeinen Begriff, so wie man auch Religiosität und Religion als allgemeine Begriffe sehen kann.

Das Gemeinsame unter den meisten konfessionell und nicht-konfessionell Gläubigen ist schließlich der mehr oder weniger starke Glaube, dass es eine nicht-irdische Existenz gibt und die Welt von der Ursache her nicht vom Materiellen, sondern vom sogenannten Geistigen her entsteht, in das der Mensch mit dem körperlichen Tod übergeht (transzendiert).

Und was ist mit der Esoterik? Der Begriff Esoterik hat ursprünglich eine völlig andere Bedeutung als heute im deutschsprachigen Raum. An sich ist »esoterisch« nur ein anderes Wort für Begriffe wie innerlich, intern, endogen oder intrinsisch, im Gegensatz zu »exoterisch« wie äußerlich, extern, exogen oder extrinsisch. Esoterik bezieht sich ursprünglich auf ein wenig bekanntes (»geheimes«) Wissen über die geistige Natur des Menschen, also auf das Psychische oder Seelische. So sprach etwa auch Jesus von der »inneren Umkehr«, die man rein worttechnisch auch als »esoterische Umkehr« oder »psychologische Umkehr« bezeichnen könnte. So allgemein betrachtet ist im Grunde auch Psychologie eine wissenschaftliche Form der »Esoterik«, egal ob man hierbei von der Existenz eines Jenseits ausgeht oder nicht.

 

Es kann also Sinn machen, diese Begriffe zu unterscheiden, aber ist es nicht entscheidender, die Natur hinter all diesen Begriffen zu erkennen?

3 Formen von Religiosität und Spiritualität

 

Bild: Jerusalem. Für viele Menschen das spirituelle Zentrum der Welt.

Die folgenden drei Formen von Spiritualität sollen einen Überblick verschaffen und zum Nachdenken anregen, was Spiritualität bedeuten kann. Besonders die ersten beiden Formen können sich in der persönlichen Realität eines Menschen auch überschneiden.

 

Formelle Spiritualität

Hier zeichnet sich der Glaube vor allem dadurch aus, dass man (eher theoretisch) an das glaubt, was konfessionelle oder sonstige spirituelle Autoritäten sagen. Man geht davon aus, dass formelle Kirchenmitgliedschaften, der theoretische Glaube an spirituelle Lehren und die körperlich-räumliche Teilnahme an entsprechenden Ritualen in die Erlösung bzw. in den Himmel führen. Manche Fachleute sprechen hier von formeller oder extrinsischer Religiosität.

 

In der »freien Spiritualität« meinen Menschen oft, sie seien den Konfessionen weit voraus. Auch selbst dachte ich dies, als ich begann, mich von meiner traditionellen Kirche zu distanzieren. Aber später musste ich vermehrt feststellen, dass die Unterschiede zwischen der konfessionellen und freien Spiritualität nicht immer so groß sind, wie man es meinen möchte. Nur weil man beim Satsang eines populären Gurus sitzt, heißt das nicht, dass man dort eine wahrhaftigere Spiritualität erfährt als bei einem weisen Priester in einer traditionellen Kirche.

Aktivere Spiritualität

Innerhalb dieses Verständnisses von Spiritualität versuchen die betreffenden Menschen, das Spirituelle tiefgründiger zu verstehen und im Alltag zu leben. Spiritualität gilt hier eher als Weg der persönlichen Entwicklung. Das Spirituelle will beispielsweise auch emotional tiefer erfahren werden, indem Menschen etwa danach streben, während ihrer irdischen Lebenszeit einen möglichst weitgehenden Wandel bzw. eine spirituelle »Transformation« oder »Erleuchtung« zu erreichen. Fachleute sprechen hier auch von intrinsischer Religiosität.

 

Unbewusste Spiritualität

Menschen wollen zwar bewusst nichts mit spirituellem Gedankengut zu tun haben, glauben (eher) nicht an ein Leben nach dem Tod oder halten spirituelle Vorstellungen für Unsinn, können jedoch von ihrer Lebenswirklichkeit her deshalb als spirituell gesehen werden, weil sie von ihrer Persönlichkeit her spirituelle Werte und Tugenden leben, also etwa Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit, Dankbarkeit, das Streben nach Wahrheit und Weisheit, Gemeinschaft, Treue, Humor, Vergebung und Versöhnlichkeit, Toleranz und Achtung der Natur. Man kann auch sagen, diese Menschen haben von Grund auf eine Herzensvernunft, ein spirituelles Gemüt und einen spirituellen Charakter. Besonders Kinder bezeichnet man beispielsweise oft als »Engel«, weil sie ein engelhaftes Wesen bzw. Gemüt haben. Aber woher kommt dieses Gemüt? Sie haben es nicht von einer Glaubenslehre, sondern aus ihrem »unschuldigen« Wesen, aus ihrer Natur, die noch weitgehend frei von einem konditionierten Ego ist. Viele Menschen bewahren sich dieses Wesen ihr Leben lang und sie leben das Spirituelle damit einfach durch ihre Persönlichkeit, auch wenn sie bewusst nicht an spirituelle Konzepte und Jenseitsvorstellungen glauben.

 

Sogar manch katholische Kirchenführer betonen heute, dass nicht eine Kirchenzugehörigkeit entscheidend ist, sondern die innere und äußere Lebenswirklichkeit des Menschen, sein Gemüt, sein Charakter und der daraus entstehende Umgang mit anderen Menschen und dem Leben generell.

Es gibt Menschen, die im Sinne Jesu leben und handeln, ohne Mitglied der Kirche zu sein. Entscheidend ist das Verhalten. Ich denke an die vielen, die ohne große Worte dem Nächsten helfen. Da fragt Jesus nicht nach dem Religionsbekenntnis und schaut nur auf die gute Tat.

Christoph Schönborn, österr. kath. Diözesanbischof und Kardinal, geb. 1945¹

Woher kommt spirituelles Wissen?

Welche ist die beste Quelle für spirituelles Wissen? Die Bibel oder andere spirituelle Schriften? Die Schriften stellen uns vor zwei wesentliche Probleme. Erstens: Woher will man wissen, dass eine spirituelle Schrift eine wirkliche »spirituelle Qualität« hat? Was haben beispielsweise Gewaltpassagen in der Bibel zu suchen, wonach es heißt, Kinder sollen »an den Felsen zerschmettert« werden? Und zweitens: Auch die wahrhaftigen Teile der Schriften sind schwer zu verstehen. Sie lassen viel Interpretationsspielraum übrig. Das erklärt, warum es auf der Welt so viele verschiedene Religionen gibt.

 

Schriften wie die Bibel enthalten viel Wahres, aber nicht nur, sondern etwa auch unbrauchbare Meinungen der Schreiber, so etwa von Paulus, wenn er meint, es sei »offensichtlich« gegen die Natur, wenn der Mann lange Haare trägt, denn diese seien nur für Frauen vorgesehen. Er lebte zur selben Zeit wie Jesus, es ist aber historisch gewiss, dass er Jesus nie begegnete, der meistens mit langen Haaren abgebildet ist. Wenn Jesus wirklich lange Haare hatte und Paulus ihm begegnet wäre, dann hätte letzterer vielleicht eine andere Meinung geäußert.

 

Echte Gurus sind ähnlich wie gute christliche Geistliche. Sie fordern die Suchenden permanent dazu auf, auf ihre »innere Stimme« zu hören, auf das Gewissen, auf das »reine Herz« oder den »inneren Gott«. Die primäre Quelle für spirituelle Erkenntnis ist daher jeder Mensch selbst. Hier ist es wie mit der Psychologie: Verstehen kann man die Psyche nur durch sich selbst, durch die eigene Gefühlswelt. Daher ist die wahre Selbsterkenntnis auch die Erkenntnis über das Wesen des Menschen generell, und daher meinte Sokrates: »Mensch erkenne dich selbst, dann weißt du alles.«

 

Aber äußere Quellen können uns viel zur inneren Erkenntnis verhelfen. Und hier gibt es neben den Schriften noch eine weitere und aus meiner Sicht auch bessere Quelle: reale Transzendenz-Erfahrungen bzw. Mystik.

 

Bekannte spirituelle Akteure wie beispielsweise Eckhart Tolle, Bert Hellinger, Armin Risi, Neal Donald Walsh, Pascal Voggenhuber oder Anssi Attila haben durchaus auch unterschiedliche Meinungen über das Spirituelle. Sie mögen zwar ihre Heilungen, Sartoris und andere besondere Erlebnisse gehabt haben, aber davon allein kommt nicht automatisch das totale Wissen über die Psyche oder gar die Jenseitswelt.

Die einzig reale, äußere Quelle für spirituelles Wissen sind tiefe transzendente Erfahrungen, von denen es heute vor allem durch Nahtoderfahrungen mehr als genug gibt. Hierbei handelt es sich um reale Einblicke in die Jenseitswelt, die zwar ihre persönlichen Unterschiede haben, aber immer auch dieselben strukturellen Elemente enthalten. Alle zeugen sie von eine immerwährenden Jenseitsphysik, die man systematisch erforschen kann. So wurde vor allem die moderne Medizin indirekt zu einer Quelle spiritueller Inspiration und Aufklärung. Wer hätte das je gedacht?

Bewusstsein ist auch ohne funktionierendes Gehirn möglich. Es gibt keine einseitige kausale Beziehung zwischen kortikalen Prozessen und Bewusstsein.

Univ. Doz. Dr. Eckart Ruschmann, Dipl. Psychologe²

 

Wenn man sich mit Transzendenz-Erfahrungen nicht beschäftigt, dann ist es schwer möglich, sich passende Vorstellungen zu den Aussagen der spirituellen Schriften zu machen, daher haben besonders die bibeltreuen Menschen oft viel Streit über Bibelauslegungen. Mit der Hilfe von realer Transzendenz wird es besser möglich, den Wahrheitsgehalt von spirituellen Schriften und Guru-Behauptungen zu überprüfen und passendere Vorstellungen über die das Psychische und Spirituelle zu bekommen. Beispielsweise behaupten viele spirituelle Akteure, im Jenseits gäbe es nur Licht und Liebe oder »kein Leiden«. Nahtoderfahrungen deuten aber eher darauf hin, dass dem keineswegs so ist.

 

Eine populäre Hypothese aus der New-Age-Szene lautet etwa auch, der Mensch sei nicht »gefallen«, sondern würde sich als eine Momentaufnahme Gottes neu erkennen wollen. Ja, hier mag etwas dran sein, aber auch dazu meine ich heute, dass uns Transzendenz noch weitaus mehr aufzeigt, um zu solch einseitigen Schlussfolgerungen zu kommen. Viele spirituelle Akteure hinterfragen es zu wenig, ob ihre spirituellen Ansichten wirklich korrekt sind.

 

Wer sich vernünftig mit Transzendenz beschäftigt, ist jedenfalls nicht nur »gläubig«, sondern betreibt eine Form der empirischen Naturforschung, bei der es nicht nur um den Tod und das Jenseitige geht, sondern um die ganze Struktur und Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens.

Ich hatte nie das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Nach meiner Nahtoderfahrung weiß ich, was Zuhause ist. Für mich ist Zuhause wirklich die jenseitige Welt, und das hat mich sozusagen etwas versöhnt – weil ich da hingucken durfte – hier mehr anzukommen, in meinem jetzigen, irdischen Zuhause.

Dirk Hirsch über seine Nahtoderfahrung³

Wie hilft nun Spiritualität konkret gegen Angst und Depression?

Erstens: Welt und Mensch besser verstehen

 

Besonders in spirituellen Kreisen heißt es oft, der Verstand sei der größte Feind des Menschen und dieser Verstand wird oft mit dem »Ego« gleichgesetzt. Aber das ist etwa so, als würde man behaupten, das Betriebssystem sei der größte Feind eines Computers. Nicht der Verstand an sich bringt ein leidvolles Ego hervor, sondern der negativ konditionierte Verstand bzw. die negativ konditionierte Psyche. Auch Eckhart Tolle, einer der Stars in der spirituellen Szene, spricht davon, wie wichtig das Verstehen sei, um sich vom Leiden zu befreien. Also kann der Verstand an sich nicht so schlecht sein, wie es oft dargestellt wird.

Ein höheres Verstehen ist nur ein anderer Begriff für höheres Bewusstsein. Mit dem Verstand hat man die Möglichkeit, aus der »Kleinlichkeit« des üblichen menschlichen Denkens herauszutreten und stattdessen übergeordnete bzw. »höhere« Sichtweisen einzugehen. Auch die Weisheit ist eine Form des Verstehens. Man kann sie als verstandesmäßige Steuerungsinstanz für das Leben sehen.

Foto: Malerei von Arthur Rackham, »The Paradise of Children«

Wenn Ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, dann werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Jesus, Matthäus 18

Das Leben besteht nicht nur aus der Liebe als die erfüllende inhaltliche Komponente, es hat auch eine technische Komponente, eine formelle bzw. formgebende. Form und Inhalt gehören zusammen und ergänzen sich wechselseitig. Von der Liebe allein zum Beispiel wird man nicht satt, man muss auch Nahrung besorgen, diese zubereiten und essen. Durch die Liebe wird die technische Seite des Lebens freud- und sinnvoll.

 

Der Verstand hilft auch, emotionale und spirituelle Klarheit zu bekommen, so spricht man etwa auch von emotionaler Vernunft oder emotionaler Intelligenz. Gefühle und Emotionen sind nicht nur da zum Spüren, sie haben auch einen lebenspraktischen Sinn, daher ist es für ein höheres Bewusstsein und ein besseres Leben wichtig, das Emotionale des Menschen innerlich und dadurch auch das menschliche Verhalten besser zu begreifen, denn alles menschliche Verhalten wird von den Gefühlen und Emotionen angetrieben. Wir streben permanent danach, Wohlempfinden bzw. Erfüllung zu erreichen und Leiden zu verhindern, auch wenn dieses Streben nicht bewusst ist.

 

Die Beschäftigung mit guten spirituellen Quellen, die auf wahrer Transzendenz basieren, kann sehr helfen, Lebensweisheit und Klarheit über die menschliche Existenz zu entwickeln, und damit auch die Fähigkeit fördern, sich innerlich besser für heilsame Gefühlszustände der »Liebe« zu öffnen.

 

Positive und vernünftige Spiritualität bietet uns greifbare Ahnungen davon, dass die Welt einen guten Kern enthält, einen wohlwollenden Ursprung, der uns ständig »trägt« und leitet, wenn man sich ihm öffnet. Einen Ursprung voller Geborgenheit, wo Dinge wie Ungerechtigkeit, Egoismus, Leistungswahn und Gewalt nicht existieren. Eine Heimstätte, in der die Schäden ausgeglichen (»gesühnt«) werden und »alles neu« wird. Ich erachte mich selbst nicht als »bibeltreu«, aber viele Nahtoderfahrungen bestätigen zahlreiche Aussagen der Bibel, so etwa auch jene in Offenbarung 21-5: »Siehe, ich mache alles neu!«. Wir Menschen können diese ersehnte Erneuerung nicht allein herstellen, aber wir können uns den entsprechenden Kräften öffnen.

Zweitens: Das Gute und Schöne in menschlichen Begegnung finden

 

Viele Gurus wollen uns weis machen, man müsse ewig meditieren, um zur Erleuchtung zu gelangen. Ja, Meditationen verschiedener Art können, ebenso wie speziellere spirituelle Übungen, sehr helfen, ruhiger zu werden und das Bewusstsein für das »Höhere« zu öffnen.

 

Aber dieses Höhere oder das »Heilige« ist permanent in uns vorhanden und wird vor allem durch die eigene Haltung zum Leben, insbesondere zu anderen Menschen, zu sich selbst aber auch zu den materiellen Dingen spürbar. Es ist eigentlich sehr klug vom Universum eingerichtet: Einem Menschen geht es nur gut, wenn er andere Menschen, sich selbst und auch materielle Dinge des Lebens »liebt«, zum Beispiel die Natur, die Wohnung und all die Dinge, die dem Leben dienen.

 

Hier geht es nicht um Kitsch, Personenkult und Luxussucht, sondern um herzöffnende und beruhigende Haltungen wie Bejahung, Zufriedenheit, Geduld, Dankbarkeit, Wertschätzung, Wohlwollen, Hilfsbereitschaft und Versöhnlichkeit. Stressvolle Gegenteile davon sind Widerstand, Kampf, Abwertung, Egoismus, Konkurrenz, Ungeduld, Zwanghaftigkeit.

 

Wenn es heißt, wir sollten »werden wie die Kinder, sonst …«, dann ist das keine plumpe Drohung, sondern ein Hinweis darauf, dass der Mensch sich selbst von seinem Glück und seiner Heilung abhält, wenn er sein konditioniertes Ego nicht ablegt. Durch das Ego behindert sich das Mensch unbewusst selbst daran, sich der »Heiligkeit« des Lebens zu öffnen.

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Weitere Zitate

Als ich begriffen habe, verzieh ich mir alle meine Handlungen, und während des Aktes der Vergebung empfing ich Liebe im Überfluss.

Laurelynn Martin über ihre Jenseitserfahrung [4]

Es gibt aber auch Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.

Ludwig Wittgenstein, österr. Philosoph, 1889 – 1951

Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.

Edith Stein, heiliggesprochene dt. Philosophin, 1891 - 1942

An dem Tag, an dem die Wissenschaft beginnt, die nicht-physischen Phänomene zu studieren, wird es mehr Fortschritte in einem Jahrzehnt geben als in allen vergangenen Jahrhunderten ihrer Existenz.

Nikola Tesla, Pionier der Elektrotechnik, 1856 – 1943

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph u. Hochschullehrer, 1788 – 1860

Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen.

Buddha, 6./5. Jhdt. v. Chr.

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Matthäus, 5-9

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen; dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Psalm 91, Vers 11 und 12

Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten.

Psalm 82 – 6

Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe.

Christian Morgenstern, deutscher Schriftsteller, 1871 – 1914

Es ist eine weitverbreitete Meinung, das objektive, materielle Weltbild der Naturwissenschaften und die mystisch-religiöse Welterfahrung würden sich widersprechen. Das Gegenteil ist wahr. Sie ergänzen sich zu einer umfassenden Einsicht in ein und dieselbe geistig-materielle Wirklichkeit.

Albert Hofmann, schweiz. Chemiker und Autor, 1906 - 2008

Quellen

¹ https://religion.orf.at/stories/2938868/

² https://www.youtube.com/watch?v=RgSGTzB0ghs, min 50:08

³ https://www.youtube.com/watch?v=GXiUcUCYp8M&t=254s 6:38 und 9:32

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