Die Hölle in Nahtoderfahrungen

Die aller schrecklichsten Dinge, von denen ich je in meinem Leben erfahren habe, stammen nicht von Fantasiebüchern und Horrorfilmen, sondern von Nahtoderfahrungen mit höllischem Inhalt.

Dr. med. Jeffrey Long, US-amerikanischer Mediziner und Nahtod-Forscher[1]

Haftungsausschluss: Das Lesen dieses Artikels kann starke Angst oder Panik auslösen und erfolgt auf eigene Gefahr.

 

Malerei Caduta dei dannati | Sturz der Verdammten, von Dierick Bouts, Niederlande 15. Jhdt., Bildrechte: Sailko, Dirk bouts, caduta dei dannati (inferno), 1450 ca. 02, CC BY 3.0.

Echte und falsche Berichte über Nahtoderfahrungen unterscheiden

 

 

Bevor ich auf konkrete Beispiele realer Nahtoderfahrungen eingehe, möchte ich hiermit darauf aufmerksam machen, dass nicht alle Berichte, die im Internet über diese Erfahrungen kursieren, echt sein dürften. Es handelt sich um das Problem der »Trittbrettfahrer«.

Ein Beispiel. Im Internet kursiert die Behauptung eines Menschen, er hätte eine Nahtoderfahrung gemacht und dabei Buddha in der Hölle gesehen. Man konnte diese Person bisher nicht ausfindig machen, weil sie offenbar anonym bleiben will. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Person einfach das Christentum als die einzig wahre religiöse Strömung darstellen will und deshalb behauptet, selbst eine Nahtoderfahrung gemacht und dabei erlebt zu haben, dass Buddha ein falscher Prophet war und daher in der Hölle schmort. Damit soll wohl der Buddhismus generell diskreditiert werden.

Ein anderes Beispiel. In den USA wurde von einem Buch bekannt, dass die darin geschilderte Nahtoderfahrung erfunden war. Als Autor wurde der Junge Alex Malarky angegeben. Angestiftet wurde er offenbar von seinem Vater. Die Mutter dürfte den Fall ins Rollen gebracht haben. Der junge Alex und sein Vater waren geständig. Wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, die Autoren nahmen Elemente realer Nahtoderfahrungen anderer Menschen und bastelten dann eine neue Geschichte daraus zusammen, die ihren eigenen religiösen Ansichten entsprach. Das Buch wurde bereits über eine Million Mal verkauft, bevor es aus dem Handel genommen wurde.

 

Es ist also eine gesunde Skepsis geboten, wenn Menschen meinen, sie hätten Jenseitserfahrungen gemacht. Besonders in den USA scheint es mir, dass fundamentale Christen sowohl die schönen als auch die schrecklichen Nahtoderfahrungen gerne instrumentalisieren, um ihre eigenen religiösen Überzeugungen zu bestätigen.

 

Aber auch im deutschsprachigen kennt man diese Konkurrenz unter Religionen besonders zwischen Katholiken und Protestanten, wo dann echte oder erfundene Jenseitserfahrungen instrumentalisiert werden für persönliche religiöse Überzeugungen. So hieß es beispielsweise einmal auf einer Website fundamentaler Katholiken, jemand habe Martin Luther in einer Erscheinung »glühend heiß« gesehen, weil dieser in der Hölle schmort.

 

Es ist Menschenkenntnis nötig, um echte und falsche Berichte voneinander unterscheiden zu können. Typisch für Schwindler ist, dass sie theatralisch sind, zwanghaft, humorlos, abgestumpft oder gehässig. Sie »konstruieren« gerne Geschichten oder übertreiben. Geschickte Schwindler können ihre Theatralik eventuell gut kaschieren.

Wenn Menschen ehrlich über eigene Jenseitserfahrungen berichten, so erkennt man dies vor allem an ihrer Ungezwungenheit. Sie drängen anderen Menschen nichts auf. Das heißt natürlich nicht, dass sie sich nicht irren können, aber sie berichten einfach zwanglos und so gut wie möglich über das, was sie erfahren haben. Sie wirken authentisch und in gewisser Weise »erlöst« bzw. »befreit«, weil sie ihren »Ego-Tod« bereits weitgehend hinter sich haben.

Zahlreiche historische Malereien weisen darauf hin, dass Menschen seit eh und je dieselben Jenseitserfahrungen haben. So auch dieses Bild des britischen Malers John Martin, Fallen Angels in Hell, ca. 1841.

Wie häufig ist die Hölle in Nahtoderfahrungen?

 

 

Wie häufig die negativen Nahtoderfahrungen sind, darüber gibt es bisher keine verlässlichen Daten, sondern nur persönliche Schätzungen. Einige bekannte Forscher, wie etwa der Neurologe Prof. Bruce Greyson, sprechen von 5 - 10 %, andere aber auch von bis zu 20 % oder mehr, so etwa auch der US-amerikanische Apologet Gary Habermas. In einer ORF-Dokumentation war sogar einmal die Rede von einem Drittel.

 

Negative Jenseitserfahrungen sind jedoch in Art und Ausmaß nicht alle gleichsam höllisch und viele von ihnen wandeln sich in lichtvolle Erfahrungen. So ist etwa oft davon die Rede, Betroffene seien vom Licht aus dem Höllischen herausgehoben oder herausgezogen worden. Viele Betroffene meinen im Nachhinein betrachtet auch, bei ihrer Höllenerfahrung handelte es sich um eine Art seelische Läuterung.

 

Viele höllische Erfahrungen sind zwar so schrecklich, dass die Betroffenen ein großes Bedürfnis haben oder sogar die Verpflichtung verspüren, andere Menschen vor der Hölle zu warnen. Manche Forscher meinen aber, man müsse bezüglich höllischer Jenseitserfahrungen dennoch mit einer höheren Dunkelziffer rechnen, weil Betroffene über höllische Erfahrungen weniger gerne sprechen als über lichtvolle Erfahrungen.

 

So heißt es etwa, Betroffene würden nicht riskieren wollen, dass ihre Höllenerfahrung mit ihrem Charakter in Verbindung gebracht wird und sie in der Folge als schlechte Menschen stigmatisiert werden. Tatsächlich sprechen betreffende Menschen manchmal davon, sie hätten während ihrer Höllenerfahrung eine unglaubliche Scham und Schuld verspürt, weil sie in diesem Bereich gelandet sind und erkannten, dass dies mit ihrem Charakter zu tun hatte.

 

Jenseitserfahrungen zeigen – wie es in manchen spirituellen Schriften erwähnt wird –, dass nicht nur die beiden Extreme »Himmel« und »Hölle« existieren, sondern viele unterschiedliche Schichten bzw. Bereiche dazwischen – auch als Vorhöllen und Vorhimmel bezeichnet. So heißt es etwa auch in Johannes 14:2: »In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.«

 

Insgesamt kann man damit rechnen, dass die höllischen Nahtoderfahrungen nicht gerade selten, aber in der Minderheit sind.

Die Hölle in Nahtoderfahrungen – persönliche Situationen und Zitate

 

 

Um einen Einblick davon zu bekommen, was Menschen in höllischen Jenseitserfahrungen wahrnehmen, hier ein paar Beispiele mit Zitaten. Manche dieser Zitate habe ich selbst aus dem Englischen übersetzt und stilistisch minimal korrigiert. Es empfiehlt sich auch, die Berichte der Betreffenden direkt anzusehen, weil durch die Körpersprache die entsprechenden Wahrnehmungen besser zum Ausdruck kommen.

 

Howard Storm

 

Howard Storm wurde 1946 in den USA in der Nähe von Boston im Bundesstaat Massachusetts geboren. Er wuchs zwar religiös auf, wurde aber im Laufe seines Lebens sehr atheistisch. Er glaubte einfach nicht an ein Leben nach dem Tod und hielt religiöse Ideen für Unsinn. Außerdem wurde er sehr selbstsüchtig. Damit soll nicht gesagt werden, Atheisten seien generell selbstsüchtig, aber im Fall von Howard Storm war es so.

 

Während seiner Zeit als Kunstprofessor in Kentucky machte er im Jahr 1985 mit einigen seiner Studenten und seiner Frau eine Kunstreise nach Paris, wo er es in seiner Partylaune wieder einmal mit dem Essen und dem Alkohol übertrieb, was dann zu einem Durchbruch seines Zwölffingerdarms führte. Er wartete mit unerträglichen Schmerzen in seinem Krankenbett und seiner Frau neben ihm sitzend auf die Not-OP. Aber sein Zustand wurde so unerträglich, dass er sterben wollte. Er ließ los und schlief ein, stand aber auf einmal hellwach im Krankenzimmer. Da bemerkte er, dass sein Körper bewusstlos im Krankenbett lag. Hier wurde ihm bewusst, dass er in Wirklichkeit gar nicht dieser Körper ist. Er wollte sich seiner Frau gegenüber bemerkbar machen, aber sie reagierte nicht, weshalb er wütend wurde. Er schrie sie an, aber sie konnte nichts von ihm wahrnehmen.

 

In seinem Buch »Mein Abstieg in den Tod und die Botschaft der Liebe, die mich von dort zurückbrachte« beschreibt er, dass er in dieser Situation im Krankenaus, abgelöst von seinem Körper, plötzlich Stimmen hörte, die ihn riefen: »Howard, Howard! Komm hier hin! Lass uns gehen und beeil dich. Wir warten schon eine ganze Weile auf dich … Wir können dich wieder in Ordnung bringen, wenn du dich beeilst. Willst du nicht wieder gesund werden? Brauchst du keine Hilfe?«

 

Dies kam ihm komisch vor, weil diese Stimmen für ihn perfekt Englisch sprachen, während das Personal in dieser Klinik in Paris zuvor kein ordentliches Englisch sprach. Howard hatte auch dieses eigenartige Gefühl, dass es ein Fehler wäre, das Krankenhauszimmer zu verlassen und diesen Stimmen zu folgen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass diese Stimmen von bösartigen Seelenwesen stammten, die nur eines im Sinn hatten: Howard in die Hölle zu locken und ihn zu quälen.

 

»Ich entschied ihnen zu folgen, anstatt in einem Raum zu bleiben, in dem mich alle ignorierten … Ich ging also in den Gang hinein, fühlte mich jedoch sehr ängstlich … Als ich versuchte, näher an sie heran zu kommen, um sie identifizieren zu können, zogen sie sich schnell immer tiefer in eine Art Nebel zurück. So war ich gezwungen, ihnen tiefer und tiefer in eine dichte Atmosphäre zu folgen … Jedes Mal wenn ich zögerte, verlangten sie von mir, dass ich aufschließen sollte. Und immer wiederholten sie das Versprechen, dass alle meine Probleme gelöst würden, wenn ich ihnen nur folgte … Ich wusste, dass wir schon meilenweit unterwegs waren, aber gelegentlich hatte ich merkwürdigerweise die Möglichkeit, mich umzuschauen, und immer noch konnte ich dabei durch den Gang mein Krankenzimmer sehen, obwohl dessen Tür kleiner und kleiner wurde … Dann wurden sie zunehmen ärgerlich und sarkastisch. ›Wenn du nur aufhören würdest mit diesem Gejammer und Gejaule, dann kämen wir schneller an‹, sagten sie … In mir wuchs ein schreckliches Gefühl von Unbehagen. Diese Erfahrung fühlte sich einfach zu real an. In einiger Hinsicht war ich bewusster und sensibler denn je. All das, was geschah, konnte eigentlich gar nicht möglich sein, und doch passierte es.

 

Dies war kein Traum und keine Halluzination, aber ich wünschte sehr, dass es genau das wäre … Ich war verängstigt, erschöpft, ich fror und fühlte mich verloren. Es war mir jetzt klar, dass die Hilfe, die sie (die bösartigen Geistwesen, Anm.) mir Anfangs versprochen hatten, nur ein Trick gewesen war, um mich dazu zu bringen, ihnen zu folgen … Die Hoffnungslosigkeit meiner Situation überwältigte mich … Während ich um mich schlug und nach ihnen trat, bissen sie mich und schlugen zurück. Und währenddessen war es ganz offensichtlich, dass sie sich dabei köstlich amüsierten … Während des Kampfes wurde mir klar, dass sie es nicht eilig hatten, mich zu vernichten. Sie spielten mit mir, so wie eine Katze mit einer Maus spielt … Sie gingen dazu über, Stücke meines Fleisches aus meinem Körper herauszureißen. Zu meinem Entsetzen wurde mir klar, dass ich auf ganz methodische Art auseinandergenommen und lebendig aufgefressen wurde – aber so langsam, dass ihr Vergnügen dabei so lange wie irgend möglich dauern würde ... Das Lärmniveau war entsetzlich hoch. Zahllose Menschen (als Geistweisen, Anm.) lachten, schrien und johlten … Schließlich fühlte ich mich zu sehr verletzt und gebrochen, um noch weiter Widerstand zu leisten. Die meisten von ihnen gaben daraufhin auf, mich weiter zu foltern, weil es keinen Spaß mehr machte. Einige stießen und nagten noch weiter an mir und verhöhnten mich, weil ich ein Spielverderber sei. Und in diesem zerstörten Zustand lag ich dann da in völliger Dunkelheit … Noch lange nach diesem Erlebnis spürte ich eine tiefe Traumatisierung, wann immer ich mich an die Einzelheiten erinnerte.«[2]

 

Howard Storm beschreibt unter anderem einen schockierenden Moment, indem er erkannte, dass er diesen boshaften Geistweisen charakterlich ähnlich war, denn er führte vor seiner Jenseitserfahrung ein suchthaftes, materialistisches und egoistisches Leben. Sein seelischer Zustand war während seines vorherigen Erdenlebens bereits sehr niedrig bzw. niedrigschwingend und dies bestätigt dieses Muster, dass die Situation, die Menschen nach dem körperlichen Tod im Jenseits vorfinden, eine Entsprechung hat mit ihrer Lebenswirklichkeit davor.

 

Howard beschreibt dann seine Rettung, die damit begann, dass er – während er wiederholt von bösen Geistern umgeben war – seine eigene Stimme sagen hörte, er solle zu Gott beten. Dies tat er zuerst nicht, da er ja nicht an Gott glaubte. Aber die Stimme forderte ihn wiederholt auf, er solle zu Gott beten. Als er nach Gott betete bedrohten ihn die Geister und sie sagten ihm, es gäbe keinen Gott und wenn er nicht aufhöre, dann würden sie ihm erst richtig weh tun. Howard betete dann aber zu Gott, soweit es ihm in dieser Situation möglich war. Daraufhin verschwanden die bösen Geister mehr und mehr. Sie wollten ihn immer wieder einschüchtern und sagten ihm wiederholt, es gäbe keinen Gott und er sei verloren, aber Howard erkannte, dass die Geister immer mehr zurückwichen. Er erinnerte sich dann vermehrt an schöne Momente seiner Kindheit, als er noch ein sehr weiches, typisch kindliches Gemüt hatte, welches ihm im Laufe seines materialistischen Lebens sehr abhandenkam. Irgendwann kam dann das rettende Licht auf ihn zu. Was hierbei vor sich ging und wie diese Erfahrung sein Leben veränderte, beschreibt er dann noch ausführlicher in seinem Buch, welches ich sehr empfehle.

Hier ein Video mit Howard Storm und Simultanübersetzung ins Deutsche.

Dr. Donald Whitaker

Auch der US-Amerikaner Donald Whitaker aus Oklahoma war Atheist. Ähnlich wie Howard Storm führte auch er ein typisch materialistisches und selbstsüchtiges Leben. Jegliches religiöses Gedankengut war für ihn damals der reinste Schwachsinn.

 

1975 befand er sich in einer sehr problematischen Lebenssituation mit Alkoholsucht. Im Februar dieses Jahres kam er – wiederum ähnlich wie bei Howard Storm – nach mehreren Tagen Party mit heftigen Bauchschmerzen ins Wadley Krankenhaus Texarkana im US-Bundesstaat Texas, an der Grenze zu Oklahoma. Dort fiel er ins Koma, wurde künstlich beatmet und operiert. Es zeigte sich, dass er – typisch für Alkoholismus – eine blutende, nekrotisierende Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatte. Trotz Koma konnte er genau wahrnehmen, was das klinische Personal tat und sagte. Die Ärzte meinten, er würde sterben.

 

Nach 3 Tagen kam er (körperlich) wieder zu Bewusstsein und er konnte wieder selbst atmen. Ein Arzt meinte aber dann zu ihm, er werde die kommende Nacht nicht überleben. Hier bekam er es mit der Todesangst zu tun und er beauftragte das Klinikpersonal, dass sie ihm seinen Freund Ron ins Krankenhaus holen, weil dieser der einzige Christ in seinem Freundeskreis war. Donald und Ron waren zwar gut befreundet, aber Donald glaubte Ron in Bezug auf religiöse Themen nicht. In dieser Situation jedoch plagte Donald der Gedanke, ob es möglicherweise doch ein Leben nach dem Tod und Himmel und Hölle gibt. Donald wurde später körperlich wieder bewusstlos und trat aus seinem Körper aus.

 

»Als ich immer schwächer wurde geriet ich nach unten in eine Dunkelheit. Es war eine extreme Dunkelheit, die mich durch und durch ergriff … Es gibt Menschen, die erzählen über dieses Licht. Es gibt Menschen, die erzählen, sie würden über ihrem Körper schweben. Sie erzählen über Gefühle der Wärme und Liebe. Ich fühlte überhaupt nichts davon, sondern unsäglichen Schrecken – unsäglichen Schrecken! Denn ich wusste, wenn ich dort jemals hinunterfalle, wenn ich wirklich hinuntergleite, dann würde ich niemals zurückkommen. Dies wusste ich in meinem Innersten mit voller Gewissheit … Also kämpfte ich die ganze Nacht. Später sagte mir das Personal, sie hätten gesehen, dass ich nicht nur den Matratzenüberzog, sondern die Matratze an mich gerissen habe, weil ich unbedingt bleiben wollte. Ich musste auf Ron warten. Meine Haut wurde kalt, aber nicht nur so, als würde man in die kalte Luft hinausgehen, sondern eis-, eiskalt bis tief in die Knochen. Ich erinnere mich, wie ich in meinen Körper zurück prallte … Diese Erfahrung war das aller Schrecklichste und Grauenhafteste meines ganzen Lebens.«[3]

 

Als Donald aufwachte war sein Freund Ron an seinem Bett. Durch seine Erfahrung und mit der Hilfe von Ron bekannte sich Donald dann zum Christentum, wodurch sich sein Leben radikal zum Guten veränderte. Typisch für Nahtoderfahrungen ist auch in diesem Fall die unerwartete Heilung. Donald Whitaker wurde völlig gesund und brauchte laut eigener Aussage nicht einmal mehr Medikamente.

Auf dem Bild zu sehen: Donald Whitaker

Mellen Thomas Benedict

 

»Ich stieg hinunter in einen Bereich, den wir Hölle nennen, und es war sehr überraschend. Ich sah keinen Satan. Mein Abstieg in die Hölle war ein Abstieg in die persönlichen Dramen einzelner Menschen, in Jammer, in Ignoranz und in die geistige Dunkelheit des Unwissens. Es schien wie eine elende Unendlichkeit. Aber jede dieser Millionen von Seelen um mich herum hatte einen kleinen Lichtstern neben sich als Begleiter, ohne diesen zu bemerken. Die Seelen waren so voll von ihrer eigenen Bitterkeit. Nachdem ich dies alles wie eine Ewigkeit empfand, schrie ich nach dem Licht, wie ein Kind nach den Eltern um Hilfe schreit. Das Licht öffnete sich und formte einen Tunnel, der auf mich zukam, mich umgab und vor all der Angst und dem Schmerz schützte.«

Mellen-Thomas Benedict[4]

 

Samuel Bercholz

 

»Meine Wahrnehmung erweiterte sich von diesen kleinen Lichtstreifen in eine Welt von schwefeligen Gasen. Hier befand sich eine ganz andere Welt, wesentlich anders von der irdischen Welt, die ich hinter mir hatte. Meine Empfindungen waren überwältigt von unerträglichem Geruch verbrennenden Fleisches und von unvorstellbarer Hitze und Kälte … Inmitten dieser Empfindungen sah ich flirrende Bilder der Qual – verzerrte Gesichter, sich krümmende Körper und grausige Körperteile, verfaulende Eingeweide, abgetrennte Daumen und Nasen, gefolterte Tiere – manche von ihnen zerstückelt, und sogar Ameisen und andere Insekten, deren extreme Qual ich unmittelbar fühlte. Alles das war ein unsäglicher Haufen von Qual … Inmitten dieses Chaos tauchte ein Lichtwesen auf … Es sagte mir: ›Das ist die Hölle. Du wurdest hier als Gast hergebracht, um diese Qual zu bezeugen und zu verstehen – besonders die Qual der Menschen.‹«

Samuel Bercholz[5]

 

Sabine Amrhein

 

Die Schweizerin Sabine Amrhein hatte keine Nahtoderfahrung, aber einige unschöne außerkörperliche Erfahrung, die den Höllenerfahrungen bei Nahtoderfahrungen recht ähnlich sind.

 

»Plötzlich war ich wieder in einer Dunkelheit … es ging eher runter, in einen dunklen, kalten Tunnel. Ich hatte Angst. Und plötzlich befand ich mich in einer felsigen Gegend … da hab ich im Tal unten eine kleine Lichtquelle gesehen … In Gedankenschnelle war ich dort und stand dann vor einer kleinen Hütte … Ich öffnete die Tür, ging hinein … In der Mitte war ein Querbalken und darauf saß eine Kreatur, ein Wesen. Und dieses Wesen hat mich ausgelacht. Ich war total schockiert, weil dieses Wesen war so unglaublich hässlich, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Und dieses Wesen hat mich einfach so ausgelacht, auf hämische Art und Weise. Ich war so schockiert. Ich war wie gelähmt. Dann spürte ich plötzlich, wie etwas Warmes, Nasses über mich hinunter lief. Ich bemerkte dann, dass dieses Wesen auf mich urinierte und auf mich kotete. Ich habe mich fürchterlich geekelt und ich war total geschockt. Auf einmal wurde ich wieder wie mit einem Gummiband zurück in diesen schwarzen Tunnel gezogen und kam dann wieder zu mir in meinen Körper im Bett. Ich saß kerzengerade im Bett, schweißgebadet und total verängstigt.«[6]

Frau Hubschmid

 

Die Nahtoderfahrung der Schweizerin Frau Hubschmid ist nicht so dramatisch wie die anderen hier, aber auch sie zeigt, dass es im Jenseits nicht nur Licht und Liebe gibt.

 

Frau Hubschmied ist schon vor einige Zeit verstorben. Sie war Krankenschwester und unternahm im Jahr 1947 einen Suizidversuch. Im Jahr 1975 hielt sie dann einen Vortrag über diese Nahtoderfahrung. Werner Dschulnigg veröffentlichte die Tonbandaufnahme dieses Vortrages auf seinem Youtube-Kanal »Empirische Jenseitsforschung«.

 

Frau Hubschmid wurde laut eigener Aussage nach ihrer Operation für tot erklärt, landete bereits in der Leichenhalle im Krankenhaus und sah als Seele, dass Ärzte ihren (scheinbar) toten Körper sezieren wollten und ihre Mutter sogar bereits Kränze für das Begräbnis besorgte. Sie spricht in ihrem Bericht darüber, dass sie mit Schuld hinüber ging, sagte aber nicht, worum es hierbei genau ging. Trotzdem ist es interessant, was sie berichtet. Es handelt sich um eine sehr umgangssprachliche Ausdrucksweise. Einige Stellen mussten ausgelassen werden, weil die Qualität der Aufnahme nicht genügte um zu erkennen, was Frau Hubschmid sagte. Aber das Wichtigste ist zu hören.

 

»Ich kam mit Schuld auf die andere Seite. Und dann – ich hab wohl erst mal ein Licht sehen dürften – oh ja, ich durfte auch erst mal Menschen sehen, wo ich genau wusste, die sind tot. Aber das war auch alles. Und dann durfte ich Ebenen, bzw. musste ich, in Ebenen und Tiefen rein sehen, die durch meine Schuld geprägt waren, und wo ich sagen muss, die sind durchaus nicht schön gewesen. Ich hab wohl Eines dadurch begreifen lernen: In meines Vaters Haus gibt’s viele Wohnungen, oh ja. Ich hab auch begreifen lernen, was es heißt: Geist, Seele und Körper, weil ich jetzt die verschiedenen Ebenen sah. Und das eigenartige ist, man steht mitten drin und schaut in verschiedene Ebenen, man gehört auch in alles rein. Plötzlich ist man irgendwie kollektiv mit allem. Es ist etwas, eine Verbundenheit, wie man es so, in dieser Zeit gar nicht so hat, weil man den anderen jetzt eben jetzt nicht bloß hört, sondern mit empfindet … die Empfindungen des anderen. Die sind plötzlich auch meine Empfindungen in dem Moment … jetzt blockieren wir uns alle irgendwie ab (hier im Irdischen, Anm.) …

 

Wir öffnen uns nur dem Freund, aber plötzlich auf dieser Seite da drüben, da sind sie in allem mit drin, kollektivmäßig drin, also kollektivmäßig auch im Grauen, in Angst und Schrecken dann plötzlich. Das war dann eine Welt, wo Gedankenschemen ungeheuer sind, die einen erdrücken und man muss es erst lernen und begreifen, das sind Gedankenschemen, und man muss es auch erst lernen zu begreifen, dass sind jetzt jenseitige. Was man heute, was ich heute so glasklar weiß, das weiß man natürlich in dem Moment nicht, wenn man so frisch drüben ist, das ist jetzt erst mal die eine Etappe …

 

Ich kam ja wieder zurück bzw. ich musste ja wieder zurück (ins Irdische, Anm.). Und trotz Grauen, trotz Schrecken auf der anderen Seite, und trotz Schuld, Sie sehen Ihr Leben wie einen Film immer wieder vor sich, und nicht nur das Leben in seinen Worten und Werken, man sieht es in seinen Gedanken. Das ist viel entsetzlicher, dass plötzlich Gedanken, die man längst, längst verdrängt und vergessen hat, dass die auch lebendig vor einem stehen. Und die wiederholen sich. Besondere Punkte die sehen Sie immer wieder, es kommt immer wieder nur dasselbe Bild, oder diese selben Gedanken. Das ist das Entsetzliche dabei. Und vor allen Dingen Eines: Das Leichte, Schwebende ist schön, aber die Schuld jetzt wie ich sie ja hatte: Sie drängen sich förmlich danach, zurückzugehen in den Körper, obwohl ich ihn ablehnte, wieder gut zu machen (die Dinge bzw. Fehler, Anm.).

 

Und Eines: Es ist aber so, das Gericht, das sozusagen unsere Hölle ist, ist unser eigenes Gewissen. In eigener Schuld klafft man sich mehr. Unser Gewissen ist der schlimmste, härteste Richter, nicht die anderen. Es steht kein Engel mit flammendem Schwert da. Unser eigenes Gewissen ist hart aber gerecht. Es wiederholt sich einem in einer Weise, dass man gut machen möchte, dass man von ganz alleine auf diesen Schwebezustand verzichtet und wieder aufnimmt, was man eigentlich weggeschmissen hat, obwohl das Aufnehmen wirklich entsetzlich ist … in meiner Lage, ein sehr kaputter Körper, ich wollte nicht zurück. Aber meiner Schuld immer wieder begegnen müssen, war noch viel schlimmer. Also ging ich gern zurück.

 

Ich habe noch zwei Jahre im Gips gelegen … Wenn man einmal herausgeschlüpft ist aus dem Körper, schlüpft man dann (später, Anm.) leicht wieder heraus … Ich hatte dann wohl die Gnade, nicht nur Dunkles zu sehen … Ich habe in der Zeit zwei Schlaganfälle gehabt und nun durfte in dieser Zeit auch lichte Welten sehen. Es ist manchmal wie eine Spirale … manchmal ist ich das Empfinden ich bin selbst eine Spirale oder ich bin ein Teil davon. Und wunderschön ist es, wenn man etwas sieht und glaubt, das möchte ich näher sehen, und ist schon dort. Das ist ein herrliches Gefühl, wenn man die dunklen Dinge etwas hinter sich lassen darf und dann etwas mehr zum Licht. Man sieht dann plötzlich eine Sternenwelt und man braucht nur wünschen man möchte dort sein, dann ist man schon dort. Umso schwieriger ist es allerding, wieder auf die andere Seite zu gehen … Ich habe noch nicht viele Jahre gelernt, zu diesem Dasein Ja zu sagen. Die andere Seite war für mich eigentlich mehr Heimat geworden. Ich bin mehr im Jenseitigen verankert gewesen.

 

Die ersten Jahre waren sogar so, dass, wenn ich Menschen begegnet bin, die zwei, drei Tage später starben, bevor die überhaupt (auf mich zu, Anm.) kamen, konnte ich schon eine ganze Weile eine dunkle Wolken auf mich zukommen sehen, und einen verwesenden Geruch. Ich muss sagen ich habe es als Gnade empfunden, als das wieder abfiel. Es war eine Belastung für mich. Ich habe es etliche Jahre haben müssen. Es ist für mich etwas gewesen, vielleicht sollte ich daran reifen, aber als ich dieses, wo sich manche darum drängeln, wieder verlor, diesen zu engen Kontakt zum Jenseits, muss ich ehrlich sagen, ich war sehr dankbar dafür.

 

Es war für mich eine Belastung zu wissen, wer stirbt in zwei, drei Tagen … Und für manche ist es, die so noch gar nichts wissen vom Jenseits, denen das dann erzählen sollen, die vorbereiten sollen, die Angst davor haben. Ich hab, obwohl ich diesen Dienst jetzt machen mache, nur ganz wenige Menschen, die keine Angst haben und denen ich die Angst nehmen kann. Ich berichte manchesmal in Krankenhäusern auf Wunsch des Pfarrers da drüber. Aber es sind wenig, die sich vorbereiten auf den Tod, die meisten sperren sich dagegen, obwohl die andere Seite wirklich schön ist. Und selbst in meiner Lage, wo man Schuld mit hat, wo eigentlich auch vieles ist was einen auch belastet. Die andere Seite … sterben ist schön …«[7]

 

Bild: Malerei »Hölle, Detail« von Hieronymus Bosch, um 1500.

Die gemeinsamen Muster bei Höllen-Erfahrungen

 

Seit Jahren, über die ich mich nun mit Nahtoderfahrungen beschäftige, fällt mir die Tendenz auf, dass Menschen nach ihren eigenen höllischen Nahtoderfahrungen eine gewisse Neigung zum fundamentalen Christentum haben.

 

Und jene konservativen Christen, die selbst keine Nahtoderfahrungen gemacht haben, neigen dazu, Nahtoderfahrungen entweder generell abzulehnen – vor allem die lichtvollen –, oder sie propagieren eher die dunklen, evangelikal anmutenden Nahtoderfahrungen mit höllischen Elementen.

 

Typisch ist bei diesen Leuten ist die Behauptung, man könne nur in den Himmel kommen, indem man Jesus Christus als Herr und Erlöser akzeptiert. Das sagt beispielsweise auch der in diesem Artikel zitierte Donald Whitaker und es steht auch in der Bibel. Aber wie ist es gemeint? Was heißt hier »akzeptieren«?

 

Auch Leute in frei spirituellen Szenen äußern sich immer wieder mit sehr allgemeinen Behauptungen darüber, was mit einer Seele nach ihrem körperlichen Tod angeblich passiert. So heißt es etwa oft, Selbstmörder würden in die Hölle oder in dunkle Bereiche kommen. Menschen haben aber nach Suizid auch schon über schöne, tröstende und lichtvolle Erfahrungen berichtet.

 

Aus Nahtoderfahrungen kann man also lernen, dass es zwar gewisse Zusammenhänge gibt zwischen dem irdischen Leben eines Menschen und seinem jenseitigen Zustand, aber dennoch keine total fixen Schemata beim körperlichen Tod. Auch jene medialen Menschen, die ich für seriös halte und bisher kenne, sind weitaus vorsichtiger mit ihren Behauptungen über die Jenseitswelt.

 

Wer sich umfassender mit Nahtoderfahrungen und anderen transzendenten Erfahrungen beschäftigt, wird feststellen, dass von höllischen Erfahrungen auch religiös Gläubige betroffen sind, die zuvor meinten, sie seien echte Christen und würden sicher in den Himmel kommen. Umgekehrt haben auch Atheisten lichtvolle Nahtoderfahrungen. Allein das sind schon deutliche Indizien dafür, dass die Religionszugehörigkeit und der formelle Glaube nicht entscheidend dafür sind, was Menschen beim Sterben und danach erleben.

 

Religionsexperten unterscheiden schon seit langem zwischen dem formellen bzw. extrinsischen Glauben einerseits, und dem gelebten bzw. intrinsischen Glauben andererseits. Man kann formell an alles Mögliche glauben, an Jesus, an Gott und an eine Kirche bzw. deren Lehre. Man kann rein theoretisch, formell beten. Aber wird man von all dem ein besserer, ein »heiliger« Mensch?

 

Nahtoderfahrungen zeigen für mich, dass es vielmehr auf den Charakter und die Lebenswirklichkeit eines Menschen ankommt. Christus und Gott sind nicht eitel wie der Ego-Mensch. Sie wollen nicht, dass man einen fanatischen Kult um sie betreibt. Das ist nicht gemeint mit diesem »Glauben«. Diesbezüglich sprechen manche auch vom »Fetisch-Glauben«.

 

Es ist ähnlich wie zwischen Eltern und Kindern: Liebende Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder einen Kult um sie betreiben. Sie wollen einfach eine familiäre Gemeinschaft, wo man sich gegenseitig unterstützt und Freude am Leben hat. Sie wollen, dass sich ihre Kinder jederzeit auf sie verlassen können.

 

Bei der »Heimkehr« der Seelen in den Ursprung, in das Licht oder in den »Himmel«, geht es nicht um einen rein formellen und technischen Glauben an Jenseitsfiguren, sondern darum, die Sinnhaftigkeit dessen, was wir als Moral bezeichnen, aus eigener Überzeugung und Gewissheit im Leben zu verwirklichen. Denn das ist das einzige, was einem Menschen Frieden und Sicherheit für sein irdisches und jenseitiges Leben gibt. Darauf kommt es an.

 

Deshalb ist es perfekt eingerichtet: Wer kein gutes Gemüt hat, dem geht es auch nicht gut. Was ist ein »gutes Gemüt«? Natürlich kann man es übertreiben. Wer braucht schon diese zwanghaften, scheinheiligen Oberlehrer? Aber das ist nicht gemeint mit dem guten Gemüt.

 

Der gutmütige Mensch, wie ich ihn verstehe, ist nicht scheinheilig und zwanghaft. Er hat eine gewisse Vernunft im Leben. Er spielt nicht heile Welt. Er sieht das Falsche und Schlechte und grenzt sich davon ab. Aber er macht einen sehr großen Fehler nicht: Er verfällt nicht der Bitterkeit und dem Bösen, denn das Böse ist jenes, womit sich eine Seele selbst in die Tiefe stürzt, in die Dunkelheit.

 

Deshalb ist die Vergebung so wichtig und deshalb hat sie in der Lehre Jesu einen so hohen Stellenwert. Denn das Leben ist manchmal sehr schwierig und die Vergebung hat nichts damit zu tun, heile Welt zu spielen oder schlechte Taten kleinzureden oder zu rechtfertigen. Nein, es ist der innerer, geistig-emotionale Prozess, durch den sich ein Mensch von dem befreit, was ihn seelisch schmerzt und was ihn erhärtet: Bitterkeit, Hass, Kampf, Bösartigkeit. Der verletzte Mensch neigt dazu, selbst zum Täter zu werden. Durch das Vergeben lässt man einen Kampf los und man kann das Herz wieder öffnen für das wahre Leben. Spiegelbildlich ist für Schädiger die Reue so wichtig, denn durch sie wird das Herz »weich« und es entsteht der Wunsch nach Wiedergutmachung. Aus ihr lernt man auch für die Zukunft zu unterscheiden, was falsch und richtig ist.

 

Der gutmütige Mensch hat ein klares Gespür dafür, dass das Böse seinen Geist und seine Seele verschmutzt. Daher orientiert er sich am Guten und Schönen – im Menschen und generell in der Welt. Das heißt nicht, dass er das Gefährliche und Falsche ignoriert. Nein, er weiß, dass es das gibt. Aber gerade deshalb kann er sich davor schützen.

 

Der gutherzige Mensch »glaubt« nicht nur, sondern er ist »in Christus« oder »in Gott«, weil er das Gute lebt und spürt. Damit hat er Christus »akzeptiert«. Er bekennt sich zu dem, was gut und richtig ist. Und das kommt nicht allein durch formelle Gebete und formelle kirchliche Zugehörigkeiten, sonst wären die Menschen in den Kirchen schon längst alle heilig. Das entwickelt sich im Leben durch die Art und Weise, wie man mit sich selbst und anderen Menschen umgeht.

 

Auch Geistliche und Theologen machen Nahtoderfahrungen und sie sind danach meistens erstaunt darüber, dass das »Geistige« doch etwas anders ist, als sie es von ihrer Theologie her meinten. Vor allem wissen sie danach, dass es keine einzig wahre Kirche gibt und warum es diese gar nicht geben kann.

 

Bei Nahtoderfahrungen kann man das Muster erkennen, dass sich Menschen vor ihrer Höllenerfahrung oft in Zuständen wie Gehässigkeit, Rachsucht und Zerstörungswut befanden. Es bestanden hier gewisse übergriffige, bösartige Absichten. Was ist das Wesen des Bösen? Es ist das Zerstörerische und Leidvolle: Man will andere Lebewesen beherrschen, sie gefügig haben oder ihnen Leiden bereiten. Es das das Gegenteil der Liebe.

 

Daraus sollte man jedoch nicht voreilig ableiten, jeder Mensch, der irgendwie unfriedlich ist, würde in die Hölle kommen. Man ist nicht gleich ein böser Mensch, nur weil man mal verbittert und wütend ist. Es kommt auf das Ausmaß an. Hier sind drei Formen zu unterscheiden. Erstens: Gesunde Formen von Ärger, Rebellion, Beschuldigung oder Bestrafung, die der Entwicklung des Lebens dienen. Zweitens: Zustände der Verbitterung aus einer Unbeholfenheit mit dem Leben heraus, bei der sich die betroffenen Menschen zwar in einer Art Hartherzigkeit befinden mögen, aber gewisse Hemmschwellen zum Zerstörerischen nicht überschreiten.

 

Und drittens: Das »durch und durch Böse«. Eine tödlich-zerstörerische, dauerhafte und suchthafte Boshaftigkeit, bei der das böse Handeln sogar zu abartigen Empfindungen der Befriedigung führt. In einem solchen Zustand scheint das Gemüt der Betroffenen für das Gute, Richtige und Schöne weitgehend verloren zu sein. Das Herz ist stark erhärtet bzw. »verstockt« und daher wenig oder kaum empfänglich für das Wahre, das Gute und das Sanfte.

 

Ein kleines Kind, welches nur die Liebe spürt, kennt das Böse nicht. Und ein Bösewicht, der nur noch das Böse spürt, kennt die Liebe nicht (mehr). Daher kann der Fall in die Dunkelheit immer nur ein unbewusster Prozess sein. Erst wenn ein Mensch wieder zurückkommt von der Dunkelheit in die Liebe, dann hat er einen Kontrast erfahren und dadurch erst weiß er, was beide Seiten bedeuten.

 

Warum gibt es die Hölle?

 

Ich möchte zu dieser Frage lediglich eine Erklärung geben, wie ich es inzwischen sehe, nachdem ich mich einige Jahre mit diesem Thema beschäftigt habe.

 

Es ist zu bezweifeln, dass die Hölle von Gott gewollt ist und er Menschen bzw. Seelen dorthin »verdammt«. So schreibt zwar einerseits der große Mystiker Emanuel Swedenborg in seinem Werk »Himmel und Hölle«: »Der Herr regiert die Höllen.« Er schreibt aber auch: »Gott wirft keinen in die Hölle, vielmehr der Geist sich selbst.«[8]

 

Im Bild zu sehen: Emanuel Swedenborg – Kapazität der damaligen Wissenschaft und Mystiker, 1688 - 1772. Er machte zahlreiche außerkörperliche Erfahrungen, über die er in seinen Büchern berichtet.

Er erklärt, dass der Herr die Höllen insofern regiert bzw. reguliert, dass er das Leben davor schützt, denn wäre dies nicht der Fall, so hätte das Böse eine überaus zerstörerische Macht im Jenseits und auch auf die irdische Welt.

 

Dann taucht natürlich unmittelbar die Frage auf: Warum verhindert Gott die Hölle nicht völlig? Weil wir eben doch einen freien Willen haben. Wir wissen doch, dass es völlig unmöglich ist, die Liebe zu erzwingen. Erzwungene Liebe ist keine Liebe. Die Liebe muss einen freien Willen gewähren.

 

Wie ich es momentan verstehe, ist das Höllische zwar ein realer Bereich im Jenseits, aber ein Bereich außerhalb des Lichts bzw. der Liebe. Eine Seele fällt durch ihren eigenen Zustand der Lieblosigkeit aus dem Licht, welches die Ur-Liebe ist, heraus bzw. ins Dunkle hinab, so wie etwa auch ein boshafter Mensch innerlich weit entfernt oder isoliert ist von einem Gefühl der »Heimat«, auch wenn er liebevolle Menschen um sich hat. Daher verstehe ich jenes, was viele etwa als »Verdammnis« bezeichnen, nicht als einen boshaft-brutalen Akt Gottes. Man kann es vielleicht auch vergleichen mit zwei Magneten, die sich abstoßen. Der Mensch bzw. seine Seele ist ein energetisches Wesen, welches sich durch seinen eigenen geistig-energetischen Zustand von der Liebe abtrennen kann, auch wenn es ihm nicht bewusst ist, dass er diesen Zustand in Wirklichkeit selbst bewirkt.

 

Es heißt beispielsweise, eines der schlimmsten Dinge in der Hölle sei die Abwesenheit Gottes. Die Anwesenheit Gottes sind glückselige Zustände der Liebe, des Friedens, der Ruhe aber auch der Freude, der Wärme, der Geborgenheit, der Weite und Freiheit. Die Abwesenheit Gottes kennzeichnet sich durch Gegenteile: Hass, Missgunst, Unruhe und Ernsthaftigkeit, Kälte, Verlorenheit, Angst, Enge, Gefangenschaft.

 

Im Grunde dreht sich unser Leben um Seinszustände und »Haltungen«. Das zeigt sich zum Beispiel bei den typisch menschlichen Dramen in Verwandtschaften und bei Freundschaften und Liebesbeziehungen. Vertraute Menschen zu verlieren ist deshalb so schwierig, weil man nur ihnen gegenüber das Herz wirklich öffnen kann, und das Herz wirklich zu öffnen ist das Schönste für uns. Nur im »offenen Herz« spüren wie die göttliche Liebe. Das zeigt sich auch besonders bei der Liebe zu Tieren. Tiere haben oft diese heilige Anmut, weil sie so »unschuldig« sind. Die meisten von ihnen haben dieses typisch menschliche Ego nicht und deshalb ein »offenes Herz«.

 

Von diesem Zustand der Liebe kann sich der Mensch also durch seine Negativität und Bösartigkeit trennen. Ein Mensch kann sich unter liebenden Menschen befinden, sich aber dennoch lieblos fühlen, weil die Liebe nur von innen her spürbar werden kann – durch das eigene Gemüt, durch die eigenen Gedanken, Einstellungen, Absichten und Handlungen. Umgekehrt kann ein Mensch viel allein sein, sich aber dennoch geliebt fühlen. Und das ist wohl dann der Fall, wenn der Mensch mit sich selbst und anderen »im Reinen ist«, wenn er ein »gutes Gewissen« haben kann.

 

Stellen Sie sich Eltern vor, die mit ansehen müssen, dass sich ihr Sohn zu einem Mörder entwickelt. Was sich solche Eltern sehnlich wünschen ist, dass ihr Sohn zur Einsicht kommt. Liebende und vernünftige Eltern wünschen ihrem Sohn keine Hölle, die er sich sowieso schon selbst erschafft, sondern die Einsicht, dass er sein Leben anders gestalten kann. Sie wünschen ihm, dass er Frieden findet und auf das Böse verzichten kann.

 

Eltern können nur versuchen, ihr Bestes zu geben. Aber Eltern können nicht verhindern, dass ihre Kinder zum Beispiel nachlässig sind im Leben, dass sie in gewisse Krisen und auf schiefe Bahnen geraten. Sie müssten ihre Kinder einsperren, wenn sie ihre Kinder von den Gefahren des Lebens und der Welt schützen wollten. Aber damit würden sie ihren Kindern Freiheit nehmen und das wäre keine Liebe.

 

So ist es im Grunde auch mit dieser Sache zwischen Himmel und Hölle. Was wir Menschen aber oft nicht sehen ist die Tatsache, dass unsere Sichtweisen, unser Wille und unsere Handlungen oft nicht »optimal« sind. Wir tun uns oft schwer, unsere Fehler einzusehen. Wir sehen oft die eigene Verantwortung nicht, um das Leben besser gestalten zu können. Und das ist das Schlimme an der übertriebenen Opferrolle: Man sieht die eigene positive Macht nicht, die man eigentlich hat. Stattdessen neigt man dazu, für die eigene Unzufriedenheit übermäßig andere Menschen oder gar »die Welt« anzuklagen.

 

Die Hölle existiert, weil wir sie unbewusst selbst erschaffen. Die »Sünde« ist ein anderer Begriff für »Trennung«. Durch das verschlossene Herz trennt sich der Mensch von der Liebe und der Weisheit. All das Leiden, das durch unsere eigens geschaffenen Höllenwelten entsteht, hat einen bestimmten Sinn: Es soll zur Einsicht führen. Es soll zum Erwachen anregen. Er soll zur Erkenntnis führen, dass es andere Möglichkeiten gibt, dass man die »Trennung« wieder aufheben kann, indem man die Verbindung zum Guten, zur Liebe sucht und zulässt.

 

So kann sich ein Mensch zwar nicht selbst erlösen, aber wenn er erlöst werden will, dann muss er einen gewissen Teil dazu beitragen. Er muss zumindest versuchen, auf das Böse zu verzichten und sich dem Guten aufschließen. Und je mehr er tief in seinem eigenen Inneren spürt, dass dies das einzige ist, was ihm Frieden bringt, umso mehr entsteht ein wahrer »Glaube«, also die Gewissheit über das, worauf es im Leben ankommt.

Nahtoderfahrungen helfen, Himmel und Hölle in der Bibel besser zu verstehen

 

Hier geht es nicht darum, eine Konkurrenz zwischen der Bibel und den Nahtoderfahrungen herzustellen oder jemandem die Begeisterung für die Bibel zu nehmen, denn grundsätzlich gibt es hier Übereinstimmungen. Aber es gibt auch Unterschiede und ich möchte zeigen, warum die Bibel problematisch ist. Dass die Bibel problematisch ist, das zeigt allein die Tatsache, dass es so viele christliche Kirchen gibt, obwohl sie sich alle auf die Bibel berufen. Die Textstellen der Bibel sind eben nicht so »eindeutig« zu verstehen, wie viele bibeltreue Leute es meinen.

 

Tatsache ist auch, dass die Konfessionen insgesamt immer mehr Mitglieder verlieren, aber sehr viele Menschen bleiben »gläubig«, weil sie Nahtod- und ähnliche Erfahrungen machen. Diese realen Erfahrungen sind sehr einschneidend und deshalb überzeugend.

 

Die meisten Nahtoderfahrungen geschehen durch Kreislaufzusammenbruch und oft auch bei gleichzeitiger Vollnarkose, also in Zuständen, über den uns die Medizin im Grunde sagt, dass der Mensch darin keine nervliche Sinneswahrnehmung haben kann. Und das erklärt auch dieses Muster der meisten Nahtoderfahrungen: Durch den »klinischen Tod« löst sich der »eigentliche Mensch« bzw. die Seele vom irdischen Körper ab.

 

Nahtoderfahrungen belegen also grundsätzlich, dass es eine Art Jenseits geben muss, eine nicht-irdische Physik. Damit haben Religionen eigentlich Beweise für die Existenz des Jenseits. Hierbei spricht man auch von Apologetik. Trotzdem sind auch viele religiöse Menschen gegen Nahtoderfahrungen und sie meinen dann – im Grunde wie bei den meisten materialistischen, atheistischen Wissenschaftlern – Nahtoderfahrungen seien ja nur Halluzinationen.

 

Manche religiöse Menschen haben ein Problem mit Nahtoderfahrungen, weil die meisten dieser Erfahrungen schön und lichtvoll sind, diese Menschen aber eher an einen strafenden Höllengott glauben. Wenn schon, dann halten sie eher die höllischen Nahtoderfahrungen für echt. Über die anderen heißt es dann schnell einmal, diese seien Halluzinationen oder es handle sich zwar um echte Jenseitserfahrungen, aber hier würde der Teufel das Licht vortäuschen. So ist es nicht verwunderlich, dass konservative religiöse Gruppen eher jene Berichte über Nahtoderfahrungen propagieren, bei denen es um die Hölle und Christus-Erfahrungen geht.

 

Aber können böse Geister wirklich das Licht vortäuschen? Wohl kaum. Sie sind von diesem Licht nicht erfüllt, wie sollten sie es dann vortäuschen können? Außerdem gibt es sowieso diese höllischen Nahtoderfahrungen, wo sich das Böse völlig blank zeigt. Warum soll sich das Böse einmal ganz direkt zeigen, dann wieder täuschend mit dem Licht?

 

Es sind vor allem 3 Gründe, warum die Bibel und andere spirituelle Schriften oft so falsch verstanden werden:

  1. Unpassende Vorstellungen zu den wahrhaftigen Texten über Gott, Jenseits und seelische Themen.

  2. Manche Texte der Bibel sind von Grund auf nicht »Gottes Wort«, sondern nur irrtümliche persönliche Meinungen, Wunschvorstellungen und Mentalitäten der damaligen Zeit.

  3. Manche Texte sind zwar nicht generell falsch, aber bereits im Original missverständlich ausgedrückt oder fehlerhaft übersetzt. Letzteres wiederum entweder aus Absicht oder aus Irrtum.

 

Zu Punkt 1: Unpassende Vorstellungen und Empfindungen

In christlichen Religionen gibt es eigentlich ein sehr sinnvolles Gebot, und zwar das Gebot, sich »keine Bildnisse« zu machen, insbesondere nicht von Gott und vom Jenseits. Es ist auch die Rede vom »Bilderverbot«. Egal, ob man es als Gebot oder als Verbot versteht, wird es jedenfalls oft so verstanden, als beträfe es nur gemalte Bilder. Entscheidender ist jedoch die Fülle an Vorstellungen (inneren Bildern und »Filmen«), die der Mensch in seinem Kopf erzeugen kann. Aus diesen Vorstellungen entstehen auch bestimmte Empfindungen bzw. Gefühlszustände. Das kennt man zum Beispiel von der Vorfreude. Kaum denkt man an ein schönes, zukünftiges Ereignis, kommt Freude auf. Die Angst ist im Grunde das Gegenteil der Vorfreude.

 

Wenn wir Texte lesen, dann entstehen automatisch Vorstellungen dazu. Wenn man sich nun die Realität, die von den biblischen Texten beschrieben wird, zu sehr durch die Art und Weise vorstellt, wie man die irdische Welt wahrnimmt, dann entstehen irreführende »Bildnisse« und Empfindungen darüber. Im Hinduismus zum Beispiel wird das Irdische auch als »Zeit und Raum« und diese wiederum als »große Täuscher« bezeichnet.

 

Es geht also nicht darum, sich überhaupt keine Bilder bzw. Vorstellungen zu spirituellen Texten zu machen. Das kann der Mensch nicht und es macht auch keinen Sinn, denn das Verstehen einer Sache ergibt sich erst durch passende Vorstellungen und entsprechende Empfindungen. Das ist auch bei irdischen Dingen so. Wenn man beispielsweise mit jemandem redet und dieser Jemand ein unbekanntes Wort erwähnt, dann kann man schnell den Faden verlieren, weil man eben dieses Wort nicht kennt oder man kennt zwar das Wort selbst, aber die Sache dahinter nicht. Man hat dann keine (passenden) Vorstellungen darüber. Dann fragt man nach, was dieses Wort bedeutet, man braucht Umschreibungen oder man muss die Realität hinter diesem Wort selbst erfahren, also sehen und/oder spüren.

 

Genau genommen müsste dieses Bilderverbot also heißen, man solle sich »keine allzu irdischen Vorstellungen« über das Jenseitige machen.

Zu Punkt 2 und 3: Falsche bzw. fehlerhafte Texte

Für viele religiöse Menschen steht die Bibel als Wissensquelle über Gott und Jenseits an erster Stelle, aber sie fragen sich kaum, ob diese Texte wirklich alle echt sind. Wenn ein Text wirklich prophetisch ist, dann stammt er zwar vom geistigen bzw. gedanklichen Hintergrund her aus dem Göttlichen, aber auch ein echter Prophet ist für jeden »normalen« Menschen vorerst einmal auch nur ein irdischer Mensch. Woher will ich als »normaler« Mensch wirklich wissen, ob es sich bei den Aussagen und Texten eines anderen Menschen tatsächlich um echte göttliche Eingebungen bzw. Übermittlungen handelt? Nur weil es dieser Mensch behauptet? Oder weil es andere über ihn behaupten?

 

Die Bibel wurde aus vielen einzelnen Schriften und von vielen verschiedenen Menschen zusammengestellt, daher enthält sie auch viele Irrtümer und Widersprüche. So heißt es etwa in zwei Evangelien, Jesus sei in Bethlehem geboren. Dass Jesus tatsächlich im Winter in einem Stall in Bethlehem geboren sein soll, wird heute eher als eine erfundene Geschichte gesehen, weil man es so haben wollte. Und warum? Weil Bethlehem tatsächlich die Geburtsstadt des König David ist und Jesus als »Sohn David« gesehen wird. Es klingt einfach schön, wenn auch der angekündigte Messias in Bethlehem geboren wurde, der dann aber als Jesus im viel weiter entfernten Nazareth aufwuchs, und vermutlich auch dort geboren wurde. 

 

In den meisten Kirchen wird den Gläubigen nicht gezeigt, wie man echte und unechte Bibelstellen voneinander unterscheiden kann. Es heißt einfach pauschal, die ganze Bibel sei echt. So tut man sich in den Kirchen auch schwer, Gewaltpassagen des Alten Testaments irgendwie zu verstehen und in Einklang mit den vielen guten Aussagen der Bibel zu bringen. Einerseits der allumfassend liebende Gott, andererseits die ewige Verdammnis, diese übertriebene Bestrafung?

 

Beispielsweise meinte Paulus in einem seiner Briefe, es sei ein offensichtliches Übel, wenn ein Mann lange Haare hat. Paulus lebte zur selben Zeit wie Jesus, aber die beiden begegneten sich nie. Jesus hatte vielleicht lange Haare und wenn Paulus ihm begegnet wäre, dann hätte Paulus vielleicht eine andere Meinung geäußert. Aber was hat so eine Meinung in der Bibel zu suchen? Es ist nicht Gottes Wort, sondern nur die persönliche Ansicht Paulus.

 

So existieren in der Bibel zahlreiche andere Stellen, von denen man davon ausgehen kann, dass sie nur persönliche Meinungen sind, und noch dazu solche, die religiös gesehen unwichtig oder sogar völlig falsch sind. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Stelle in den Psalmen, wo es heißt, die Kinder des Feindes sollten »am Felsen zerschmettert« werden. Die Kinder der Feinde zu zerschmettern war damals keine Seltenheit. Aber das war eine damalige Mentalität, mehr nicht. Dieser Psalm ist ein Klagelied, ein Rachelieg, aber kein prophetischer Text und nicht Gottes Wort.

 

So halten sich auch viele Konfessionen und Gläubigen an vieles nicht, was in der Bibel steht, auch nicht an weniger harmlose Aussagen, wonach zum Beispiel Geistliche kein Schweinefleisch essen dürfen. Bei gewissen anderen Bibelstellen hingegen besteht man vehement darauf, sie seien »eindeutig« die Wahrheit, zum Beispiel dass Gott ungläubige Menschen in die Hölle wirft und diese Hölle noch dazu ewig sei.

 

Die Bibel zeugt an sehr vielen Stellen von einem für uns Menschen unvorstellbar liebevollen, barmherzigen Gott. Aber viele Geistliche und Gläubige stürzen sich wohl deshalb so sehr auf die aggressiven Bibelaussagen, weil sie selbst eine aggressive Persönlichkeit haben. Vor allem haben sie entscheidende Aspekte der menschlichen Unbewusstheit und somit auch den hohen Stellenwert der Vergebung nicht begriffen, weshalb sie auch eine falsch verstandene Mentalität der Bestrafung hegen. Ihre Vorstellungen von Gott ergeben ein »erhöhtes« Spiegelbild ihrer eigenen Persönlichkeit: Dieser Gott bzw. die Vorstellung darüber ist im Grunde diese Persönlichkeit, nur eben allmächtig. Damit ist die Hoffnung verbunden, dieser Allmächtige würde die Ungläubigen für immer und ewig bestrafen, quälen oder vernichten, weil man diese als hauptverantwortlich sieht für das Unheil in der Welt. Von daher kommt wohl auch dieses typische Mobbing in evangelikalen und anderen fundamentalen Religionen gegenüber Aussteigern, oder der Hang vieler religiöser Menschen für die Todesstrafe.

 

Stellen Sie sich eine normal liebende Mutter vor, wie sie mit ihrem Kind umgehen würde, auch wenn dieses Kind auf eine sehr schiefe Bahn im Leben geraten würde. Eine wirklich liebende Mutter mag von ihrem Kind enttäuscht sein, sie mag kurzfristig wütend sein und wenn ihr Sohn ein Mörder ist, dann würde sie auch schon allein zum Schutz vor möglichen weiteren Opfern wollen, dass ihr Sohn verwahrt ist, aber würde sie wollen, dass er leidet oder in einer ewigen Hölle schmort? Nein, sie weiß, dass er selbst (psychisch) beschädigt ist und eine bloße Strafe nichts bringen würde, schon gar nicht eine aggressive Art der Ausgrenzung oder gar eine Folter. Sie wünscht sich, dass dieser Sohn seine eigenen Probleme einsieht und zur Vernunft kommt, weil das für alle das Beste ist, auch für ihn selbst. Ja, dazu kann es auch nötig sein, dass der Sohn einmal leidet. Viele Menschen verstehen erst dann, was sie anderen antun, wenn sie selbst leiden. Aber eine normal liebende, menschliche Mutter ist weiser als der Fantasie-Gott vieler evangelikaler und bibeltreuer Menschen.

 

Einer der zentralsten Aspekte der Jesus-Lehre ist die Vergebung, weil sie sowohl Opfer als auch Täter befreit. Andererseits soll Gott nicht vergeben können? Dieser Gott bzw. diese fehlerhafte Vorstellung von Gott ist eine äußerst problematische, »unerlöste« Persönlichkeit, die selbst keine Ahnung von Vergebung hat.

 

Viele Theologen würden die Bibel heute jedenfalls anders zusammenstellen, wie sie momentan noch verbreitet ist, weil sie manches davon nicht als wahrhaftig prophetisch beurteilen, während inzwischen andere Schriften auftauchten, die sie eher als prophetisch bewerten.

 

Die Bibel und andere spirituelle Schriften enthalten viel Wahres, aber auch Erfundenes, Falsches, Widersprüchliches, Irrtümliches und Irreführendes. Sie wurde von Menschen geschrieben und zusammengestellt, denen ihre persönlichen Geschichten wichtiger waren als die Wahrheit und von solchen, die nicht immer beurteilen konnten, welche Texte wirklich prophetisch sind und welche nicht.

 

Und auch hier sei noch einmal betont: Auch wenn ein Text wahrhaftig biblisch ist, dann ist er deshalb nicht immer so »eindeutig« zu verstehen, wie es viele Bibel-Eiferer meinen. Es ist Vorsicht geboten vor einseitigen und starrsinnigen Auslegungen.

 

Reale Jenseitserfahrungen wie Nahtoderfahrungen helfen uns, die Aussagen spiritueller Schriften – von denen es ja nicht nur die Bibel, sondern auch viele andere gibt – viel besser zu verstehen. Durch sie erst bekommen wir passendere Vorstellungen über das Seelische und Jenseitige.

 

Ist die Hölle nun ewig oder nicht?

 

Howard Storm schreibt in seinem Buch: »Ich wusste, dass ich hier nie wieder herauskommen werde.« Auch Donald Whitaker meinte, er wusste, er würde nie wieder zurückkommen, sobald er in die Dunkelheit hinabfällt. Menschen sagen über ihre Nahtoderfahrungen auch oft: »Ich wusste, dass ich sterbe.« Tatsache ist bei all diesen Menschen jedoch, dass sie aus der Dunkelheit wieder herausgekommen und nicht gestorben sind.

 

Es ist hier zuerst einmal eine Sache zu bedenken: Was wir als »Zeit« bezeichnen, gibt es nur hier im Irdischen. Sobald sich die Wahrnehmung vom Körper ablöst, erlebt man zwar Veränderungen und Abläufe, aber man hat kein Zeit-Empfinden mehr. Ohne irdischen Körper fühlt sich alles ewig, zeitlos und endlos an, sowohl die schönen als auch die leidvollen Zustände.

 

Man kennt es aber auch von Gefühlszuständen im Irdischen, besonders von psychischen Leidenszuständen, wie etwa von schweren Depressionen, dass sich solche Zustände anfühlen können, als würden sie sich niemals verändern, und dies liegt daran, dass momentan keine Hoffnung besteht, also keine Aussicht auf Besserung bzw. Änderung. Man sieht und fühlt momentan nicht, dass es besser werden könnte.

 

Jemand meinte nach einer Höllenerfahrung, dass die bösartigen Geistwesen genau diese Hoffnungslosigkeit ihrer Opfer beabsichtigen. Sie wollen, dass die Opfer nichts mehr an Hoffnung und »Gutheit« spüren, denn dies führt zum Beispiel auch dazu, gar nicht auf die Idee zu kommen, das Licht bzw. Gott um Hilfe zu rufen.

 

Für uns irdische Menschen ist es schwer nachzuvollziehen, wie sich das Dasein ohne Zeitgefühl anfühlt. Diese Zeitlosigkeit wird als »ewig« empfunden, was aber nicht automatisch heißt, dass sich tatsächlich nichts mehr verändert, egal ob man sich gerade in einem lichtvollen oder in einem dunklen Bereich befindet.

 

Falls man sich je in einem der dunklen Bereiche im Jenseits wiederfindet, ist es daher so wichtig, niemals die Hoffnung aufzugeben und nie zu vergessen, dass man sich immer wieder für das Gute entscheiden kann und dafür, die guten Mächte um Hilfe zu rufen, allen voran Christus, der nicht umsonst immer wieder als Seelenretter und Erlöser bezeichnet wird. Der Theologe Origines (2./3. Jhdt. n. Chr.) beispielsweise meinte, auch der Teufel würde irgendwann wieder aus der Hölle herauskommen, wenn er seine Verirrung erkennt und sich dem Guten öffnet.

 

Es existieren auch verschiedene Stellen in der Bibel, welche die Inhalte der Nahtoderfahrungen bestätigen, wonach Menschen grundsätzlich aus dunklen Bereichen gerettet werden können. Ein Beispiel dazu ist in Jeremia 29, 13:

 

Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich, der Herr. Ich werde euer Schicksal zum Guten wenden: Aus allen Ländern und Orten, in die ich euch zerstreut habe, will ich euch wieder sammeln und in das Land zurückbringen, aus dem ich euch damals fortgejagt habe. Darauf könnt ihr euch verlassen!

 

Römer 10, 12-13:

Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen Juden und anderen Völkern: Sie alle haben ein und denselben Herrn, Jesus Christus, der aus seinem Reichtum alle beschenkt, die ihn darum bitten. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

 

Hesekiel 18, 23:

Meint ihr, ich hätte Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss?

 

In vielen Nahtoderfahrungen kamen die Betroffenen wieder aus dem Höllischen heraus, weil sie nach Jesus oder Christus fragten, auch wenn sie gar nicht aus voller Überzeugung an ihn glaubten. Auch bei Howard Storm war es so. Er hörte sich selbst mehrmals sagen, er soll nach Christus beten, was ihm komisch vorkam, weil er ja nicht an Christus und Gott glaubte. Aber in dem Moment als er nach Christus betete, entfernten sich die bösen Geister von ihm und ließen ihn in Ruhe, und kurz darauf kam das rettende Licht bzw. Christus auf ihn zu.

 

Auch darüber wird immer wieder berichtet, dass die bösen Geister es kaum ausstehen können, wenn man in deren Nähe ein Gebet spricht, nach Gott bittet oder etwas »Gutes« denkt oder spürt. Howard Storm meint in seinem Buch, die bösen Geister hätten sein Bitten nach Gott so empfunden, als wären sie mit heißem Öl begossen worden, woraufhin sie sich zurückzogen. Zuerst meinten sie noch, sie würden Howard Storm noch mehr quälen, wenn er nicht aufhöre, nach Christus zu beten, und sie sagten ihm, es gäbe keinen Christus und keinen Gott – eine typisch manipulative Lüge, um die Opfer in ihrer Fähigkeit der Selbststeuerung einzuschränken bzw. sie handlungsunfähig zu machen.

 

Jemand meinte beispielsweise nach mehreren außerkörperlichen Erfahrungen, die dunklen Geister hätten ihn einfach in Ruhe gelassen, als sie bemerkten, dass er einfach nicht gegen sie kämpft, sondern innerlich friedlich bleibt.

 

Zitate

 

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Matthäus, 5-9

Wenn man jemandem alles verziehen hat, ist man mit ihm fertig.

Sigmund Freud, österr. Psychiater und Begründer der Psychoanalyse, 1856 - 1939

Stimme jede Tat, jedes Wort und jede Absicht so ab, dass du an diesem Augenblick aus dem Leben scheiden könntest.

Mark Aurel, röm. Kaiser und Philosoph, 121 - 180

Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.

Edith Stein, heiliggesprochene dt. Mystikerin, 1891 - 1942

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr kommet nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.

Matthaeus 23:13

Wir suchen uns unsere Freuden und Leiden aus, lange bevor wir sie durchleben.

Khalil Gibran, libanesisch-amerik. Philosoph und Dichter, 1883 - 1931

Durch Fehler und Irrtümer vervollkommnet sich der Mensch. Durch das Leid aber lernt er, dass alle Wege, die in Dunkelheit beginnen, zum Lichte führen müssen.

Hippokrates von Kos, berühmtester Arzt des Altertums, 460 - 370 v. Chr.

Falls wir die Prüfungen des jetzigen Lebens nicht bestehen, ist es selbstverständlich, dass wir diese wiederholen müssen. Dies kann nur unter den gleichen Umständen, d. h. in der gleichen Zeit-Raum-Dimension der materiellen Welt, hier auf dieser Erde geschehen. Wir werden reinkarniert, um etwas besser zu machen als zuvor.

Stefan Jankovich aufgrund seiner Nahtoderfahrung[9]

 

Quellen

 

[1] https://the-formula.org/ndes-hell/

[2] Howard Storm, »Mein Abstieg in den Tod und die Botschaft der Liebe, die mich von dort zurückbrachte«, Santiago Verlag 2008, S 16 ff

[3] https://www.youtube.com/watch?v=X54dYbfCSR4

[4] http://the-formula.org/ndes-hell/ (auf Englisch, mit Suchfunktion suchen)

[5] http://the-formula.org/ndes-hell/ (auf Englisch, mit Suchfunktion suchen)

[6] Youtube-Kanal »Empirische Jenseitsforschung«, Videobeitrag vom 01.11.2018, »Die Nahtoderfahrungen von Frau Sabine Amrhein«, https://www.youtube.com/watch?v=L-MvefIbF14&t=2s ab min 8:46

[7] Youtube-Kanal »Empirische Jenseitsforschung«, Videobeitrag vom 02.04.2018, »Selbstmordversuch – Frau Hubschmied berichtet von ihrer Nahtoderfahrung«, https://www.youtube.com/watch?v=Izh3lP4gZuw

[8] Emanuel v. Swedenborg, H J Hube (Hrsg.), »Himmel und Hölle«, Marix Verlag 2016, S. 349

[9] Stefan Jankovich, »Ich war klinisch Tod: Der Tod – mein schönstes Erlebnis«, Drei Eichen 2011

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