Meine Erfahrungen mit Channelings

 

In diesem Artikel schildere ich, warum ich mich im Jahr 2008 als Hilfesuchender zum ersten Mal auf Channelings eingelassen habe und welche guten Erfahrungen ich damit machte.

Ich selbst biete keine Channelings an. Falls Sie jedoch auf der Suche danach sind, kann Ihnen die Checkliste im letzten Abschnitt dieses Artikels helfen, damit Sie ordentliche mediale Anbieter von den problematischen unterscheiden können.

Wenn Sie Fragen dazu haben oder einfach Ihre Meinung einbringen wollen, nützen Sie gerne die Kommentarfunktion am Ende des Artikels oder schreiben Sie mir.

 

Wie es zu meinem ersten Channeling kam

Wegen meiner Depression suchte ich im Jahr 2004 reguläre Psychotherapeuten auf, wo ich jedoch nie einen wirklichen Durchbruch erreichte. Daher machte ich mich im Jahr 2008 auf die Suche nach anderen Möglichkeiten.

Damals lebte ich im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet, nicht weit von Passau. Dort nahm ich unter anderem einen Energetiker in Anspruch, der mir ehrlicherweise in der zweiten Sitzung sagte, er würde mir nicht gut helfen können. Dafür empfahl er mir ein sogenanntes Channeling bei jemand anderem. Ich wusste damals nicht, was ein Channeling ist, also fragte ich nach, und dieser Energetiker sagte mir, bei einem Channeling würde mir ein Mensch – ein sogenanntes Medium – Informationen aus dem Jenseits übermitteln, etwa von verstorbenen Verwandten, von einem Schutzengel oder von einem Geistführer. Allgemein spricht man hierbei auch von »Medialität«, »medialen« Kontakten oder »Medianismus«. Dabei ginge es laut diesem Energetiker weniger um Hellseherei, sondern um eine Lebenshilfe durch Informationen, an die man sonst nicht herankommt.

Diese Idee schien mir zu verrückt, daher lehnte ich sie zuerst ab. Ich war auch generell sehr skeptisch gegenüber diesem freien, unregulierten Psychomarkt. Alle möglichen Leute behaupten heute, sie hätten die wahre Verbindung zu Christus und Gott, könnten mit Geistwesen kommunizieren, hätten mystische Erfahrungen gemacht oder hätten besondere spirituelle Fähigkeiten.

 

Andererseits wirkte dieser Energetiker sehr bodenständig und ehrlich auf mich. Es ging ihm nicht hauptsächlich ums Geschäft, wie einigen dieser Psychotherapeuten, die ich davor aufsuchte. Diese waren nicht so ehrlich, um mir rechtzeitig zu sagen, dass sie mir nicht helfen können und ich mir wo anders Hilfe suchen soll. Im Gegenteil, die meisten von ihnen meinten, sie würden zu den besonders guten Therapeuten zählen und sie gaukelten ewig mit mir herum. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir dieser Energetiker unsinniges Zeug empfehlen würde.

 

So ließ mir die Möglichkeit eines Channelings keine Ruhe mehr und ich vereinbarte einen Termin bei dem Medium – in diesem Fall einer Frau –, welches mir der oben erwähnte Energetiker empfahl. Dieses Medium lebte im Bayerischen Wald und sagte mir bei der Terminvereinbarung, ich könne das Channeling auf CD oder MC aufzeichnen lassen. Inklusive Aufzeichnung würde der Preis zweihundert Euro betragen. Dieser Preis machte mich noch skeptischer, als ich es schon war. Immer wieder kam mir der Gedanke, das Ganze sei doch verrückt. Kurz vor dem Termin wollte ich noch absagen, aber ich wollte auch endlich wissen, was an der Sache dran ist. Also betrachtete ich das Ganze vorerst als empirisches Experiment.

 

Ich erkundigte mich vor dem Termin noch im Internet über Channelings und las beispielsweise etwas über »cold readings«. Demnach lockt ein falsches Medium den hilfesuchenden Menschen ein paar persönliche Infos heraus und bastelt dann eine Geschichte daraus zusammen, die dann das angebliche Channeling sein soll. Bei einem »hot reading« weiß das falsche Medium bereits etwas über die Teilnehmer, zum Beispiel durch vorherige Recherchen, ohne aber, dass die Teilnehmer über diese Recherchen Bescheid wissen.

 

Ich war von Grund auf resistent, auf solche Gaukeleien hereinzufallen, und zum damaligen Zeitpunkt umso mehr, weil ich bereits enttäuscht war von leeren Versprechungen am Psychomarkt. Dieser Markt kam mir Großteils vor wie ein Sumpf von Leuten, die nur Geld abkassieren wollen. Daher hatte ich damals bereits eine sehr skeptische und kritische Haltung. Falls sich das Channeling für mich als Unsinn herausstellen würde, hatte ich mir vorgenommen, es abzubrechen, der Anbieterin meinen Ärger zu äußern und auch nichts zu bezahlen. Aber es kam ganz anders.

William James, 1842 – 1910, Prof. für Psychologie an der Harvard Universität, Begründer der Psychologie in den USA, arbeitete lange Zeit mit einem berühmten Trance-Medium zusammen.

 

 

Falsche Behauptungen über Channelings und Abgrenzung zur dunklen Medialität

Ich selbst biete keine Channelings an, daher habe ich auch kein geschäftliches oder sonstiges Interesse, diese Sache zu verteidigen. Ich möchte einfach all jenen Menschen Aufklärung bieten, die für ernsthafte Channelings aufgeschlossen sind und darin eine gute Hilfe finden könnten. Dazu gehört es auch, Unsinnigkeiten, die über dieses Thema verbreitet werden, zu entkräften.

 

Falsche Behauptungen über Channelings stammen oft von Menschen, die sich in schlechte esoterische Kreise verirrt haben und dort enttäuscht wurden. Ja, es gibt gefährliche spirituelle Kreise und dramatische Leidenserfahrungen durch Okkultismus, da ist es dann verständlich, wenn es die Betroffenen gut meinen und andere Menschen warnen wollen. Aber wir Menschen neigen durch Enttäuschungen zu einseitigen Sichtweisen. Man kann in vielen Bereichen des Lebens schlechte Erfahrungen machen, das sollte dann kein Grund sein, sich auf blinde Verschwörungen einzulassen und alle möglichen Dinge in einen Topf zu werfen.

Von schlechten Erfahrungen betroffene Menschen finden dann oft in herkömmlichen Kirchen wieder Trost und werden dann gerne von Institutionen wie »CBN Deutschland«, »WunderHeuteTV«, »ERF Mensch Gott« oder »GloriaTV« aufgegriffen. Dort werden viele wertvolle Erfahrungsberichte geboten, aber leider fördern diese Institutionen auch einseitige Positionen. Da wird das Übersinnliche außerhalb des eigenen spirituellen Verständnisses oft pauschal dargestellt als »Esoterik« und »New Age«, die wiederum gleichgesetzt werden mit bösartiger bzw. dämonischer Medialität, oft auch bezeichnet als Okkultismus, Spiritismus, Geisterbeschwörung und Satanismus. Sogar der Begriff »Spiritualität«, der ja nur ein anderer Allgemeinbegriff wie »Religiosität« ist, wird oft mit bösartigem Okkultismus gleichgesetzt,

 

Hierbei werden jedoch einige entscheidende Dinge übersehen und nicht dargestellt:

  • Auch jene Menschen, die sich nur in den herkömmlichen Religionen aufhalten, sind nicht vor seelischen Krisen gefeit. In der katholischen Kirche zum Beispiel gibt es inoffiziell auch heute noch Exorzismen. Und viele Psychiater kennen es, dass Menschen auch aus traditionell-religiösen Bereichen erhebliche psychische Probleme bekommen, die wie »Besetzungen« oder ähnlich sind. Keine Kirche kann den Menschen ihre Lebensprobleme ersparen, sondern höchstens helfen, sie besser zu überwinden.

  • Wenn es stimmt, was in Matthäus 21,18-22 steht, dann hat Jesus einen Feigenbaum in einem kurzen Augenblick verdorrt, weil dieser keine Feigen trug. Normalerweise bezeichnen wir so etwas als Hexerei. Jesus sagte dann auch zu seinen Jüngern, auch sie könnten solche Dinge tun und noch viel mehr, wenn sie nur fest genug daran glauben würden. Wehe aber, es passiert etwas ungewöhnliches Übersinnliches außerhalb der eigenen Konfession, da sind gewisse bibeltreue Leute sehr schnell mit ihren Verschwörungen. Da ist dann sehr schnell die Rede von satanischem Okkultismus.

  • Wenn ein Mensch zum Beispiel durch einen Befreiungsdienst im Rahmen einer konfessionellen Kirche eine Heilung erfährt und meint, den Heiligen Geist erfahren zu haben, dann ist auch das etwas »Übersinnliches«, etwas »Spirituelles«.

  • Viele Menschen haben auch völlig unabhängig von konfessionellen Zugehörigkeiten heilsame spirituelle Erfahrungen. Dazu gehören zum Beispiel Vorahnungen, Erlebnisse der seelischen Befreiung bis hin zu außergewöhnlichen Heilungen und Gottes-Erfahrungen im Zuge von Nahtoderfahrungen, die auch Atheisten machen, weil es hierbei nicht auf konfessionelle Mitgliedschaften ankommt, sondern vielmehr auf die beteiligten Personen selbst, auf ihre innersten Wesenszüge. Besonders durch Nahtoderfahrungen verlieren Menschen meistens ihr »Ego«, ihre »weltlichen Anhaftungen« und ihre bösartigen Eigenschaften.

  • Auch die Inhalte der Bibel, die in der konfessionellen Sprache als Offenbarungen, Prophetie oder »göttliche Selbstmitteilungen« bezeichnet werden, beruhen auf derselben Natur dessen, was man heute als Channeling, Privatoffenbarungen oder Neuoffenbarungen bezeichnet.

 

Wenn Menschen außerhalb der traditionellen Kirchen positive spirituelle Fähigkeiten und Erfahrungen haben, warum sollen diese dann automatisch alle vom Bösen oder von einem »falschen Gott« stammen? Sehr viele Menschen sind ihr Leben lang ohne traditionelle Kirchen spirituell, sie führen ein sehr gutes, friedliches Leben und erfahren den Heiligen Geist ebenso wie Menschen in traditionellen Kirchen. Wäre die nicht-konfessionelle Spiritualität so gefährlich, wie manche Leute es darstellen, dann müssten viel mehr Menschen dort negative Erfahrungen machen. Umgekehrt dürften dann Menschen in traditionellen Kirchen nicht jene Krisen und Leidenszustände haben, die sie nun einmal auch haben. Sollten wir nicht langsam abkommen von diesem kleinlichen spirituellen Konkurrenzdenken und stattdessen lieber das Wahre und Gemeinsame in der Spiritualität erkennen?

 

Es ist doch viel entscheidender, die Natur hinter all diesen Begriffen zu durchschauen. Ganz allgemein gesehen handelt es sich dabei um die Natur, die auch als »Transzendenz« bezeichnet wird, also um die permanent existierende Verbindung zwischen der materiellen und der »jenseitigen« Welt. Die Natur, die das Channeling ermöglicht, existiert so oder so, egal ob man sie kennt und nützt, oder eben nicht. Und wenn man diese Natur nützt, so kommt es darauf an, ob man sie mit guten oder schlechten Absichten nützt, wie es eben auch bei anderen Dingen des Lebens ist. Ich kann beispielsweise jemanden anrufen, um ihn zu beleidigen oder um ihm etwas Freundliches zu sagen. Niemand würde sagen, die Möglichkeit des Telefonierens sei teuflisch, nur weil man am Telefon bösartig zu einem anderen Menschen sein kann. So kommt es auch bei Channelings darauf an, welche Absichten und Einstellungen die beteiligten »Geister« haben, also sowohl das Medium als auch die jenseitigen Geister. Die technische Seite dieser Sache, also wenn sich ein Mensch bereitstellt, um jenseitige Informationen zu empfangen, ist an sich keine »Geisterbeschwörung« in einem negativen Sinn.

 

Ja, in der Bibel gibt es zum Beispiel Aussagen, wo vor Geisterbeschwörung gewarnt wird, aber davon zu unterscheiden sind eben Offenbarungen. So heißt es beispielsweise in Sprüche 29-18: »Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf das Gesetz achtet.« Was ist eine Offenbarung? Ein echtes Channeling guter Geister ist im Grunde eine Form einer Offenbarung. In den Paulusbriefen heißt es etwa im 1. Kor. 14-26: »Sooft ihr euch versammelt, erhält ein jeder von euch einen Psalm, einen belehrenden Vortrag, eine Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung; das alles lasst zur Erbauung der Gemeinde dienen.«

 

Bei der teuflischen Medialität geht es um verrückte und bösartige Dinge. Da geht es etwa darum, anderen Menschen zu schaden, andere Menschen zu beherrschen und zu manipulieren, da geht es um Machtspiele und um Süchte, wie zum Beispiel darum, materiellen Prunk oder wollüstige Sexualität ins Leben zu bringen.

Bei der positiven Medialität geht es darum, dass Menschen ihre Vernunft entwickeln, dass sie frei werden von ihrer Unbewusstheit, von bösartigen Zügen, vom Egoismus und den Süchten. Da geht es nicht um hysterische Hellseherei oder egoistische Selbstverwirklichung, sondern um eine aufrichtige Hilfe, um ein gutes, tugendhaftes Leben zu verwirklichen.

 

Neben schlechten persönlichen Erfahrungen, religiösen Irrtümern und religiösem Konkurrenzdenken gibt es noch ein paar andere Gründe, warum Menschen über Channelings falsche Behauptungen aufstellen, vor allem den Neid auf erfolgreiche Anbieter und die altbekannte Angst vor unbekannten Dingen.

 

Beispielsweise jammern manche Coaches, die selbst keine Channelings machen können, hilfesuchende Menschen würden sich von Channelings Wunder erwarten und unseriöse Medien würden den Hilfesuchenden das Geld aus der Tasche ziehen. Ja, aber das gibt es auch in anderen Bereichen am Psychomarkt. Das kann man genauso über unseriöse Coaches und Psychotherapeuten sagen, die aus ihren Methoden Heiligtümer machen, und Hilfesuchende, die darauf hereinfallen, sich Wunder davon erwarten und Unmengen an Geld dafür verschleudern.

 

Manche Kritiker meinen dann etwa auch, man müsse Menschen dazu bringen, die Wahrheit von sich selbst aus zu erkennen. Ja, ein Channeling kann zwar etwas aufdecken, woran man über herkömmliche Wege nicht herankommt, aber viel mehr als eine Hilfe zur Erkenntnis kann ein Channeling sowieso auch nicht sein. Seriöse Anbieter preisen ihre Channelings als das an, was sie sind: Eine Hilfe zur Erkenntnis, nicht mehr und nicht weniger.

Hilfesuchende Menschen sollen letztlich selbst in die Lage kommen, seriöse Anbieter beurteilen zu können, egal an welche Bereiche und Methoden sie sich wenden. Dazu schreibe ich Artikel wie diesen, und ich habe auch ein umfassenderes Buch geschrieben: »Wie man gute psychische Hilfe findet«. Sie erhalten es gratis, wenn Sie sich zum Newsletter anmelden. Es ist nicht nur auf Psychotherapeuten anwendbar, sondern auf alle Arten von psychischer Hilfe. Ich habe dieses Buch für hilfesuchende Menschen erarbeitet, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es sein kann, sich am Psychomarkt orientieren zu können.

Was manche Religionen als den »Heiligen Geist« bezeichnen, kann sich den Menschen auf verschiedene Arten zeigen, nicht nur im Rahmen traditioneller Kirchen. Foto: privat.

 

Das Channeling und ähnliche Begriffe

Der Begriff Channeling hat sich weltweit in spirituellen Kreisen eingebürgert und bedeutet wörtlich übersetzt »Kanalisierung«. Gemeint ist in diesem Fall, dass ein Mensch Informationen vom Jenseitigen empfängt (»kanalisiert«), also etwa von verstorbenen Menschen bzw. deren Seelen, von Engeln oder von Gott. Andere sprechen etwa auch von »Séancen«, »medialen Durchsagen« oder »Jenseitsbotschaften«. Im Englischen spricht man anstatt von Channeling auch von »Reading« oder »Psychic Reading«. Die Person, die ein Channeling durchführt, wird oft als Medium bezeichnet. Andere übliche Begriffe dafür sind: Channelmedium, Jenseitsmedium, Engelmedium oder Trancemedium. Allgemein werden diese Menschen auch oft als »Seher« oder »Hellseher« bezeichnet. Im Englischen wird das Medium meistens als »Psychic«, »Psychic Reader« oder »Clairvoyant« bezeichnet.

 

Das Channeling ist genau genommen nur der Vorgang, bei dem die Information innerlich vom Medium empfangen wird. Üblicherweise umfasst der Begriff Channeling jedoch auch die mündliche Äußerung der Botschaft gegenüber anderen Menschen oder die Niederschrift der Information. Heute versteht man unter Channelings meistens persönliche Botschaften, die ein Medium direkt und mündlich an einzelne Menschen übermittelt. Bei der Übermittlung an eine Gruppe von Menschen spricht man auch von Séance. Im Grunde ist es aber auch ein Channeling, wenn ein Medium oder ein Seher allgemeine Informationen oder Bilder bzw. Visionen für sich allein empfängt und diese dann niederschreibt bzw. schriftlich erläutert. Hierbei spricht man auch vom »Schreibmedium«. Bekannte Beispiele dafür sind Bertha Dudde (1891 – 1965) und Jakob Lorber (1800 – 1864), wobei ich für mich persönlich bisher keine endgültige Entscheidung darüber getroffen habe, ob ich deren Werk für echt halte. Jakob Lorber bezeichnete sich selbst als »Schreibknecht Gottes«.

Um eine Botschaft aus der geistigen Welt zu empfangen, gehen manche Empfänger in einen Trancezustand, daher auch der Begriff »Trancemedium«. Sie nehmen dann meistens selbst von der Mitteilung nichts bewusst wahr. Die Stimme, Körpersprache und Ausdrucksweise des Mediums sind während der Übermittlung in Trance oft merklich verändert. Andere Empfänger gehen nicht in Trance und übermitteln nicht direkt, sondern nehmen die Informationen aus dem Geistigen bewusst wahr und äußern diese dann über die bewusste eigene Ausdrucksweise.

Foto: Jakob Lorber, Österreicher, 1800 - 1864. Wird von manchen Kennern als Mystiker und Medium betrachtet Bildrechte: Neu Salems Verlag, Lorber1, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

 

Meine persönlichen Channeling-Erfahrungen

Nun war es also so weit. Am Tag des Channelings verspürte ich von Anfang an eine leichte Nervosität. Einerseits war es die Angst, ich könnte auf etwas sehr Verrücktes oder gar Gefährliches hereinfallen. Ich erinnere mich noch gut an meine enorm skeptische Haltung. Ich stellte mich sogar besonders darauf ein, Fehler bei der ganzen Sache zu entdecken. Andererseits war es auch eine positive Neugier und die Hoffnung, endlich Mal eine ordentliche Hilfe zu erhalten.

 

Das Medium empfing mich sehr freundlich. Sie zeigte mir noch die Räume, in denen sie ihre Seminare veranstaltet. Wir hatten einen kleinen Smalltalk über meine Anreise. Es wurde auch geklärt, worum es beim Channeling gehen soll, ob ich ein besonderes Thema hätte oder ob ich die Botschaft von einem bestimmten Geistwesen erhalten möchte. Ich äußerte nur den Wunsch, dass es konkret um meine Lebenssituation und meinen psychischen Zustand gehen soll, die ich zum damaligen Zeitpunkt nicht ausreichend verstand.

 

Dann ging es los. Wir platzierten uns gegenüber sitzend an einem Tisch. Das Medium machte die Augen zu, versetzte sich in Trance und begann plötzlich mit einer auffällig anderen Stimme zu sprechen. Es passierte kein einziger Versprecher. Die Wörter kamen heraus wie bei einem professionell aufbereiteten Hörbuch, das für mich ganz persönlich erschaffen wurde. Auffällig war auch von Anfang an, dass hier höchst persönliche Informationen über mich und einige meiner engsten Verwandten kamen, die vorher keinesfalls über die körperlichen Sinne in das Gehirn dieser Frau eindringen konnten.

 

Es war völlig ausgeschlossen, dass dieses Medium vor dieser Sitzung irgendetwas über mich wusste. Ich hatte damals keine Homepage und war kaum präsent im Internet, schon gar nicht mit meinem richtigen Namen. Dieses Medium hatte es auch nicht nötig, mit Tricks zu arbeiten.

 

Ein Skeptiker, mit dem ich einmal über dieses Channeling sprach, war sehr kreativ, weil ihm immer wieder Ideen über mögliche Tricksereien kamen, die ein Medium anwenden könnte. Er meinte dann zum Beispiel, diese Medien hätten Gehilfen, die während der Sitzung heimlich in den Taschen der Hilfesuchenden schnüffeln, um an persönliche Informationen heran zu kommen, die sie dann den Medien unbemerkt über Kopfhörer per Funk zukommen lassen würden. Oder ein Medium könnte ­– auch wenn es ständig die Augen geschlossen hat – den Atem des Klienten hören und allein dadurch indirekt Informationen über den Klienten ablesen und diese wiederum nützen, um eine scheinbar persönliche Jenseitsbotschaft zurecht zu basteln.

 

Ja, vor allem bei Shows mit Publikum weiß man nicht, ob getrickst wird. Aber als kritischer Klient, der einen einzelnen Termin im privaten Haus eines Mediums hat, wird man solche Tricks weitgehend ausschließen können. Es ist haarsträubend, was gewissen Skeptikern alles einfällt, um Medialität unbedingt in den Schmutz zu ziehen und als Betrügereien darzustellen.

 

Natürlich kann ich hier keine Beweise dafür erbringen, dass die Channelings, die ich damals in Anspruch nahm, echt und gut waren. Aber mir geht es nicht darum, sture Extrem-Skeptiker zu überzeugen, die ihre Ansichten zu übersinnlichen Dingen sowieso kaum aufgeben und nur glauben, was sie glauben wollen. Ich erfreue mich an Menschen mit einer kritischen, vernünftigen Offenheit, die ihr Bewusstsein und ihre Authentizität entwickeln wollen. Letztlich darf jeder Mensch selbst beurteilen, ob er diesen Bericht hier von mir glaubwürdig findet oder nicht.

Meine Familie und ich waren jedenfalls für diese Frau vollkommen unbekannte Menschen. Es war auch ausgeschlossen, dass das Medium irgendetwas von dem oben erwähnten Energetiker über mich erfuhr. Dieser Energetiker wusste selbst kaum etwas über mich. Außerdem wusste er nicht, dass ich überhaupt einen Termin bei diesem Medium in Anspruch nahm. Auch das Medium erfuhr von mir nicht, wie ich auf sie kam. Sie hat auch nicht danach gefragt.

 

Dieses Channeling war auch kein »cold reading«, denn es sprach einzig und allein dieses Medium. Sie stellte keine einzige Frage. Es war kein Ratespiel, kein Frage-Antwort-Spiel, kein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten und Aussagen, die mehr oder weniger auf jeden Menschen zutreffen könnten. Ich saß fünfzig Minuten nur da und hörte zu. Dieser mediale Prozess war viel zu souverän, um irgendwelche Rückmeldungen von mir als Klient nötig zu haben.

 

Die Mitteilungen enthielten sehr tiefgehende Informationen über mich und einige meiner Verwandten. Es ging vorwiegend um die psychischen Zustände der beteiligten Menschen und deren zwischenmenschlichen Beziehungen. Es war keine einzige Falschinformation enthalten, kein einziger Fehler. Dies wurde mir vor allem in der Zeit danach bewusst, als ich mir die Aufzeichnung anhörte. Für mich wurde durch dieses Channeling ein deutlicher Beweis dafür erbracht, dass körperloser »Geist« real ist. Ich würde gerne mehr davon preisgeben, aber das wäre meinen Verwandten gegenüber indiskret.

 

Die Bedeutung einiger dieser Informationen wurde mir erst in der Zeit nach dem Channeling in aller Tiefe bewusst, wie es eben immer ist auf dem Weg der psychischen bzw. seelischen Erkenntnis. Das ist ähnlich wie bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten. Selbst wenn ein Therapeut seinem Klienten gut erklären kann, wie seine Depression entstand und wie er sie lösen kann, begreift man das als Klient nicht sofort. Daher arbeiten Therapeuten nicht viel mit Erklärungen.

 

Jene Informationen, die mir zum Zeitpunkt des Channelings bereits bewusst waren, waren so konkret, persönlich und exakt, um definitiv zu wissen, dass sie weit über Zufallstreffer hinausgingen. Besonders beeindruckten mich die Informationen über manche meiner Verwandten, deren Verhalten ich von Kindheit an schwer verstehen und akzeptieren konnte. Nach diesem Channeling haben sich meine inneren und äußeren Konflikte, die sich aus diesem Unverständnis ergaben, positiv verändert wie nie zuvor. Dazu fragte ich mich später oft, warum mich meine vorherigen Psychotherapeuten nicht zu diesen Erkenntnissen führen konnten, obwohl ich mit denen weitaus mehr Zeit verbrachte.

 

Die Informationen waren psychisch sehr tiefgehend. Hier bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, was Psychologie wirklich bedeutet. Es handelte sich um kein oberflächliches Standard-Psycho-Blabla. Hier ging es wirklich ans »Eingemachte«. Es kamen nicht nur Informationen, um meine Ist-Situation zu verstehen, sondern auch entscheidende Lösungswege, jedoch nicht im Sinne von Denk- oder Verhaltensvorgaben, sondern im Sinne von psychischen Erkenntnis- und Entwicklungsprozessen, die jeder Mensch letztlich nur selbst meistern kann. Daher sei an dieser Stelle betont: Ein echtes Channeling kann sehr förderlich sein, weil es zu Erkenntnissen führen kann, die man mit regulären psychischen Helfern nicht erreicht. Aber es kann keine Wunder bewirken.

 

Später ließ ich mich noch auf weitere Channelings bei einer Anbieterin ein, die ich bereits von psychologischen Beratungen her kannte. Auch hier erfuhr ich die gleiche Authentizität: Kein Ratespiel, kein cold reading, sondern die blanke Realität.

 

Wie man seriöse Anbieter und echte Channelings erkennen kann

Nicht alle Menschen, die behaupten, sie könnten Channelings machen, können es tatsächlich. Auf Medialität sollte man sich nur einlassen, wenn man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass das Angebot vertrauenswürdig ist.

Merkmale eines echten Mediums und echter Channelings:

  • Ein echtes Medium soll eine gereifte Person mit gutem Charakter und klarem Verstand sein. Sie soll authentisch, verständnisvoll, hilfsbereit, intelligent und weise sein, und keinesfalls: unfreundlich, zwanghaft, rechthaberisch, aufdringlich. Ein ordentliches Medium hat nichts zu tun mit Dingen wie schwarzer Magie oder Tischrücken, und es hat keine verrückt anmutende Erscheinung, keine »Gaukler-Persönlichkeit«.

  • Falsche Medien erkennt man unter anderem daran, dass sie allzu pauschale Behauptungen über die Jenseitswelt treffen, zum Beispiel: »Jede Seele bleibt 3 Tage nach ihrem körperlichen Tod erdgebunden.« Das nächste falsche Medium trifft dazu wieder andere Aussagen und das nächste wieder. So geht es ständig dahin mit diesen Leuten. Wer solche allgemeinen Aussagen trifft, ist in keiner Weise glaubwürdig.

  • Ein echtes Channeling enthält keine Aussagen, die mehr oder weniger auf jeden Menschen zutreffen können oder allgemein bekannt sind. Es enthält eher konkrete, spezifische Informationen.

  • Die Informationen enthalten keine oder nur wenige Fehler bzw. Fehlinformationen. Besonders bei einer direkten Übermittlung in Trance passieren erfahrungsgemäß auch keine Versprecher. Ein echtes Direkt-Channelings ist wie ein perfektes Hörbuch, jedoch ohne irgendwie vorbereitet worden zu sein.

  • Das Medium fragt den hilfesuchenden Menschen nichts oder nur wenig. Ein echtes Channeling ist kein Ratespiel und kein »cold reading«.

  • Weder von der Botschaft selbst noch vom Medium kommen Befehle oder sonstige Anweisungen an den Empfänger. Es kommen Informationen, Hilfestellungen, Hinweise oder zwanglose Empfehlungen.

  • Ein echtes Medium kann ermahnende Worte oder problematische Entwicklungen über die Zukunft übermitteln, aber es überbringt keine typisch evangelikalen Drohbotschaften, beispielsweise über eine ewige Hölle.

  • Bedrückende oder beängstigende Empfindungen können ein Zeichen dafür sein, dass das Medium nicht echt ist und Unsinn spricht, oder dass Geister mit schlechten Absichten gechannelt werden.

  • Ein echtes Channeling enthält keinerlei verschwörungstheoretischen Unsinn, wie etwa die Leugnung des Klimawandels, die Leugnung von Viren oder die Behauptung, die Erde sei flach oder würde bald völlig untergehen.

  • Ein echtes Medium fördert keine Feindbilder und Stereotypen, wie etwa »die Schulmedizin«, »die Politiker«, »die Journalisten« oder »die Linken«. Es trifft auch keine Aussagen darüber, welche Religion die einzig wahre sei oder welche politischen Parteien man wählen soll. Falsche Medien empfehlen oft bestimmte Religionen oder Politiker, die angeblich von Gott berufen seien. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass es sich um keine echten Jenseitsbotschaften handelt, sondern um eigene Interessen bzw. um die Inszenierung einer eigenen Ideologie.

  • Das Medium bzw. der »Geist« sagt nichts, wofür der Hilfesuchende psychisch nicht bereit ist. Es können zwar Informationen kommen, die nicht sofort völlig verständlich sind oder ein bisschen aufrütteln, aber es wird nichts gesagt, was den Hilfesuchenden verstören, verängstigen, unter Druck setzen oder seine Situation verschlimmern könnte. Es kommt auch nichts, was den Hilfesuchenden abwerten oder verurteilen würde.

  • Überhöhte Preise sind keine guten Zeichen. 250 Euro pro Stunde und inklusive Aufzeichnung halte ich für die Obergrenze. Wenn eine Person meint, sie könne mehr verlangen, weil sie stark ausgebucht oder besonders gut sei, so mag sie zwar dennoch mediale Fähigkeiten haben, aber dann sind wohl andere Interessen im Vordergrund, anstatt die Freude daran, anderen Menschen zu helfen.

Im Ur-Christentum war man noch lebendig mit dem Reich Gottes verbunden. Da gab es die Apostel, da gab es die Propheten – das war ein richtiges Amt in den Gemeinden – und die bekamen dann eben von oben Offenbarungen, wurden belehrt über das Leben, über die christliche Lehre. Man konnte Gott befragen. Das wurde schon bald verdrängt. Die Menschen wollten das Reden haben, sie suchten die Macht, das Ansehen.

Till Arend Mohr, dt. Theologe[i]

Quellen

[i] https://www.youtube.com/watch?v=GPSs_5VPyUI min 6:58

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