Die Nachteile von Antidepressiva

Eine Person, die Medikamente nimmt, muss sich zweimal erholen. Einmal von der Krankheit und einmal von den Medikamenten.

William Osler, Pionier der modernen Medizin, 1849 - 1919

In diesem Artikel geht es nicht darum, blind gegen Antidepressiva und die Pharmafirmen zu wettern. Ich war selbst betroffen und nahm einige Zeit lang Antidepressiva ein. In einer solchen Situation ist es nicht angenehm, wenn einem auch noch ein schlechtes Gewissen dafür eingeredet wird, weil man Psychopharmaka einnimmt. Dennoch sollte man sich gewisser Nachteile bewusst sein.

In den letzten Jahren zeichnet sich durch zahlreiche Studien auch immer mehr ab, dass Antidepressiva (fast) nur bei schweren psychischen Leidenszuständen wirken. Trotzdem werden sie vielfach auch bei mittleren und leichteren Leiden verschrieben und deren Nachteile werden verdrängt oder kleingeredet.

 

Die deutsche Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften macht beispielsweise darauf aufmerksam, dass die Wirkungen von Antidepressiva auch von Medizinern überschätzt werden, da Studien, in denen Antidepressiva besser als Placebo wirken, viel häufiger in Fachjournalen publiziert werden, als solche, in denen Antidepressiva nicht über Placebo-Niveau hinaus wirksam sind.[1]

 

Weitaus wirksamer und noch dazu frei von unerwünschten Nebenwirkungen kann hingegen die natürliche geistige und körperliche Entspannungsfähigkeit des Menschen sein. Diese wäre in vielen Fällen die bessere Medizin und man könnte sie vielen betroffenen Menschen allein schon innerhalb der vier bis acht Wochen beibringen, in denen ein Antidepressivum langsam zu wirken beginnt – falls es überhaupt wirkt.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist nicht als Aufruf zu verstehen, Antidepressiva leichtfertig abzusetzen oder die von einem Arzt empfohlene Einnahme unbedacht zu verweigern. Er soll nur anregen, eine mögliche oder bereits laufende Einnahme dieser Mittel zu überdenken.

 

Antidepressiva heilen nicht(s)

 

Antidepressiva würden »die Gehirnchemie wieder in Ordnung bringen« ist eine von mehreren Aussagen, die auf hilflose Betroffene sehr beruhigend und verlockend wirken können. Aber was bedeutet »in Ordnung«? Nur weil der Serotoninhaushalt künstlich unterstützt wird, kommt noch lange nicht das in Ordnung, was eigentlich in Ordnung kommen soll.

 

Selbst wenn Antidepressiva tatsächlich wirken, so bewirken sie keine echte Heilung, sondern nur eine künstliche Stabilisierung der Symptome. Manchmal ist das sinnvoll und das einzige, was momentan hilft. Aber man sollte wissen, dass eine Besserung nicht automatisch Heilung bedeutet. Auch viele Behandlungen, die man bei körperlichen Beschwerden anwendet, heilen nicht, sondern bewirken nur deshalb eine »Besserung«, weil sie für einige Stunden unangenehme Symptome regulieren. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es dann so, als würden diese Medikamente etwas »heilen«, während sie das eigentliche Heilungspotenzial des Menschen langfristig sogar unterdrücken oder schädigen können.

Antidepressiva und viele andere Medikamente können nicht jene Maßnahmen ersetzen, auf die es bei der psychischen Heilung wirklich ankommt. In den meisten Fällen ist etwas äußerlich im Leben und innerlich in der eigenen Wahrnehmung in Unordnung, und das können Tabletten ursächlich nicht ausgleichen.

Die innere (psychische) und äußere Lebenswirklichkeit eines Menschen selbst sind jene Bereiche, wo etwas in Ordnung gebracht werden will, damit sich das Nervensystem aus sich selbst heraus stabilisiert. Von außen können lediglich Therapie bzw. Therapieversuche kommen, also Maßnahmen, um in die Natur und Wirklichkeit des Menschen einzugreifen, entweder um Symptome zu regulieren oder die eigentliche Heilung zu fördern.

Tabletten-Euphorie und falsche Vorstellungen von Heilung

 

Natürlich soll man auch das Gute an der Pharmamedizin sehen. Aber in der heutigen Zeit sind sowohl Ärzte als auch Patienten oft sehr euphorisch mit Tabletten. Viel zu schnell wird Betroffenen gesagt, sie bräuchten alle möglichen Mittel und es gäbe »keine Alternativen«. Gleichzeitig neigen wir als Patienten dazu, lieber die bequemeren Möglichkeiten zu wählen, die jedoch oft nur kurzfristig bequem sind. Die Einnahme von Tabletten ist als einfache Lösung an sich schon verlockend und umso mehr dann, je weniger man bessere Möglichkeiten wahrnimmt, um das momentane Leiden zu lösen.

 

Am Thema Antidepressiva zeigt sich auch – wie an vielen anderen Beispielen der Medizingeschichte – dass Hersteller und Mediziner nicht immer wissenschaftlich genug sind in ihrem Denken und Handeln. Während Antidepressiva vor einigen Jahren noch als sehr wirksam angepriesen wurden – »wissenschaftlich belegt« natürlich –, warnen heute immer mehr Forscher, Antidepressiva seien bei weitem nicht so wirksam, wie man lange Zeit angenommen hat. Der Psychologieforscher Michael P. Hengartner ist nicht der einzige, der Antidepressiva sogar für »größtenteils nutzlos und potenziell schädlich« hält.[2]

 

Allein auch in der Bezeichnung »Anti-depressiva« spiegelt sich ein einseitiges Denken über Krankheit und Heilung. Sie kann nur von Menschen stammen, die selbst nie einen wirklichen Weg der Heilung gegangen sind. Ein Merkmal von Depressionen und übermäßigen Ängsten ist bereits ein »Anti«, ein Gegen – man ist (unbewusst) bereits in einem Widerstand gegen sich selbst und das Leben – dies zeigt sich auch in dem Begriff De-pression. Gerade in Angst und Depression ist es entscheidend, sich selbst und das Leben vielmehr wieder zwanglos annehmen zu können, also wieder mehr in ein »Für« gegenüber sich selbst, anderen Menschen und äußeren Umständen zu kommen.

 

Eine kämpferische Gegenhaltung kann den Heilungsverlauf zusätzlich blockieren, weil sie das Problem der »Anstrengung« fördert, welches bei Depressionen und übermäßigen Ängsten sowieso schon ein ursächlicher psychischer Faktor ist. Krankheitssymptome sollen nur dann bekämpft werden, wenn sie drohen, aus dem Ruder zu laufen. Ansonsten sind Krankheiten da, um etwas daraus zu lernen – das gilt besonders bei psychischen Leidenszuständen. Haltungen des Dagegen-Seins, des »Anti«, behindern die Lösung. Es ist, als würde man Feuer mit Feuer löschen wollen.

 

Nicht selten wird etwa auch behauptet, der ganze Körper bestünde sowieso aus Chemie und es mache keinen Unterschied, ob Serotonin chemisch von außen zugeführt oder natürlich im Körper selbst hergestellt wird. Aber das ist eine etwas zu einfach. Es geht um wesentlich mehr Stoffe als nur um Serotonin. Es scheint hier ähnlich zu sein wie mit Vitaminen. So ist es aus der Forschung schon seit langem bekannt, dass die Einnahme einzelner Vitamine oft keine oder nur eine schwache Wirkung entfalten, während sie in ihrer natürlichen Form eine sogenannte synergistische Wirkung entfalten, weil noch weitaus mehr Pflanzenstoffe eine Rolle spielen, als nur bestimmte Hauptvitamine.

Es ist auch ausreichend belegt, dass bewusste geistige Veränderungen nicht nur die Gehirnchemie, sondern sogar die Aktivitäten der Gene positiv verändern können. Körperliche Auffälligkeiten, wie etwa ein Serotoninmangel, sind oft nicht die Ursachen eines Problems, sondern nur die Folgen. Symptome und Ursachen miteinander zu verwechseln ist eines der typischen Probleme eines Denkens, bei dem der Mensch auf ein Stück evolutionäres Fleisch und Biochemie reduziert wird.

Schließlich wird auch gerne vergessen, dass es nicht nur künstliche, sondern auch natürliche Psychopharmaka gibt. Erstens beginnt gute Therapie bereits mit dem Loslassen des Schädlichen, also etwa einer belastenden Ernährungsweise. Zweitens nimmt man mit einer guten allgemeinen Ernährung bereits natürliche Psychopharmaka und andere Arzneien zu sich. Mit einer speziellen natürlichen Ernährung können bestimmte Leidenszustände gezielter unterstützt werden.

 

Abhängigkeit und Absetzen

 

Meistens wird Hilfesuchenden gesagt, Antidepressiva würden nicht abhängig machen. Die Praxis zeigt jedoch – wie so oft – ein anderes Bild. Sehr viele Betroffene tun sich enorm schwer, von Antidepressiva loszukommen. Das Problem der Abhängigkeit wird stark verharmlost.

 

Jedes Mal, wenn ich ein solches Mittel einnehme, so sage ich mir damit zumindest unbewusst, dass ich dieses Mittel brauche, um leben zu können. Damit entsteht eine psychisch-emotionale Abhängigkeit. Ein Hauptmerkmal von Ängsten und Depressionen beruht darauf, sich mehr oder weniger als ohnmächtig zu sehen und entsprechend zu fühlen. Die Einnahme psychischer Medikamente kann dazu führen, sich noch ohnmächtiger und unfähiger zu fühlen, als es bereits der Fall ist. Dadurch kann sich das Problem der inneren Ohnmacht verstärken.

 

Die Heilung von Angststörungen und Depressionen erfolgt vor allem im Leben selbst. Je klarer man erkennt, durch welche Muster im Denken, Fühlen und Verhalten die eigenen Stress- und Leidenszustände entstehen, umso unmittelbarer kann man diese Muster verändern, das Leben passender gestalten und heilsame Zustände des Vertrauens und der Lebensbejahung erreichen. Dadurch entsteht wirkliche Heilung von innen her. Je besser dies gelingt, umso einfacher kann es werden, Antidepressiva abzusetzen und eine Entzugsphase zu überwinden.

 

 

Zitate

Ich denke vor allem, dass die Pharmaindustrie nicht länger die Wirksamkeit ihrer eigenen Medikamente bestimmen dürfte. Stellen Sie sich vor, eine Fußballmannschaft dürfte selbst den Schiedsrichter stellen! Jedem leuchtet unmittelbar ein, dass das System Sport so nicht funktionieren würde.

Michael P. Hengartner, Schweizer Psychologie-Forscher [3]

Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.

Hippokrates von Kos, berühmtester Arzt des Altertums, 460 – 370 v. Chr.

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressivum

[2] https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/groesstenteils-nutzlos-und-potenziell-schaedlich/

[3] https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/groesstenteils-nutzlos-und-potenziell-schaedlich/

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