Wie man die Angst vor dem Tod verlieren kann

Es gibt gewisse Artikel im Internet, wonach man die Angst vor dem Tod einfach und schnell verlieren könne. Atheisten kommen dann meistens mit dem Argument, es gäbe kein Jenseits und man solle daher das Leben so gut wie möglich leben und die Endlichkeit einfach akzeptieren. Religiöse bzw. spirituelle Menschen argumentieren gerne mit einer schöneren Jenseitswelt oder mit der Gefahr, in die Hölle zu kommen.

 

Wenn bestimmte Überzeugungen jedoch tiefer sitzen und noch dazu unbewusst sind, dann kann zur Lösung von Ängsten eine Art Lernprozess nötig sein, daher geht dieser Artikel etwas tiefer und er ist deutlich länger als die meisten anderen zu diesem Thema. Er ist eher für jene Menschen gedacht, die für Jenseitsvorstellungen offen sind oder sowieso bereits von der Existenz des Jenseits überzeugt sind. Es handelt sich jedoch um keinen religiösen Artikel im konfessionellen Sinne.

Inhalte

Unbewusste Ängste rund um den Tod

Die Angst vor einem schmerzvollen Sterbeprozess ist eine der bewussteren Ängste zum Tod. Sie ist durch die moderne Palliativmedizin heute stark beruhigt. Darüber hinaus können Menschen unter weiteren Ängsten rund um das Thema Tod leiden, die entweder gar nicht oder nur teilweise bewusst sind.

 

Dazu gehört vor allem eine generelle Angst davor, Prozesse des Lebens nicht zu kennen und kontrollieren zu können. Jeder Mensch weiß: Der körperliche Tod ist gewiss. Er ist nur eine Frage der Zeit. Kein Mensch kann etwas dagegen tun. Die zentrale Angst ist hier also die Angst vor Unklarheit und Unkontrollierbarkeit, vor unbekannten und (möglicherweise) übermächtigen Dingen.

 

Aus dieser Unklarheit können auch andere Ängste hervorgehen – genauer gesagt beängstigende Vorstellungen: Werde ich leiden, falls es nach dem körperlichen Tod weiter geht? Werde ich geliebte Menschen wieder sehen? Wenn das Leben weiter geht, mit welcher Art von Lebewesen werde ich es zu tun haben und wie werden sie mich behandeln? Gibt es einen strafenden Gott und eine Hölle? Komme ich in den Himmel, falls es diesen gibt? Diese Ängste können sich nicht nur auf sich selbst beziehen, sondern auch auf andere, insbesondere vertraute Menschen. Zum Beispiel: Wird es meiner Frau gut gehen, falls sie nach ihrem Tod weiter lebt?

Warum die Angst vor dem Tod sinnvoll ist

 
 
 
 
 

Die Angst vor dem Tod folgt aus der Angst vor dem Leben. Ein Mann, der voll lebt, ist bereit, jederzeit zu sterben.

Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens), amerik. Schriftsteller, 1835 – 1910

Ängste sind nicht immer so sinnlos oder illusorisch, wie es oft dargestellt wird. Alle Ängste sind letztlich Ängste vor dem Leiden und dem Sterben. Von ihrem natürlichen Sinn her machen sie den Menschen darauf aufmerksam, Situationen oder Entwicklungen so zu verändern, damit das Leben vor dem Leiden und dem frühzeitigen Sterben bewahrt bleibt. Daher ist die Angst auch nicht generell das »Gegenteil der Liebe«, wie es oft ganz pauschal behauptet wird. Wenn man schon ein Gegenteil der Liebe definieren will, dann wäre dieses wohl eher das Trennende, das Egoistische und Bösartige. Dieses ist zwar oft die Folge der Angst, aber ein sinnvolles Ausmaß der Angst in bestimmten Situationen ist manchmal ein guter Helfer für das Leben.

Der Mensch spürt es intuitiv, wenn sein Leben nicht stimmig ist, wenn der Sinn fehlt. Man fühlt sich dann so, als wäre man noch nicht »angekommen«, weshalb man ständig auf der Suche ist, ohne vielleicht zu wissen, wonach man überhaupt sucht oder suchen soll. Jeder Mensch – und das kann man besonders aus der Beschäftigung mit dem Tod und Jenseits lernen – hat bestimmte Fähigkeiten und Lebensaufgaben. Wir sind uns kaum dessen bewusst, was für Fähigkeiten überhaupt in uns schlummern und wie gut wir das Leben eigentlich gestalten könnten. Und hierin liegt auch ein Grund dafür, warum wir uns schnell schuldig fühlen: Unbewusst wissen wir, dass wir viele Dinge besser machen könnten, als es der Fall ist und war. Das betrifft nicht nur lebenstechnische Dinge, sondern ganz besonders auch das Zwischenmenschliche. Wie oft denkt man sich etwa im Nachhinein, man würde sich heute anders verhalten als damals, zum Beispiel geduldiger, authentischer, humorvoller oder hilfsbereiter. Deshalb haben auch Emotionen wie Schuld und Scham einen lebenspraktischen Sinn. Der Mensch hat das Streben in sich, sein Potenzial zu entwickeln und den Sinn des Lebens zu begreifen. Aber dafür ist eine gewisse Lebenszeit nötig. Es soll nicht zum frühzeitigen Tod kommen, und dazu dient uns die Angst.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Angst vor dem Tod sinnvoll sein kann, und diese bezieht sich auf die Frage, was nach dem körperlichen Tod kommt. Wer sich ausführlicher mit Nahtod- und andern transzendenten Erfahrungen beschäftigt weiß, dass Menschen nicht nur lichtvolle, sondern auch sehr unschöne, »dunkle« Erfahrungen machen können. Mehr dazu später.

Stimme jede Tat, jedes Wort und jede Absicht so ab, dass du an diesem Augenblick aus dem Leben scheiden könntest.

Mark Aurel, röm. Kaiser und Philosoph, 121 – 180

Warum die einen Angst vor dem Tod haben, andere nicht

Laut Studien haben Atheisten und Gläubige gleich viel oder wenig Angst vor dem Tod, es gibt hier offenbar keine wesentlichen Unterschiede, denn die Vorstellungen rund um das Thema Tod und Sterben können sowohl innerhalb von Atheisten als auch unter religiösen Menschen sehr unterschiedlich sein.

 

Jeder Mensch entwickelt von Kindheit an bestimmte Überzeugungen, was größtenteils unbewusst geschieht. Besonders als Kind übernimmt man automatisch die Ansichten und Verhaltenseinstellungen anderer Menschen. Unbewusst können hier vor allem zwei Dinge sein. Erstens: Fehlerhafte Überzeugungen, von denen man nicht weiß (sich nicht dessen bewusst ist), dass sie eben fehlerhaft sind. Beispiel: »Gott wirft ungläubige Menschen in die Hölle.« Und zweiten kann unbewusst sein: Die Wirkungen dieser Überzeugungen auf das Leben und das eigene Lebensempfinden. Diese Fülle an Überzeugungen, die ein Mensch entwickelt, bestimmt sein generelles Lebensempfinden, sein Empfinden und Verhalten in bestimmten Situationen, und sein Empfinden in Bezug auf bestimmte Themen, zum Beispiel auf das Thema Tod.

Mit den Überzeugungen gehen immer bestimmte, mehr oder weniger bewusste Vorstellungen einher. Übermäßige Angst, also Angst ohne direkte Gefahr, beruht meistens auf bedrohlichen Vorstellungen über eine momentan reale Situation oder ein Thema. Der Tod ist für die meisten lebenden Menschen keine aktuelle greifbare Situation, sondern momentan nur ein geistiges Thema. Bewusst und unbewusst richtet der Mensch immer wieder den Blick nach vorne, in die sogenannte Zukunft. Er malt sich aus, wie gewisse Situationen oder das Leben generell verlaufen werden.

 

Nachdem aber das menschliche Denken von einem Vorsichtsprinzip geprägt ist, neigt man zu bedrohlichen Vorstellungen und damit zur Angst, sobald man über den Verlauf einer Situation oder ein persönlich wichtiges Thema in der Ungewissheit ist. Denn ohne Klarheit über eine Situation hat man auch weniger oder gar keine reale Gestaltungsfähigkeit dazu (»Wirksamkeit«, Handhabbarkeit). In der Folge neigt man aufgrund des Vorsichtsprinzips – auch unbewusst – dazu, sich mögliche Gefahren auszumalen, wodurch das Nervensystem mit Angst reagiert. Ein einfaches Beispiel: Ich bin allein in meiner Wohnung und plötzlich höre ich ein ungewöhnliches Geräusch. Solange ich nicht weiß, woher dieses Geräusch kommt, kann Angst entstehen. Das Geräusch könnte von einem gefährlichen Menschen oder Tier stammen. Diese Vorstellungen lösen die Angst aus. Die Folgereaktion ist »Kampf« bzw. Anspannung oder Rückzug (»fight or flight«).

 

Sowohl in konkreten Situationen als auch generell im Leben brauchen Menschen ein Mindestmaß an Klarheit und Handlungsfähigkeit, um sich sicher zu fühlen und vertrauensvoll leben zu können, daher heißt es, Wissen sei Macht. Genau genommen ist es nicht das Wissen allein, sondern das angewendete Wissen. Aber das Wissen kann eine wichtige Vorstufe zur Handlungsfähigkeit sein. Vertrauen entsteht durch die »Aussicht« darauf, dass die aktuellen und zukünftigen Handlungsfähigkeiten und -möglichkeiten ausreichen, damit das Leben (überwiegend) gelingt.

 

Wenn nun einem Menschen das Thema Tod nicht wichtig ist oder er mit der Vorstellung zufrieden ist, nach dem körperlichen Tod sei alles vorbei, dann muss er auch nichts über den Tod wissen. Daher löst Unwissen in diesem Fall keine Angst aus. Für jene hingegen, die ein Jenseits für möglich oder tatsächlich real halten, aber keine positiven Vorstellungen darüber haben, ist mehr Wissen ein wichtiger Schlüssel, um übermäßige Ängste davor zu besänftigen.

 

Das Problem mit der Bibel

 

Manche mögen meinen, die Bibel und andere spirituelle Schriften würden uns bereits Informationen über den Tod und das Jenseits vermitteln. Ja, das tun sie teilweise, aber die Jenseitsvorstellungen der Kirchen und Gläubigen sind recht unterschiedlich, daher haben auch viele religiöse Menschen Angst vor dem Tod.

 

Für diese unterschiedlichen Glaubensvorstellungen gibt es im Wesentlichen drei mögliche Gründe:

  • Manche Texte der Bibel sind falsch bzw. nicht prophetisch, sondern nur persönliche Meinungen der Schreiber.

  • Spirituelle Texte sind zwar nicht generell falsch, aber ursprünglich oder durch Übersetzung missverständlich ausgedrückt, woraufhin sie auch falsch verstanden werden.

  • Spirituelle Texte sind zwar wahrhaftig und korrekt formuliert, werden aber dennoch falsch interpretiert, weil der Mensch kein zureichendes Vorstellungsvermögen über das Spirituelle hat.

 

Viele Konfessionen sind recht willkürlich bei der Frage, was denn nun die Bibel aussagt und was nicht. An vieles, was in der Bibel steht, halten sie sich in keiner Weise, zum Beispiel nicht an gewisse brutale Gebote des Alten Testaments, oder an das Verbot, Schweinefleisch zu essen. Bei gewissen anderen Stellen hingegen besteht man vehement darauf, sie seien »eindeutig« die Wahrheit, zum Beispiel dass Homosexualität eine Sünde sei und gewisse Menschen von Gott in die ewige Hölle geworfen werden.

 

Manche heutigen Theologen würden die Bibel anders zusammenstellen, wie sie momentan noch verbreitet ist, weil sie einiges davon nicht als wahrhaftig prophetisch beurteilen, während inzwischen andere Schriften auftauchten, die sie eher als prophetisch bewerten. Die Bibel enthält wohl größtenteils Wahres, aber auch Fragwürdiges, Widersprüchliches und Irreführendes. Sie wurde von Menschen zusammengestellt, die nicht immer beurteilen konnten, welche Texte wirklich prophetisch sind und welche nicht.

 

Warum auch korrekte Bibelstellen schwer zu verstehen sind

 

Auch zu den wahrhaftigen spirituellen Texten hat der Mensch in der Regel ein unzureichendes Vorstellungsvermögen, daher gibt es in christlichen Religionen eigentlich ein sehr sinnvolles Verbot: das Bilderverbot. Dieses wird oft so verstanden, als beträfe es nur gemalte Bilder. Entscheidender ist jedoch die die Fülle an Vorstellungen (inneren Bildern und »Filmen«), die der Mensch in seinem Kopf erzeugen kann. Wenn wir uns das Jenseitige zu sehr durch irdische Dinge vorstellen, dann entstehen irreführende »Bildnisse« und entsprechende Überzeugungen.

Realistische Vorstellungen kann uns am ehesten die Natur selbst vermitteln, und zwar durch transzendente und mystische Erfahrungen, zu denen auch Tausende von Nahtoderfahrungen gehören. Auch wahrhaftige Prophetie beruht auf der Natur dessen, was wir als Transzendenz und Mystik bezeichnen. Ganz allgemein gesehen handelt es sich dabei um die permanent existierende Möglichkeit für irdische Menschen, bewusst etwas aus unserer ständig präsenten, »jenseitigen« Ur-Realität wahrzunehmen, seien es konkrete verbale Informationen, Bilder bzw. Visionen oder Seelenwesen wie Christus.

 

Wenn man sich mit diesen Phänomenen beschäftigt, dann dürfte eine Sache davon besonders auffallen: Menschen mit mystischen Erfahrungen verlieren nicht nur die Angst vor dem Tod, sondern haben sogar eine Sehnsucht nach dem, was danach kommt. Auch viele von jenen Menschen, die eine beängstigende Nahtoderfahrung hatten, neigen eher dazu, sich auf »das Leben danach« zu freuen, weil sich die meisten dieser unschönen Erfahrungen in hoffnungsvolle wandelten.

Den Menschen mit mystischen Erfahrungen ist es zwar nur schwer möglich, ihre Eindrücke zu erklären, denn diese sind »unsagbar«, aber durch ihre Schilderungen können jenseitige Realitäten besser verständlich werden als nur durch Schriften. An der Schwierigkeit, Jenseitserfahrungen irdisch-wörtlich zu erklären, zeigt sich auf umgekehrte Weise, warum das Bilderverbot so sinnvoll ist und warum der irdische Mensch sich so schwer tut, das Jenseitige zu verstehen, solange er selbst noch keine Jenseitserfahrung gemacht hat.

 

Auch Geistliche und Theologen machen Nahtoderfahrungen, und sie sind danach meistens erstaunt darüber, dass das »Geistige« doch etwas anders ist, als sie es von ihrer Theologie her meinten. Vor allem wissen sie danach, dass es keine einzig wahre Kirche gibt und warum es diese gar nicht geben kann. Auch Begriffe wie »Geist«, »Geistige Welt« oder »Bewusstsein« sind irreführend, weil es sich dabei keineswegs um etwas Gedankliches im theoretischen Sinne handelt, sondern vielmehr um eine andere Form von Physik, die man im reinen Seelenzustand noch dazu weitaus lebendiger wahrnimmt, als das Leben im irdischen Zustand.

Mit der Hilfe transzendenter Erfahrungen können die Aussagen spiritueller Schriften – wie etwa der Bibel – besser verständlich werden. Und man kommt dadurch auch eher in die Lage, überhaupt erkennen zu können, ob eine biblische Schrift wirklich prophetisch ist oder nicht.

Was im Neuen Testament uns durch Schleier und Nebel sichtbar wird, tritt in den Werken der Mystiker ohne Hülle, in voller Klarheit und Deutlichkeit uns entgegen. Endlich auch könnte man das Neue Testament als die erste, die Mystiker als die zweite Weihe betrachten.

Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph u. Hochschullehrer, 1788 – 1860

Wir sehen manchmal mehr als Wissenschaft

Wem zu glauben ist, redlicher Freund, das kann ich dir sagen: Glaube dem Leben; es lehrt besser als Redner und Buch.

Johann Wolfgang von Goethe, dt. Dichter, 1749 – 1832

Viele Menschen, die eine Abneigung gegen Religion und Jenseitsvorstellungen haben, berufen sich gerne auf die Wissenschaft. Da heißt es dann etwa, Wissenschaft hat die Existenz des Jenseits nicht bewiesen oder sie hätte sogar bewiesen, es gäbe kein Jenseits.

 

Ja, die Mainstream-Wissenschaft hat bisher keine Beweise für die Existenz des Jenseits erbracht, aber sie untersucht auch all jene Phänomene nicht ordentlich, durch die man das Jenseitige wissenschaftlich untersuchen kann. Skeptiker beschäftigen sich mit diesen Phänomenen eher mit der voreingenommenen Haltung, es handle sich dabei nur um Zufälle, Hirngespinste oder Lügen. Sie haben hier nicht die Neugier und Offenheit, die für eine vernünftige wissenschaftliche Forschung wirklich nötig wäre.

 

Jene Forscher, die sich systematisch mit übersinnlichen Phänomenen – insbesondere mit Nahtoderfahrungen – beschäftigen, werden zwar immer mehr, sind aber immer noch eine Minderheit, und ihre bisherigen Forschungen bringen zwar viele Informationen zutage, aber keine ausreichenden Beweise für die nicht-irdische Existenz im streng wissenschaftlichen Sinne.

 

Die britische Skeptikerin und Psychologin Susan Blackmore meinte zum Beispiel vor einigen Jahren, das Interesse an Nahtoderfahrungen sei ein Hype und würde bald wieder verschwinden. Inzwischen ist genau das Gegenteil eingetreten. Es gibt so viele Interessenten und Nahtodforscher wie nie zuvor. Viele dieser Forscher waren vor ihrer Forschertätigkeit überzeugte Atheisten. Entweder hatten sie irgendwann selbst eine Nahtoderfahrung oder sie wurden auf dieses Thema aufmerksam, weil Patienten nach ihrer Bewusstlosigkeit von Ereignissen berichteten, die sie keinesfalls über die körperlichen Sinne wahrnehmen konnten. Zum Beispiel wissen die Betreffenden oft viele Details darüber, was im OP-Saal passierte, was sie jedoch nicht einmal wahrnehmen hätten können, wenn sie wach gewesen wären. Damit erweist sich, dass das Bewusstsein bzw. die Wahrnehmung unabhängig vom Körper existieren kann. Man spricht hierbei auch von der »Wahrnehmungsvalidierung«.

 

Nahtoderfahrungen sind jenes, was man auch als mystische oder transzendente Erfahrungen bezeichnet. Transzendieren heißt übersteigen. Eine transzendente Erfahrung entsteht, indem ein Mensch deutlich etwas wahrnimmt, was er normal nicht über seine körperlichen Sinne bzw. sein körperliches Nervensystem wahrnimmt.

 

Nicht nur Nahtodforscher sind (eher) der Ansicht, dass das Jenseits existiert. Gerade auch viele berühmte Physiker sagen uns nun schon seit über hundert Jahren, dass es gar keine Materie gibt, sondern Materie nur ein vergängliches Endprodukt von Dingen ist, die wir als Geist, Information, Bewusstsein, Feinstoff oder Energie bezeichnen.

 

Abgesehen von der akademischen Forschung können Menschen jedenfalls auch dadurch zu Wissen und Gewissheit über eine Sache gelangen, indem sie diese direkt erfahren oder sich mit entsprechenden Dingen beschäftigen. So kann der Mensch durch seine Erfahrungen und Beobachtungen der Wissenschaft voraus sein.

Viele >Gebildete< zeigen in geistigen Dingen mehr Unverstand als die Einfältigen, weil sie stets nur verneinen wollen und dies durch Wissenschaftliches, das ihnen fortwährend und in Menge vor den Augen steht, begründen.

Emanuel von Swedenborg, schwed. Wissenschaftler und Mystiker, 1688 - 1772[1]


 

Eine Ahnung vom menschlichen Ursprung bekommen

 
 

 

Man könnte meinen, der Glaube an einen wunderschönen Himmel mag verzweifelte Menschen noch mehr zum Suizid verleiten. Diese Vorstellung wurde sogar in dem amerikanischen Film »The Discovery« (Die Entdeckung) von 2017 thematisiert. Dieser Geschichte zufolge stieg die Selbstmordrate weltweit drastisch an, nachdem es wissenschaftlich großflächig als bewiesen anerkannt wurde, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Sehr realistisch dürfte dieses Szenario jedoch nicht sein, denn die Mehrzahl der Weltbevölkerung glaubt an ein Leben nach dem Tod, ohne deshalb Suizid zu begehen. Die meisten Menschen spüren intuitiv, dass es nicht richtig ist, sich eigenmächtig das Leben zu nehmen.

 

Gerade aus mystischen Erfahrungen zeigt sich außerdem, dass jene Seelen, die ihren menschlichen Körper durch Suizid ablegten, dies oft bereuen. Mystik lehrt uns, dass die zeitlich begrenzte Gebundenheit der Seele an den Körper einen spirituellen Sinn hat. Sie zeigt auch, dass das Jenseits nicht nur aus Licht und Liebe besteht (mehr dazu weiter unten).

 

Menschen haben nach tiefen mystischen Erfahrungen meistens viel weniger Angst vor dem Leben und dem unausweichlichen körperlichen Tod, weil ihnen durch diese Erfahrung die wahre menschliche Heimat in Erinnerung gerufen wurde und sie dadurch auch die gesamte Existenz viel besser verstehen. Sie wissen, dass der Mensch die Möglichkeit hat, als Seele in ihren Ursprung heimzukehren, wo völlige Liebe, Erfüllung und Geborgenheit vorherrschen und das Böse, die Unsicherheit und das Leiden nicht existieren – jedenfalls nicht innerhalb der Bereiche des »Lichts«. Daher freuen sich viele Menschen nach ihrer mystischen Erfahrung sogar auf den Tod, den sie nicht als Ende, sondern als Übergang bzw. Heimkehr in die primäre Existenzform des Menschen betrachten.

 

Als eines von vielen Beispielen dazu der Fall des Holländers Evert Ter Beek: Bei seinem fünften Herzinfarkt hatte er laut eigener Aussage eine Nahtoderfahrung.[2] Obwohl Evert trotz seiner Herzinfarkte immer noch ein gutes Leben führt, macht er seit seiner NTE etwas, was seine Frau sehr beunruhigt und enttäuscht: Immer wieder nimmt er absichtlich eine Liegeposition ein, von der er genau weiß, dass sie für sein Herz nicht gut ist, um letztlich zu sterben. Seine Frau berichtet darüber, wie traurig sie jedes Mal ist, wenn sie ihren Mann auf der falschen Seite liegend erwischt, weil sie genau weiß, was er damit bezweckt. Evert würde keine Sekunde zögern, könnte er sich freiwillig für das Leben im Jenseits entscheiden.

 

Die Amerikanerin Betty Eadie beschreibt in ihrem Buch, »Licht am Ende des Lebens«, ihre Nahtoderfahrung, die als eine der umfangreichsten bekannt wurde.[3] Als ihr während ihrer NTE bewusst wird, dass sie wieder zurück muss in ihr menschliches Leben, fängt sie an, mit ihren seelischen Begleitern zu diskutieren, weil sie drüben bleiben will. Letztlich sieht sie jedoch selbst ein, weshalb sie zurück muss. Sie trifft mit ihren Begleitern die Abmachung, dass sie heimgeholt wird, sobald sie ihre Lernprozesse durchlaufen und ihre irdischen Aufgaben ausreichend erfüllt hat. Einige Zeit nach ihrer NTE gelingt es Betty, ihr irdisches Leben wieder gut anzunehmen. Dieser Fall zeigt: Man kann eine gesunde Vorfreude auf das jenseitige Leben haben, aber gleichzeitig das irdische Leben ganz bodenständig leben, ohne an einer übertriebenen Jenseitssehnsucht zu leiden.

 

Der Engländer Ken Martin erinnert sich klar an sein ablehnendes Gefühl, welches er in dem Moment empfand, als er in seinen Körper zurückkam. Auch er führte ein gutes Leben. Aber als er realisierte, dass er in seinem Körper zurück war, dachte er sich: »Oh Gott – nicht wieder dieses Leben!«[4] Dieses irdische Leben empfand er plötzlich als bedeutungslos. Aber auch er berichtet davon, dass er sein irdisches Leben später wieder freudvoll annehmen konnte.

Als weiteres Beispiel sei hier der Fall von Emanuel Schünemann erwähnt.[i] Emanuel war ein lebensfroher Mensch und hatte mit 16 Jahren durch einen häuslichen Unfall eine Nahtoderfahrung. Danach hatte er eine sehr starke Sehnsucht nach dem wunderschönen Gefühlszustand, den er während seiner NTE erlebte. Nach dieser Erfahrung bemühte er sich ständig, diesen Gefühlszustand irgendwie lebendig zu machen. Da ihm dies nicht gelang, nahm er sich etwa 2,5 Jahre später im Alter von 18 Jahren das (irdische) Leben.

 

Nahtod- und andere Formen von mystischen Erfahrungen geben uns Antworten auf wichtige Fragen, die uns die akademischen Naturwissenschaften und viele Religionen bisher nicht geben können. Sie zeigen, dass der Ursprung des Menschen eine Dimension ist, die man nur sehr vage erahnen kann, solange das Bewusstsein an den irdischen Körper gebunden ist.

Wenn da jetzt der Tod anklopfen würde, würde ich sagen ‚schön, dass du da bist‘ … Ich hatte nie das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Nach meiner Nahtoderfahrung weiß ich, was Zuhause ist. Für mich ist Zuhause wirklich die jenseitige Welt, und das hat mich sozusagen etwas versöhnt – weil ich da hingucken durfte – hier mehr anzukommen, in meinem jetzigen, irdischen Zuhause.

Dirk Hirsch über seine Nahtoderfahrung[6]

Ein spirituelles Tabu: Das Dunkle im Jenseits

Caduta dei dannati (Sturz der Verdammten) von Dirk Bouts.

Bildrechte

SailkoDirk bouts, caduta dei dannati (inferno), 1450 ca. 02CC BY 3.0

 

In vielen Kirchen und spirituellen Kreisen wird pauschal behauptet, jeder Mensch käme nach dem Tod in einen schönen Himmel. Wer sich jedoch vernünftig mit Nahtod- und anderen transzendenten Erfahrungen beschäftigt weiß auch, dass ein Teil der betreffenden Menschen nicht nur wunderbare Himmelserfahrungen macht, sondern auch grauenhafte Höllenerfahrungen. Aber auch hier gilt: Je mehr man darüber weiß, umso eher können sich entsprechende Ängste lösen.

 

Die Hölle dürfte nicht das sein, wovon viele Kirchen sprechen und es ist fraglich, ob es richtig ist, sie als »ewig« zu bezeichnen. Auch hier zeigt sich, wie willkürlich viele Konfessionen und besonders auch viele evangelikale- und Freikirchen in ihrer Auslegung der Bibel sind, indem sie einfach behaupten, die Hölle sei ewig. Transzendente Erfahrungen bestätigen hingegen gewisse Aussagen in der Bibel, dass und warum Seelen aus dem Höllischen wieder herauskommen. So heißt es etwa in Jeremia 29-13: »Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich, der Herr. Ich werde euer Schicksal zum Guten wenden: Aus allen Ländern und Orten, in die ich euch zerstreut habe, will ich euch wieder sammeln und in das Land zurückbringen, aus dem ich euch damals fortgejagt habe. Darauf könnt ihr euch verlassen!« Sobald das Bewusstsein nicht mehr an den Körper gebunden ist hat man generell kein Zeitempfinden mehr. Alles fühlt sich ewig und absolut an, was aber nicht unbedingt real sein muss.

 

Wenn Seelen in dunkle Bereiche geraten, so dürfte dies auch weniger mit einer Bestrafung Gottes zu tun haben, sondern mit dem inneren energetischen bzw. seelischen Zustand eines Menschen selbst, mit seinem Gemüt und Charakter. So schreiben auch Mystiker wie etwa Emanuel Swedenborg, es sei nicht Gott, sondern der Mensch selbst, der sich in die Hölle stürzt.[7] Hierin liegt auch der Sinn des Begriffs Sünde, was nur ein Fremdwort für Absonderung oder Trennung ist. Der lieblose Mensch ist innerlich vom Gemüt her nicht in der Liebe und damit auch nicht in seinem Verhalten. Daher ist die Vergebung für jeden betroffenen Menschen selbst so wichtig. Sie ist der Prozess, durch den sich ein Mensch von Zuständen der »Sünde«, vor allem von der Gehässigkeit und Rachsucht, befreit.

 

Betroffene von Höllenerfahrungen waren zum Zeitpunkt ihrer Höllenerfahrung tatsächliche oft in Zuständen von starker Lieblosigkeit, Boshaftigkeit, Gehässigkeit, Missgunst, Neid, Gier, Rachsucht und Zerstörungswut. Aber hieraus sollte nicht voreilig der Schluss gezogen werden, jeder Mensch, der irgendwie unfriedlich ist, würde sicher in die Hölle kommen. Vor allem ist zu unterscheiden zwischen gesunden Formen des Ärgers einerseits, und einer durch und durch zerstörerischen, dauerhaften und krankhaften Lieblosigkeit bzw. Boshaftigkeit andererseits. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob ein Mensch eher aus Angst und innerer Unsicherheit zerstörerisch handelt oder eher aus voller Überzeugung oder sogar aus der Sucht heraus, andere Lebewesen zu beherrschen und zu quälen.

In der Natur existiert das Gesetzt der Entsprechung. Beispielsweise entspricht das Ohr einem Embryo, das Ohrläppchen repräsentiert den Kopf usw. So gibt es auch Entsprechungen zwischen der Geistigen Welt und unserer irdischen Welt (»Wie im Himmel so auf Erden«). Beispielsweise entspricht die Sonne dem »Licht« im Jenseits, die Wärme, die von der Sonne ausgeht, entsprecht der Liebe. Tatsächlich bezeichneten Menschen nach mystischen Erfahrungen jenes, was wir üblicherweise Gott nennen, als »Urzentralsonne«.

 

Die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern spiegelt die Beziehung zwischen Gott und den Menschenkindern. So wie Gott es nicht verhindern kann, dass wir Menschen- bzw. Gotteskinder in dunkle Bereiche geraten, können auch liebende irdische Eltern es nicht verhindern, wenn sich ihre Kinder in dunkle Bereiche des irdischen Lebens verirren. Würden Eltern es zu hundert Prozent vermeiden wollen, dass ihren Kindern jemals etwas passiert, so könnten sie ihnen keinerlei Freiheit geben. Sie müssten ihre Kinder einsperren und das entspräche nicht der Liebe. Die Liebe bringt den freien Willen bzw. Freiheit mit sich, und Freiheit bringt die Gefahr mit sich, sich im Leben zu verirren. Alleine schon das Verlassen des Ur-Lichtes, aus dem wir alle stammen, ist eine Folge des freien Willens. Auch Nahtoderfahrungen bestätigen immer wieder, dass zwar jedes Leben in vielerlei Hinsicht so verläuft, wie es geplant (determiniert) ist, es aber dennoch zu einem bestimmten Ausmaß einen freien Willen gibt. Die Rückkehr in die Liebe und Heimat muss aus eigener Überzeugung und völliger Freiwilligkeit erfolgen. Denn erzwungene Liebe ist keine Liebe. Man kann nicht aus eigener Kraft oder einzig aus eigener Entscheidung zurückkehren, aber man muss sich der Rückkehr oder dessen, was wir als Gnade bezeichnen, zumindest öffnen.

 

Dieser Artikel enthält weitere Ausführungen über Höllenerfahrungen. Er enthält auch Zitate darüber und er beleuchtet etwas genauer, warum betroffene Seelen aus dem Höllischen wieder heraus gekommen sind. Außerdem zeigt er, warum die Vergebung so wichtig ist.

Zitate über Nahtoderfahrungen

Deutschsprachige Youtube-Kanäle zu Mystik und Nahtoderfahrungen

Empirische Jenseitsforschung

https://www.youtube.com/user/Spirit318/featured

Thanatos

https://www.youtube.com/channel/UCWVMHyIWEvAWv3Lc1C5icVA/featured

Werner Huemer

https://www.youtube.com/user/WissensWerteWelt

Nahtoderfahrungen

https://www.youtube.com/channel/UCk1RSPiIoV3QHsvz4_mmtTg

Quellen

[1] Emanuel v. Swedenborg, H. J. Hube (Hrsg.), »Himmel und Hölle«, Marix Verlag 2016, S. 212 Z. 34

[2] Die NTE von Evert Ter Beek: https://www.youtube.com/watch?v=g84_s42TA7s

[3] Betty Eadie, »Licht am Ende des Lebens; Bericht einer außergewöhnlichen Nah-Todeserfahrung«, Knaur Verlag 2000

[4] Die NTE von Ken Martin: https://www.youtube.com/watch?v=m1IN3gy66rY ab 14:09

[5] https://www.youtube.com/watch?v=xHdrGCMWVzQ ab min 27:46

[6] https://www.youtube.com/watch?v=GXiUcUCYp8M&t=254s 6:38 und 9:32

[7] Emanuel v. Swedenborg, H J Hube (Hrsg.), »Himmel und Hölle«, Marix Verlag 2016, S. 349

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